Mieter für Klosterneuburgs BH-Gebäude dringend gesucht. Die Aussetzung des Projekts „Neues Rathaus“ soll mehr Geld für Klimaschutz, Radwege und Kinderbetreuung bringen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 28. Mai 2020 (06:05)
In der Coronakrise wird das Projekt „Neues Rathaus“ im alten Gebäude der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung verschoben. Die Räumlichkeiten sollen aber zwischenzeitlich vermietet werden. Foto: Hornstein
Hornstein

Für das ehemalige Gebäude der Bezirkshauptmannschaft sollen rasch neue Nutzungsmöglichkeiten gefunden werden – vor allem, um Einnahmen durch Vermietung für dringende Maßnahmen in Sachen Klimaschutz sowie Kinderbetreuung lukrieren zu können.

Während die Übersiedelung der Verwaltung in das „neue Rathaus“ aufgrund der Notbudgetierung bis auf Weiteres ausgesetzt werden soll, begibt sich die Stadtregierung auf die Suche nach Möglichkeiten der Nutzung des ehemaligen Gebäudes der Bezirkshauptmannschaft (BH), sprich Mietern. Zwischen verschiedenen Fraktionen haben Verhandlungen über gemeinsame Ziele stattgefunden, und es wurden die Budgetpfade für wichtige Themen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten abgesteckt.

„Es konnte ein gutes Ergebnis für den Klimaschutz, den Ausbau der Kinderbetreuung und der Radwege erreicht werden.“Vizebürgermeister Roland Honeder (ÖVP)

Die Einnahmen durch die Vermietung des BH-Gebäudes sollen – so der Vorschlag an den Gemeinderat - schwerpunktmäßig für Klimaschutz, hier auch besonders für den Radwegeausbau, sowie den Ausbau der Kleinkinderbetreuung eingesetzt werden. Einigkeit besteht auch darin, dass der Radwegebau integraler Bestandteil des Klimaschutzes ist.

Für die Vermietung des BH-Gebäudes schwebt der Stadtregierung eine ebenso nachhaltige wie zeitgemäße Nutzung vor: Hier sollen Büros im Sinne von Co-Working entstehen. Dabei handelt es sich um ein Konzept neuer Arbeitsformen, welches vor allem kleineren Unternehmen, Einzelunternehmern, aber auch Angestellten, die nicht die Möglichkeit haben, von zu Hause zu arbeiten, Büroflächen zur Verfügung stellt.

Co-Working kann einerseits flexible Mietmöglichkeiten bieten, andererseits trägt es zur Vernetzung bei und soll die Zusammenarbeit, das Co-Working, fördern. Vor allem aber ermöglicht es kurze Wege zwischen Arbeitsplatz und Wohnung. Ein wichtiger Aspekt und die Chance, Stehzeiten und Staus während der Hangbrückensanierung zu verringern und außerdem Autokilometer zum Arbeitsplatz einzusparen.

„Co-Working-Spaces sind die Büros der Zukunft“

Konkret sollen von den Einnahmen aus der Vermietung des Gebäudes etwa ein Drittel für Kinderbetreuung, ein Drittel für die Erhaltung des Hauses und Investitionen (z. B. in das Projekt Co-Working Spaces) und ein Drittel in den Klimaschutz fließen, wobei von diesem letztgenannten Drittel ungefähr die Hälfte in den Radwegeausbau fließen soll.

Vizebürgermeister Roland Honeder (ÖVP), zuständiger Stadtrat für Klimaschutz, Biodiversität und Immobilienverwaltung, zu den Plänen für das BH-Gebäude: „In budgetär so schwierigen Zeiten wie diesen haben Stadtrat Ableidinger und ich dieses Paket mit dem Finanzstadtrat Konrad Eckl unter Einbeziehung anderer Fraktionen verhandelt. Es konnte ein gutes Ergebnis für den Klimaschutz, den Ausbau der Kinderbetreuung und den Radwegeausbau erreicht werden, das ich gerne dem Gemeinderat vorschlagen will. So könnte ein über zusätzliche Einnahmen abgesicherter Budgetpfad für diese Themen fixiert werden.“

„Aufgrund dieser Gesamtsituation spricht sich auch die SPÖ für diese
Vorgangsweise aus.“Karl Schmid, Stadtrat (SPÖ)

Stadtrat Clemens Ableidinger (NEOS) ergänzt: „Co-Working-Spaces sind die Büros der Zukunft. Wie die Corona-Krise gezeigt hat, ist Home-Office schon jetzt in vielen Branchen üblich, setzt aber eine entsprechende Infrastruktur voraus. Diese können wir im alten BH-Gebäude schaffen und damit nicht nur den Pendelverkehr nach Wien reduzieren, sondern auch Räume für innovative Start-ups und EPUs zur Verfügung stellen.“

Stadtrat Karl Schmid (SPÖ) sagt: „Die Einnahmen der Stadtgemeinde gehen massiv zurück, ein längerer Rechtsstreit mit dem Miteigentümer zeichnet sich ab, und es ist wichtig, für künftige Projekte der Stadt Einnahmen zu erzielen, um beispielsweise die Kinderbetreuung in Klosterneuburg auszubauen. Aufgrund dieser Gesamtsituation spricht sich auch die SPÖ für diese Vorgangsweise aus.“