Josef Pitschko: Strache mit Anlauf in Falle gesprungen. FP-Fraktionschef Josef Pitschko verurteilt Strache und Gudenus scharf, lobt aber die Regierungsarbeit in der Koalition.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 22. Mai 2019 (04:30)
NÖN
Fraktionschef Josef Pitschko (FPÖ) zieht mit Strache und Gudenus, aber auch mit der SPÖ hart ins Gericht.

„Wenn sich ein ohnehin angefeindeter Spitzenpolitiker wie Strache sieben Stunden lang mit einer unbekannten, angeblich reichen russischen Oligarchin und ihrem angeblichen deutschen Freund in einem fremden Haus zusammensetzt, sich zuerst mit Alkohol abfüllen und dann unrealistische persönliche politische Wunschvorstellungen herauslocken lässt, muss man geradezu unvorstellbare Naivität oder Dummheit vermuten.“ Harte Worte, die der Chef der Klosterneuburger FPÖ, Josef Pitschko gegen seine Parteikollegen findet.

Die politische Falle wurde anscheinend, über Monate hinweg über Gudenus aufgebaut – meint Pitschko weiter – und sollte zuschnappen, wenn sich Strache – wie bei einem Urlaubsaufenthalt – besonders sicher fühlte und daher unvorsichtig war. Pitschko: „Selbst als Strache wegen der dreckigen Fußnägel der angeblich reichen russischen Oligarchin hinter dem Treffen eine Falle vermutete, war sein offensichtlich blindes Vertrauen zu Gudenus stärker als die begründete Angst vor einer politischen Falle.“

Pitschko lobt die Regierungsarbeit

Strache sei wegen seiner menschlichen Schwächen und seines blinden Vertrauens zu Gudenus in eine über Monate hinweg akribisch genau aufgebaute Falle getappt, „an deren Aufbau Gudenus als unfreiwilliger nützlicher Idiot mitgewirkt hat“, zieht Pitschko weiter über die nun zurückgetretenen FP-Spitzen hart ins Gericht.

Die Aussagen in dem Video, insbesondere auch die ins Auge gefasste Manipulation von Auftragsvergaben und der Parteifinanzierung, hätten ihn – Pitschko – zutiefst erschüttert und abgestoßen.

„Strache ist in eine Falle getappt, an deren Aufbau Gudenus als unfreiwilliger nützlicher Idiot mitgewirkt hat.“ Stadtrat Josef Pitschko, FPÖ

„Als Rechnungshofbeamter, FPÖ-Stadtrat und Vorsitzender des Rechtsausschusses des Gemeinderates habe ich jahrzehntelang gegen Korruption, Amtsmissbrauch und Freunderl- und Pfründewirtschaft gekämpft. Gesetze und Verordnungen waren immer Mittelpunkt meines politischen Handelns, unabhängig von den betroffenen Personen oder Organisationen“, führt Pitschko weiter aus.

Das Erschütterndste an der derzeitigen politischen Lage sei für ihn jedoch der Umstand, dass jetzt die SPÖ, die bisher als Synonym für politischen Sumpf sowie Freunderl- und Pfründewirtschaft stünde, alle ihre Skandale aus der politischen Diskussion heraushalten kann und die gute Arbeit, die von der türkis-blauen Regierung für den Großteil der Bürger geleistet worden wäre, vollkommen in den Hintergrund rückt.

„Sollte das Sprichwort: ‚An ihren Taten sollt ihr sie erkennen‘, Gültigkeit haben, müsste man die FPÖ an ihrer tatsächlichen Regierungsarbeit beurteilen und nicht an einem vor ihrem Regierungsbeitritt unter aufklärungsbedürftigen Umständen aufgenommenen Video“, schließt der Fraktionschef der FPÖ Klosterneuburg.