Erika Mitterer: Gedanken aus einem kleinen Ort. Der Kritzendorfer Martin Petrowsky brachte ein Buch mit Briefen an seine und von seiner Mutter heraus.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 31. Oktober 2020 (04:51)
Erika Mitterer verbrachte mit ihren – damals – zwei Kindern das Ende desZweiten Weltkriegs in Kritzendorf. Nun hat die „Erika Mitterer Gesellschaft“ ein Buch mit Briefen von der und an die Schriftstellerin aus den Jahren 1945/46 herausgebracht.
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In diesem Jahr gedachte die ganze Welt dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen, die diese Zeit miterlebt haben, bietet nun das neue Buch „davongekommen ...“, in dem etwa 50 Briefe an die und von der Dichterin Erika Mitterer gesammelt wurden.

Da die Schriftstellerin in diesen Jahren auch ein kleines Häuschen in Kritzendorf besaß, beschreibt sie in einigen Briefen die Zeit zwischen 1945 und 1946 in der Katastralgemeinde an der Donau.

Erika Mitterer (1906-2001) hat sich als Epikerin, Lyrikerin, Dramatikerin und engagierte Leserbriefschreiberin mit den sozialen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen ihrer Zeit auseinandergesetzt. Als wichtige Vertreterin der Literatur der inneren Emigration leistete sie in ihren Werken als eine der ersten Schriftstellerinnen Österreichs „Vergangenheitsbewältigung“.

Das Kriegsende in Kritzendorf

Auch mit dem neuen Werk, das nun von der „Erika Mitterer Gesellschaft“ mit deren Geschäftsführer und Sohn der Schriftstellerin Martin Petrowsky herausgegeben wurde, wird diese Geschichtsaufarbeitung mit persönlichen Briefen auf eindrucksvolle Weise fortgesetzt. „Ich bin der Überzeugung, dass die hier publizierten, sehr persönlichen Dokumente die Verständnisprobleme vieler Menschen, die das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht persönlich erlebt haben, reduzieren werden“, erklärt Petrowsky.

Da in die Wiener Wohnung von Mitterer und ihrer Familie 1944 Bombenopfer zwangseinquartiert wurden, verbrachte Mitterer mit ihren zwei kleinen Kindern die letzten Monate des Krieges in ihrem Sommerhaus in Kritzendorf. In Briefen an Freunde und Verwandte schildert sie in den Briefen, die kurz vor dem Kriegsende und danach, als das Postwesen langsam wieder funktionierte, ihre Erfahrungen und berichtet vom Leben und Überleben in der Klosterneuburger Katastralgemeinde.

Im Jahr 2001 verstarb die umtriebige Schriftstellerin im Alter von 95 Jahren. Ihr zu Ehren wurde von der Stadt Wien eine Straße im 13. Wiener Gemeindebezirk „Erika-Mitterer-Weg“ benannt.