Radwege im Bezirk Korneuburg: Das Netz hat Lücken. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger in Perzendorf (Gemeinde Hausleiten), bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegenetz in NÖ entbrannt.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 14. August 2019 (05:39)
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Über die Schulter blicken, Handzeichen geben, mit einer Hand lenken und bremsen, dann zwischen den „Haifischzähnen“ durch. Diese Querung der B3 in Spillern ist für Franz Hatzl eine gefährliche Falle. Foto: Mohsburger

Die NÖN hat nach dem tödlichen Radunfall in Perzendorf nachgefragt, wie es um das Radwegenetz im Bezirk bestellt ist. „Zwischen den Ortschaften gibt es oft keinen Radweg, obwohl sie meist in Raddistanz sind“, ärgert sich etwa Richard Stawa von der Radlobby Korneuburg. Dabei seien Entfernungen um die drei bis vier Kilometer ideal für die Radnutzung.

„Ich meide Straßen.“Ernstbrunns Ortschef Horst Gangl

Doch während es etwa in Holland viele dieser Überland-Verbindungen gibt, „bleiben Radfahrer in Niederösterreich die Stiefkinder“, erklärt Stawa. Andere Bundesländer wie etwa Kärnten oder das Burgenland seien da viel weiter. Im Bezirk sieht Stawa viel Potenzial für den Radverkehr, „weil das Land recht flach ist und die Distanzen zwischen den Orten kurz sind. Da wäre bei Radnutzung sehr viel Luft nach oben.“ Pro blematisch sieht er allerdings das Fahren auf Landstraßen: „Der Tempounterschied zu überholenden Autos lädt nicht zum Radfahren ein.“

Ernstbrunns VP-Bürgermeister Horst Gangl bekennt sogar: „Ich meide Straßen.“ Dabei hat der begeisterte Radfahrer in den vergangenen Jahren fast 8.000 Kilometer mit dem E-Bike zurückgelegt. „Wir versuchen, Katastralgemeinden über Nebenstrecken zu verbinden, denn auf Landstraßen sind mehr als 2.000 Fahrzeuge unterwegs“, so Gangl. Er wünscht sich höhere Förderungen, um alle Katastralgemeinden anbinden zu können. Zahlen sollte auch der Bund, „denn Radfahren ist Klimaschutz und fördert die Gesundheit.“

Stetten hat für den Schulweg nach Rückersdorf extra Feldwege markiert. „Es gibt auch eigene Sammelpunkte, von denen aus die Kids gemeinsam losradeln könnten“, erklärt SP-Bürgermeister Thomas Seifert. Per Radweg nicht erreichbar sind aber die Supermärkte. Ein Weg endet bei der Fossilienwelt, Richtung Flandorf gibt es keinen. Verbesserungen im Radwegenetz wünscht sich der VP-Bürgermeister von Enzersfeld, Gerald Glaser, meist scheitere es aber am Geld. Die Verbindung Enzersfeld – Königsbrunn abseits der Straße ist aber asphaltiert. Auch der Anschluss an den Eurovelo bei Hagenbrunn über Feldwege wird bald kommen, „die Schilder werden besorgt“.

Besser sehen und gesehen werden

Oft seien Radrouten nicht leicht zu erkennen, kritisiert der Gemeinderat der Grünen in Spillern Franz Hatzl und fordert: „Die Tafeln gehören vereinheitlicht.“ Als gefährlich erachtet er die oft zu geringe Breite der Wege. Durch die Vielfalt an Fahrzeugen, vom „klassischen“ Rad bis zum E-Scooter, werde der Platz knapp. Mehrzweckstreifen findet Hatzl vorteilhafter als Radwege, speziell bei Kreuzungen. „Man sieht und wird gesehen“, nennt er als Grund. Allerdings sollten die Markierungen durchdacht sein. Auf der B3 in Spillern gibt es allerdings nur optisch einen Mehrzweckstreifen, verordnet wurde er von der Bezirkshauptmannschaft nicht.

Die Abzweigung auf der B3 in Spillern aus Stockerau kommend in die Landstraße in Spillern und auf den Weinviertel-Donau-Radweg bezeichnet Hatzl als „Falle“: Wer abbiegen will, muss einhändig, weil auch Handzeichen zu geben sind, im rechten Winkel die Straße queren, dabei den Verkehr beobachten, einhändig lenken und bremsen können. Zudem ist die Überfahrt nicht wie sonst üblich mit weißen Quadraten markiert, sondern mit „Haifischzähnen“.

Ärgerlich wird es für alle, die bei Stockerau-Ost in die Au radeln wollen. Sie werden etwa in Höhe der Autobahnpolizei von einem Fahrverbotsschild gestoppt. Die Radroute wäre zwar recht nahe auf einem Damm, die Böschung ist aber zu steil, um sie zu erklimmen. Korrekt muss bis zum Kreisverkehr in der Wiener Straße zurückgefahren werden, von dort geht es dann in die Au. „Ein paar Meter planierter Weg würden diese Lücke schließen“, erklärt Hobbyradfahrer Walter Minichmayr.

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