Klassiker zum Start: Frankreich trifft auf Deutschland. Der Klassiker der beiden Fußball-Großmächte Deutschland und Frankreich bildet den Abschluss der ersten Gruppenspiele der EM-Endrunde. Der Weltmeister von 2014 trifft am Dienstagabend (21.00 Uhr/live ORF 1) in München auf den regierenden Champion. Deutschlands Joachim Löw geht zum Abschluss seiner Ära als Bundestrainer noch einmal auf den Titel los, bei den Franzosen will Didier Deschamps als Coach das schaffen, was ihm schon als Spieler gelang.

Von APA / NÖN.at. Update am 14. Juni 2021 (17:14)
Ex-Weltmeister und Weltmeister: Müller (l.) trifft auf Mbappe
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1998 und 2000 führte Deschamps die Equipe Tricolore als Kapitän zu Triumphen bei WM und EM. Die Qualität seiner Akteure um die Topstürmer Kylian Mbappe und Antoine Griezmann, Mittelfeldmotor N'Golo Kante oder Paul Pogba kann sich sehen lassen.

Mit Karim Benzemas Comeback wurde die hochklassig besetzte Offensivabteilung noch einmal aufgewertet. Die Deutschen wollen Teamgeist dagegenhalten. Verteidiger Antonio Rüdiger von Champions-League-Sieger Chelsea sagte: "Auf dem Papier sieht Frankreich stärker aus, was die Namen angeht. Aber das ist nur Papier." Beide Teams haben seit Einführung der Gruppenphase noch nie ein EM-Startspiel verloren.

In der fordernden Gruppe F ist ein beschaulicher EM-Auftakt nicht drin. Mit Europameister Portugal ist noch ein dritter Titelkandidat dabei, Außenseiter Ungarn wird aller Voraussicht nach die Rolle des Punktelieferanten einnehmen.

Kroos: Gruppe ist größter Gegner

"Der größte Gegner ist erstmal die Gruppe. Die zu überstehen, wäre schon mal ein Statement", sagte Deutschlands Toni Kroos über die Ausgangslage. Löw geht 14 Jahre, neun Monate und 30 Tage nach seinem ersten Spiel als Bundestrainer "mit sehr viel Vorfreude und einem gesunden Optimismus in das Turnier", wie er betonte.

"Das ist gleich ein riesen Knallerspiel. Für Deutschland. Und auch für uns", sagte Deschamps in der Pressekonferenz am Montagnachmittag. Während Deschamps aber glaubt, dass am Dienstag noch keine Entscheidung über das Weiterkommen fällt, rechnet sein Kapitän Hugo Lloris der Partie größere Bedeutung zu. "Das ist direkt ein Schlüsselspiel. Wenn wir Geschichte schreiben wollen, müssen wir direkt da sein."

Deutschland bestreitet gegen Frankreich das 50. Spiel bei einer EM-Endrunde seit 1972. So oft war keine andere Mannschaft bei einem Kontinentalturnier im Einsatz. Nur zwölf Partien gingen für den dreifachen Europameister verloren, die bisher letzte beim 0:2 im Halbfinale 2016 gegen Frankreich. Bei der WM in Brasilien hatte sich zwei Jahre davor im Viertelfinale Deutschland durchgesetzt (1:0). Vor dem nächsten Vergleich richteten sich die Kontrahenten Höflichkeiten aus.

Pavard: Wird ein schweres Spiel

"Das wird ein schweres Spiel gegen eine starke Mannschaft", sagte Frankreichs Benjamin Pavard: "Sie haben große Spieler wie Thomas Müller zurückgeholt und viele gute, junge Spieler." Der Rechtsverteidiger kennt das Geläuf. Pavard spielt für den FC Bayern, wie aus Frankreichs Aufgebot auch Lucas Hernandez, Corentin Tolisso und Kingsley Coman. Neben Pavard dürften auch Hernandez und Tolisso in ihrer Club-Heimstätte beginnen.

Theoretisch könnte es sogar sein, dass die Franzosen mit ebenso vielen Bayern-Spielern einlaufen wie Deutschland. Neben dem ins Nationalteam zurückgekehrten Müller gelten auch Torhüter Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Serge Gnabry in Löws auserkorenem 3-4-3-System als gesetzt. Clubkollege Leon Goretzka ist noch nicht voll fit. Das 7:1 im letzten EM-Test gegen Lettland war ob der Stärke des Gegners nur bedingt aussagekräftig. Dessen waren sich auch die Deutschen bewusst.

Frankreich setzt wieder auf Karim Benzema. Fast sechs Jahre nach seinem Rausschmiss wurde der 33-Jährige von Real Madrid (30 Saisontore) mit offenen Armen empfangen. Der Verlierer ist Olivier Giroud, der seinen Platz in der Sturmspitze verloren hat. Der Chelsea-Profi sorgte mit einem unnötigen Zwist mit Jungstar Mbappe für Verstimmung beim Weltmeister.

Deschamps war nicht erfreut

Der 52-Jährige versuchte, zu kalmieren. "Ich habe wie in jeder Gruppe die Erfahrung gemacht, dass es Affinitäten gibt. Das ist auch eine Frage der Generationen. Aber auf dem Platz tragen sie alle das gleiche Trikot und ich weiß, dass sich einer für den anderen einsetzt", sagte Frankreichs Trainer. Prinzipiell warnte Deschamps vor Hochmut. Die Rolle des Favoriten nehme er zwar an. "Aber Qualität und Talent reichen nicht. Selbstvertrauen darf nie in Selbstüberschätzung umschlagen."

Mbappe ist mit 22 Jahren der große Hoffnungsträger. Dass er oft nicht mannschaftsdienlich genug spiele, ist ein leiser, aber steter Vorwurf. Dies bemängelte auch Giroud. An Mbappes Qualitäten gibt es keinerlei Zweifel. "Er kann den Unterschied machen. Jederzeit. Er kann alles", sagte Benzema.

Auch Deschamps stellte klar, dass er in Mbappe einen Kandidaten als künftigen Weltfußballer sieht: "Sein Potenzial ist grenzenlos." Der Verband verweist darauf, dass Mbappe mit 17 Länderspiel-Toren schon mehr erzielt hat als Cristiano Ronaldo (15) oder Lionel Messi (12) im selben Alter bei nur unwesentlich weniger Einsätzen.