Grippeschutzimpfung: Droht uns ein Engpass?. Die Österreicher werden darauf eingeschworen, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Ob aber genug Impfdosen geliefert werden und wer diese erhält, ist nicht geklärt.

Von Herwig Mohsburger. Update am 23. September 2020 (13:58)
Auch Ärzte brauchen Impfschutz: Julia Schachner„versorgt“ in der Sierndorfer Gruppenpraxis ihrenMediziner-Kollegen Patrick Reichel.
Mohsburger

Um angesichts von Covid 19 das Gesundheitssystem zu entlasten, raten vor allem Politiker zur Grippeschutzimpfung. Die NÖN hat nachgefragt, wer welche Impfungen haben sollte – und ob diese auch erhältlich sind.

Angekündigt wurde, dass Schüler und Lehrer gegen die Influenza geimpft werden sollen. „Wir haben das entsprechende Schreiben Mitte August bekommen, wonach die Impfung für Lehrer und Schüler auch gratis sein soll“, erklärt die Stockerauer Sportmedizinerin Birgit Höfle, die Schulärztin am Gymnasium Korneuburg ist.

Die Praxis könnte aber anders aussehen: „Ich weiß nicht, woher wir den Impfstoff bekommen sollen und wer dann impft“, so die Medizinerin. Denn die Impfung starte normal etwa Mitte Oktober, Apotheken könnten aber keine Kontingente zusagen. Höfle rät, dass neben Risikopatienten auch „alle in der Schule“ geimpft werden sollten und grundsätzlich „wer mit vielen Menschen zusammenkommt.“

„Bei der Grippeschutzimpfung sieht es schlecht aus, obwohl ich vorreservieren habe lassen“Gregor Jakober, Wahlarzt in Würnitz

Angesichts von Grippe, grippalen Infekten und Covid 19 sind laut Höfle Schnelltests für Schulen wichtig, „dann könnten Verdachtsfälle von Erkältungen unterschieden werden.“ Für Eltern ist der Hausverstand wichtig: „Im Zweifelsfall das Kind daheim lassen!“, rät Höfle.

Das Problem der richtigen Diagnose kennt auch Mediziner Helmut Zaloudek aus Großmugl: „Ich werde mich heuer impfen lassen, weil die Unterscheidung zwischen Grippe und Covid19 schwierig ist.“ Zudem könne man die Krankenhaus-Infrastruktur entlasten, wenn man nicht an der Grippe erkrankt.

Die Impfung empfiehlt Zaloudek allen Menschen ab etwa 50, 55 Jahren, „oder wenn Risikogruppen daheim sind.“ Dies gelte auch bei Schülern, die Überträger sein können. Automatisch müsse man die Kids aber nicht impfen. Einen Posten Impfstoffe hat Zaloudek bestellt, nun muss auf die Lieferung gewartet werden. Als bestes Grippeschutzmittel sieht der Arzt die Hygiene: „Die hilft gegen Grippe noch besser als gegen Covid 19!“

Kritik, dass sich Wien eine große Menge des Impfstoffs gesichert haben könnte

„Ich habe praktisch alle Impfstoffe da, nur bei der Grippeschutzimpfung sieht es schlecht aus, obwohl ich vorreservieren habe lassen“, ortet Gregor Jakober, der Wahlarzt in Würnitz ist, Versorgungsprobleme. „Es schaut schlecht aus“, so Jakober. So habe es schon zahlreiche Anrufe in seiner Ordination gegeben ob er gegen Grippe impfen würde; „dies aber von Menschen, die noch nie als Patient da waren“, so der Arzt.

Jakober kritisiert, dass Wien sich offenbar einen großen Posten an Impfstoffe gesichert habe und vermutet einen Zusammenhang mit der Wien-Wahl. „Man darf nicht mit der Gesundheit der Risikopatienten spielen“, warnt er vor einem möglichen Engpass. „Die Ärzte werden im Impfgespräch auswählen müssen, wen sie impfen“, beschreibt Jakober die möglichen Probleme. Dabei sei es „gerade heuer besonders wichtig, dass Menschen mit Immunschwäche einen Impfschutz bekommen.“

Neben der Grippeschutzimpfung rät Jakober für Risikogruppen und ab ca. 60 Jahren auch dringend zur Pneumokokkenimpfung. „Die meisten Lungenentzündungen sind bakterieller Natur, da hilft die Impfung“, so der Mediziner. Gerade Lungenentzündungen könnten aber als zusätzliche Erkrankungen neben Covid 19 auftreten.

Vorbeugung mit Sport und gesundem Lebensstil

Die Grippeschutzimpfung sieht die Sierndorfer Ärztin Julia Schachner besonders wichtig. Zusätzlich rät sie vor allem bei älteren Patienten auch zur Pneumokokkenimpfung, die in mehreren Teilen erfolgt. Schachner sieht dadurch auch einen Nebeneffekt, denn „grundsätzlich stimuliert Impfen das Immunsystem.“

Wichtig sind laut Schachner die Impfungen, „weil sie eine Mehrfachbelastung des Organismus verhindern, wenn der Körper schon durch eine Erkrankung geschwächt ist.“ Darüber hinaus rät sie zur Vorbeugung: „Gesund leben, Sport betreiben.“ Besonders Risikogruppen sollten zudem stark belebte Orte meiden.

Schachner beruhigt, was einen möglichen Impfstoff-Engpass betriff: Nachschub sei zugesagt. „Eine zweite Charge soll etwa im Dezember kommen, noch rechtzeitig, bevor die Grippesaison beginnt“, so Schachner.

Ausreichende Versorgung mit Impfstoff ist fraglich

„Wir müssen schauen, nach welchem Schlüssel aufgeteilt wird“, zeichnet Daniel Danninger von der Rohrwaldapotheke in Leobendorf ein realistisches Bild von der Versorgung mit dem Grippeimpfstoff. Er habe zwar etwas mehr als sonst bestellt, wieviel von der Bestellung aber wirklich geliefert wird, werde sich erst Ende September, Anfang Oktober zeigen. Die Pharmafirmen richten sich bei der Produktion nach der Nachfrage – und die Österreicher waren bei der Grippeschutzimpfung eher Impfmuffel, erinnert Danninger. „Dass es sich heuer mit den Impfstoffen nicht ausgehen wird, ist klar“, so der Apotheker. Er beruhigt aber auch: „Nur weil die Politiker zum Impfen aufrufen heißt das nicht, dass alle Menschen dem auch folgen.“ Deshalb zeigt Danninger auch Optimismus: „ Vielleicht geht es sich ja unerwarteter Weise auch aus.“

Wer sich aber einen Grippeimpfstoff zulegen will, sollte heuer schauen, dass er rechtzeitig in der Apotheke vorbeikommt, empfiehlt Danninger. Er erwartet jedenfalls „einen außergewöhnlichen Herbst.“ Covid 19 und der Aufruf der Grippeschutzimpfung hat jedenfalls einen Nebeneffekt. Angehörige der Risikogruppen erkundigen sich verstärkt auch nach andern empfehlenswerten Impfungen wie etwa gegen Pneumokokken.

Impfvorbeugung auch in Pflegeheimen

Ein großes Thema ist die Grippeschutzimpfung natürlich in Senioren- und Pflegeheimen, den Zentren der Risikogruppen. Im  Pflege- und Betreuungszentrum Korneuburg erklärt Direktor Christian Seidl: „Wir bieten den Bewohnern die Impfung an, sie oder der gesetzliche Vormund entscheiden dann, ob sie geimpft werden.“ Vor einem Engpass bei den Impfstoffen hat er keine Angst: „Die Landesgesundheitsagentur als Betreiber hat ausreichend vorgesorgt“, so Seidl.

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