Kürzere Angaben und neuer Notenschlüssel. Kürzere und verständlichere Angaben, mehr Chancen auf Punkte, eine Änderung der Zeiteinteilung sowie eine neue "Rettungsmöglichkeit" beim Punkteschlüssel sollen die Zahl der Fünfer bei der Mathematik-Zentralmatura senken. Die Reifeprüfung solle aber dadurch nicht leichter werden, beteuerten Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sowie der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz.

Von Redaktion, APA. Update am 28. Januar 2019 (16:22)
APA
Bildungsminister Heinz Faßmann präsentierte die Matura-Änderungen

Gelten sollen die am Montag präsentierten Maßnahmen bereits beim nächsten Maturatermin am 8. Mai. Im Vorjahr waren an den AHS rund 22 Prozent an den schriftlichen Klausuren gescheitert, an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) waren es 19 Prozent. Faßmann schickte daraufhin Scholz auf eine "Zuhörtour" in die Bundesländer, um Verbesserungsvorschläge zu sammeln.

Durch die Bank kürzer und einfacher verständlich werden die Aufgabenstellungen. Sogar die Hinweise zur Aufgabenbearbeitung sollen künftig auf eine A4-Seite passen. Darüber hinaus sollen die Schüler einfacher zu Punkten kommen - bzw. zu halben. Bisher mussten bestimmte Aufgabenformate - etwa Multiple-Choice-Aufgaben - vollständig korrekt gelöst werden, um einem Punkt zu erhalten, ansonsten waren null Punkte zu geben. Künftig soll eine teilweise richtige Lösung auch mit einem halben Punkt bewertet werden können, etwa wenn drei von vier Multiple-Choice-Möglichkeiten richtig erkannt wurden.

An den AHS wird die Zeiteinteilung der aus zwei getrennten Blöcken bestehenden Matura geändert: Bisher musste der zweistündige Grundlagenteil (24 Punkte) mit einfacheren Aufgaben gelöst und abgegeben werden, anschließend der zweieinhalbstündige zweite Teil mit anspruchsvolleren Aufgaben (ebenfalls 24 Punkte). Künftig werden beide Aufgabenteile gleichzeitig zu Beginn ausgeteilt und können die vollen viereinhalb Stunden bearbeitet werden.

Weitere Erleichterung: Für einen Vierer sind derzeit 16 Punkte im Grundlagenteil nötig, wobei im zweiten Teil dafür noch vereinzelt "Bonuspunkte" zur Erreichung der 16 Punkte gesammelt werden konnten. Künftig sollen als zweite Möglichkeit auch insgesamt 24 Punkte aus beiden Teilen für ein Genügend ausreichen.

Anders als bisher soll außerdem ein Fachlehrer, nach Möglichkeit sogar der Klassenlehrer am Beginn der Klausur anwesend sein und für allgemeine Fragen zur Verfügung stehen. Konkrete Lösungshinweise darf er aber nicht geben. "Da habe ich keine Angst, dass das System ausgenutzt wird", meinte Faßmann.

Begrüßt wurden die Änderungen von Bundesschulsprecher Timo Steyer: "Durch diese Veränderungen haben die Schülerinnen und Schüler die Chance, bei der Matura ihr Können unter Beweis zu stellen." Scholz wiederum will über die kurzfristigen Änderungen hinaus auch grundsätzlich die Frage stellen, warum es in Mathe um so vieles häufiger Fünfer gibt als etwa in Englisch oder Deutsch.

In einer anderen Funktion könnte Scholz übrigens erneut wiederkehren: Es gebe das Angebot, eine ähnliche Vermittlerfunktion in Sachen Lesefähigkeit bzw. Kritik der Schriftsteller an der Zentralmatura zu übernehmen, so der ehemalige Stadtschulratspräsident. "Reizvoll wäre das schon." Eine endgültige Zusage gebe es aber noch nicht.