Erster Blick auf Wiens fahrerlose U-Bahn. Ab 2025 sollen in Wien erstmals fahrerlose U-Bahn-Züge auf der neuen U5-Strecke durch den Untergrund brausen. Der Auftragnehmer Siemens arbeitet bereits an der neuen Fahrzeuggeneration. Ein erster Wagenkasten ist nun fertig. Der noch ganz in Grau gehaltene Torso wurde am Donnerstag Medienvertretern präsentiert. Bis Fahrgäste in den "X-Wagen" einsteigen dürfen, dauert es allerdings noch drei Jahre.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 22. August 2019 (13:52)
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Die U-Bahn vom Typ X wird erst ab 2025 fahrerlos unterwegs sein

Nach jetzigem Stand werden die neuen Garnituren 2022 im Echtbetrieb eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt ist die U5 noch länger nicht fertig. Allerdings: Der X-Wagen wird auch mit einem Fahrerstand ausgestattet und ist dadurch auch auf den anderen Linien - mit Ausnahme der U6 - einsetzbar. Laut Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer dauert es aber noch mindestens ein Jahr, bis der erste Zug überhaupt ausgeliefert wird. Bis dahin wird noch das gesamte Innenleben - also von der Elektrotechnik über die Bildschirme für die Fahrgastinfo bis zu Türen, Fensterscheiben und Bestuhlung - eingebaut. "Dann müssen Test- und Bewilligungsfahrten und Bremstests absolviert werden", bis schließlich die Behörde grünes Licht für den Passagierbetrieb gibt, wie Steinbauer erklärte.

Gänzlich ohne Fahrer werden die neuen Züge dann erst ab 2025 unterwegs sein, wenn die erste Ausbaustufe der U5 (Karlsplatz bis Frankhplatz) fertig ist. Jene Wiener, die beim Gedanken an eine völlig chauffeurlose Garnitur ein mulmiges Gefühl haben, beruhigte Steinbauer heute: "Die U-Bahn ist das erste Verkehrsmittel weltweit, bei dem der vollautomatische Betrieb voll funktioniert. Das ist kein technisches Neuland mehr", verwies er auf zahlreiche andere Städte wie Paris oder Barcelona, wo die selbstfahrende Metro seit Jahren eingesetzt wird: "Beim Pkw wird das noch ein bisschen dauern."

34 X-Wagen-Modelle mit einer Kapazität von je 928 Fahrgästen haben die Wiener Linien 2017 bei Siemens bestellt, die im Werk in Simmering gebaut und bis 2030 ausgeliefert werden. Dazu gibt es die Option auf elf weitere Züge. Im 550 Mio. Euro schweren Auftrag ist auch ein 24-jähriger Wartungsvertrag inkludiert.

Albrecht Neumann, Leiter der Schienenfahrzeug-Sparte bei Siemens, ging auf ein paar technische Finessen des "relativ aufwendigen Fahrzeugs" ein. So legt man bei Siemens großen Wert auf Leichtbauweise, denn "jede Tonne muss ständig beschleunigt und abgebremst werden". Außerdem ermöglicht ständige Datenübertragung der Züge an die Zentrale eine "vorausschauende Wartung", bei der das System bei auftretenden Mängeln selbstständig Alarm schlägt und dadurch routinemäßige und oft unnötige Checks eingespart werden können. Für die Fahrgäste interessant: Die Sitze im X-Wagen werden nicht mehr aus Plastik, sondern aus Holz gefertigt. "Die sind umweltfreundlicher, langlebiger und leichter zu reinigen", versicherte Neumann.

Anders als Konkurrent Bombardier, der die neuen Flexity-Straßenbahnen baut und durch Probleme mit Zulieferern die vereinbarte Liefermenge dieses Jahr nicht erfüllen kann, gebe es bei den U-Bahnen keine diesbezüglichen Schwierigkeiten, versicherte Siemens-Spartenchef Neumann gegenüber der APA: "Es ist alles auf Schiene."

Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) bezeichnete das U2/U5-Linienkreuz heute als "eines der größten Klimaschutzprojekte der Stadt". Allerdings ist dieses bisher nur in der ersten Ausbaustufe - also für die U2-Verlängerung bis Matzleinsdorfer Platz und die U5 bis Frankhplatz - finanziert. Für die zweite Etappe bis zum Wienerberg (U2) bzw. zum Elterleinplatz (U5) ist die Einigung auf eine schon traditionelle Kostenteilung zwischen Stadt und Bund noch ausständig. Gefragt nach dem Stand der Dinge, sagte Sima zur APA: "Ehrlich gesagt laufen die Gespräche derzeit gar nicht." Schon unter Türkis-Blau sei die Bereitschaft für eine 50:50-Finanzierung "überschaubar" gewesen.

Sie hoffe aber, dass man mit der künftigen Regierung schnell Nägel mit Köpfen machen könne, denn schließlich gelte es in Österreich Klimaschutzziele zu erfüllen. "Ich erwarte mir, dass es bald Zusagen gibt und dieses Herumgeeiere rund um die zweite Ausbaustufe ein Ende hat", so die Ressortchefin. Laut Wiener-Linien-Geschäftsführer Steinbauer sollte es im kommenden Jahr zu einem Deal kommen, um die entsprechenden Zeitpläne einhalten zu können.

Ausständig in Sachen U2/U5 sind außerdem noch die Auftragsvergaben für große Teile der Arbeiten. Die Wiener Linien haben die entsprechenden Ausschreibungspakete im vergangenen Jahr gestoppt bzw. neu aufgesetzt, da in der ersten Runde von den Firmen nicht akzeptable Angebote gelegt worden seien, wie es damals hieß. Die endgültigen Vergaben sollen nun im Frühjahr 2020 erfolgen, wie Steinbauer der APA sagte.

Der Baustart ist ebenfalls für kommendes Jahr geplant. Derzeit würden die "Erstangebote" geprüft. Ob sie besser ausgefallen seien als beim ersten Durchlauf, könne man noch nicht beurteilen, denn "zahlenmäßige Angebote haben wir noch nicht am Tisch, sondern nur Bewerbungen", erklärte der Geschäftsführer. Geht alles nach Plan, soll es bei der Inbetriebnahme der ersten Teilstücke der U2 bzw. U5 in den Jahren 2027 bzw. 2025 bleiben. Das ist ein Jahr später als geplant. Steinbauer hatte die Verzögerung bereits im Vorjahr im Zusammenhang mit den Ausschreibungsproblemen angekündigt.