Schächten: Proteste gegen zwei Betriebe im Kierlingtal. Zwei Bauernhöfe führen muslimisches Ritual durch. Aktivisten protestierten dagegen, Amtstierarzt Hofer-Kasztler: „Leiden auf Mindestmaß.“

Von Claudia Wagner. Erstellt am 21. August 2019 (04:18)
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Eine Handvoll Aktivisten protestierte in Kierling und Maria Gugging gegen das Schächten. Zwei Betriebe führen das Ritual durch.

Mit blutüberströmten Metzgerschürzen, abgetrennten Plastik-Tierköpfen und grimmigen Totenkopf-Masken protestierten Aktivisten – einen Tag nach dem Start des muslimischen Opferfests – gegen Schächten. Zwei Landwirte im Kierlingtal führen das betäubungslose Schlachten durch, vor den Höfen schlugen die Tierschützer ihre Transparente auf.

„Schächten mit  Schlachten  vergleichbar“ 

„Das ist eine Gewissensfrage. Ich kann nicht auf mich nehmen, dass ich weiß, dass Tiere ohne Betäubung sterben müssen“, appelliert Tom Putzgruber von „RespekTiere“. Der Verein setzt sich für das vollständige Verbot ein. „Mit der typisch österreichischen Lösung mit dem ,Post-Cut-Stunning‘, also der Narkose unmittelbar nach dem Schächtschnitt, kann sich jemand, dem das Wohl der Tiere am Herzen liegt, nicht zufriedengeben“, mahnt der Aktivist. Die nachträgliche Betäubung sei, „als ob der Arzt bei einer Operation zuerst die Bauchdecke aufschneidet und dann die Narkose setzt“, so Putzgruber. Er habe selbst Schächtungen miterlebt und ist sicher: „Das ist im Tierschutz ein Schritt zurück.“

„Ich kann nicht auf mich nehmen, dass ich weiß, dass Tiere ohne Betäubung sterben müssen“ Tom Putzgruber, Verein „RespekTiere“

Das Gesetz erlaubt betäubungsloses Schlachten in Ausnahmefällen, „wenn dies auf Grund zwingender religiöser Gebote oder Verbote einer gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft notwendig ist und die Behörde eine Bewilligung erteilt hat.“ Beide Betriebe haben die Erlaubnis, zum Opferfest einmalig Tiere zu schächten, die Genehmigung muss jedes Jahr neu eingeholt werden.

„Das ist alles im gesetzlichen Rahmen“, betont Landwirt Johann Fanta. Auf seinem Hof wurden Schafe und Rinder geschlachtet. Fanta: „In anderen Ländern werden den Tieren hinten die Sehnen durchgeschnitten, dass sie nicht mehr gehen können, und dann nach einem Martyrium werden sie blutig abgestochen.“

Nach dem Schnitt sofort der Schuss

In Österreich darf das nicht sein. Um eine Genehmigung zu bekommen, müssen die Betriebe strenge Regelungen einhalten. Amtstierarzt Christoph Hofer-Kasztler erklärt: „Es ist vorgegeben, wie das Tier zu fixieren ist, das Tier muss beispielsweise noch Boden unter den Füßen spüren.“ Und: „Sofort nach dem Schächtungsschnitt muss die Betäubung durch den Landwirt erfolgen.“ Das passiert mit einem beim Schlachten üblichen Bolzenschuss, der das Tier nicht tötet, sondern am Hirn so verletzt, dass es das Bewusstsein verliert. Nach dem Schuss bleibt das ohnmächtige Schaf oder Rind fünf Minuten am Boden liegen, bevor sein Fleisch weiterverarbeitet werden darf.

Schächten ist ein religiöses Ritual, in Österreich ist die Behörde bei dem Akt stark involviert: Hof und Schächter brauchen jeweils die Genehmigung, ein vom Amtstierarzt zugewiesener Tierarzt muss beim Schlachten jedes Tieres anwesend sein, der Amtstierarzt überprüft die Schächtungen in unregelmäßigen Abständen. „Leiden und Ängste werden auf das Mindestmaß reduziert. Wenn die Vorgaben eingehalten werden, kann man Schächten mit Schlachten vergleichen“, verdeutlicht der Amtstierarzt und, „wenn Schuss und Schnitt in einem gehen, bekommt das Tier nichts mehr mit.“

Schächtboxen fixieren Schafe und Rinder

In Kierling und Maria Gugging haben die Betriebe Vorrichtungen, die die Tiere fixieren und ihnen möglichst wenig Leid zufügen sollen. Die Schafe und Rinder werden in die Schächtboxen hineingeführt, bevor sie mit einem Schnitt verwundet und sofort mit einem Schussapparat und einer Patrone durch das Gehirn betäubt werden.

„Mir ist lieber, die Tiere sterben in einer Sekunde bei uns am Hof, als sie werden unter großem Stress irgendwohin verfrachtet“, meint Landwirt Hannes Neidl. Er kenne Horror-Geschichten aus dem Ausland: „Ich weiß von anderen, die fahren in die Slowakei, nach Tschechien oder Ungarn. Dort können sie machen, was sie wollen. Bei uns ist alles streng geregelt.“

„Mir ist lieber, die Tiere sterben in einer Sekunde bei uns am Hof, als sie werden unter großem Stress irgendwohin verfrachtet“

Eine muslimische Gemeinde in Klosterneuburg gibt es nicht. Bei den Betrieben schächten Muslime von außerhalb – etwa Wien, Salzburg oder Deutschland – die Tiere. Das Ritual ist ein feierlicher Teil des Opferfests. Im Gedenken an den Propheten Ibrahim lassen die Gläubigen ein Tier schlachten.

„Respekt vor der Schöpfung und Bewusstheit für die Verantwortung im Umgang mit Tieren“

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich IGGÖ schreibt auf ihrer Homepage strenge Regeln vor: „Ausschließlich fachmännisch darf das rasche Durchtrennen der Halsschlagadern vorgenommen werden. Damit tritt auch eine Betäubung ein.“ Und fordern zwei wichtige Faktoren ein: „Respekt vor der Schöpfung und Bewusstheit für die Verantwortung im Umgang mit Tieren.“