E-Mobilität im Alltag: Grüner Gedanke als Antrieb. Die Zahl der E-Autos steigt. Experten aus dem Bezirk setzen auf Sonnenkraft und produzieren Strom selbst.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 17. Juli 2019 (03:07)
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Seit acht Jahren fährt Fachmann Andreas Göttinger elektrisch. Der Klosterneuburger ist überzeugt: „Ich kaufe keinen Verbrenner mehr.“

Sie tauschen den Zapfhahn mit einem Stromkabel aus und tanken nicht, sondern stecken an: 522 Lenker im Bezirk fahren elektrisch. E-Mobilität boomt, Trend steigend: Im ersten Halbjahr 2019 wurden 66 E-Autos angemeldet – jedes achte Fahrzeug mit Strom ist neu.

Darunter auch der dunkelgraue Tesla von Andreas Göttinger. Der Klosterneuburger Elektro-Fachmann hat vor acht Jahren sein erstes E-Auto erworben, seit rund einem Monat düst er mit dem Tesla durch die Gegend. Reichweite: über 400 Kilometer, egal ob Autobahn, Stadt oder Landstraßen. Göttinger: „Es ist ein leises Fahrzeug, macht Spaß und fasziniert durch das autonome Fahren.“

„Das ist einfache Physik. E-Motoren sind drei- bis viermal so produktiv, der Wirkungsgrad ist viel höher, weniger Energie geht verloren.“ Matthias Zawichowski, „fahrvergnügen.at“

Der Experte ist überzeugt: „Ich kaufe keinen Verbrenner mehr.“ Das gilt auch für die Firmenautos: Mitarbeiter sollen künftig elektrisch unterwegs sein, angetrieben vom Umwelt-Gedanken. „Die Sonne schickt mehr Energie, als wir brauchen. Strom ist die Zukunft“, weiß Göttinger.

Teure Anschaffung, in Summe gespart

Aber nicht nur das ist Motivation: Auch ein Blick in die Geldbörse spricht für E-Mobilität. „Strom für 100 Kilometer kostet 3,50 Euro. Bei der Anschaffung muss man mehr Geld ausgeben, in Summe kostet es weniger. Ich spare im Jahr 3.000 Euro“, rechnet der Klosterneuburger vor.

Dazu kommt, dass der Tesla kaum Verschleiß hat: Kein Service in den ersten vier Jahren, Updates über Bordcomputer und Internet, Batterien, die für eineinhalb Millionen Kilometer ausgelegt sind, schwärmt der Elektriker für sein neues Gefährt. Die Begeisterung für E-Mobilität nimmt Göttinger in den Beruf mit: „Wir setzen unseren Schwerpunkt auf Ladeinfrastruktur und photovoltaik-geführtes Laden.“

Auf Sonnenkraft baut auch Matthias Zawichowski, Obmann von „fahrvergnügen.at“. Der Verein hat 45 E-Autos im Fuhrwerk, unterwegs sind die Fahrzeuge mit selbstproduziertem Strom aus Photovoltaik-Anlagen. Um einen Monatspreis von 25 Euro können Mitglieder fünf Stunden gratis fahren, weitere 60 Minuten kosten 4,20 Euro. An fünf Standorten im Bezirk – dreimal Tulln, einmal St. Andrä-Wördern und einmal Klosterneuburg – steht ein Pkw zum Ausborgen bereit.

Jedes Auto ist etwa zweimal pro Tag im Einsatz. Zawichowski: „Im Schnitt sind die Mitglieder zwei bis drei Stunden unterwegs und fahren 70 Kilometer.“ Die Strecke ist bedeutsam, nicht nur für die Vereinsstatistik: Für 70 Kilometer benötigt ein E-Auto etwa elf Kilowattstunden. Allein die Produktion von Benzin für die gleiche Strecke braucht elf Kilowattstunden – der Treibstoff selbst ist in der Energiebilanz noch nicht mitgerechnet. „Das ist einfache Physik. E-Motoren sind drei- bis viermal so produktiv, der Wirkungsgrad ist viel höher, weniger Energie geht verloren“, erklärt der Tullner. Bei der Produktion von Diesel entstehen 75 Prozent Abfallprodukte, bei Elektromotoren hingegen gehen nur zehn Prozent verloren.

Dennoch ist gerade die Herstellung der Hauptkritikpunkt an E-Mobilität: Die Batterie-Produktion, so die Gegner, sei schädlicher als Benzin- oder Dieselautos.

Der Faktencheck des Klima- und Energiefonds lässt diese Argumentation nicht gelten: „Unter Berücksichtigung des gesamten Fahrzeuglebenszyklus (inklusive Produktion) sowie des heimischen Strommix (inklusive Importe) verursachen Elektrofahrzeuge um bis zu 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als fossil betriebene Kfz.“ Und das, obwohl die benötigte Energiemenge – etwa bei der Herstellung von Stahl oder Aluminium für die Akkus – mitunter höher ist.

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