Ärger in der Wachau: Impfaktion nur für sechs Wochen. Wachauer Ärzte enttäuscht: Station muss nach nur sechs Wochen wieder zusperren. 1.440 Termine waren umgehend vergeben.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 07. April 2021 (05:57)
Schwer enttäuscht sind die Ärzte der Impfgemeinschaft Wachau (hier mit den beiden Assistentinnen): Michael Wagner, Wolfgang Berthold, Thomas Krendl, Klemens Reinberg, Thomas Smolik, Benedikt Stadlbauer, Andrea Dlouhy und Elisabeth Hillinger (v. l.) sowie Klaus Nentwich (nicht im Bild) haben am 5. April mit dem Impfen begonnen.
Martin Kalchhauser

Die gemeinsame Initiative der sieben Allgemeinmediziner aus Aggsbach-Markt, Weißenkirchen, Mühldorf und Weinzierl am Walde, in Weißenkirchen eine Corona-Impfaktion durchzuführen, fand großen Widerhall. Doch sie wird nach sechs Wochen wieder passé sein.

„Wir sind dem Appell gefolgt und haben hinter der Weißenkirchner Gemeinschaftspraxis der Mediziner Klemens Reinberg und Benedikt Stadlmayer Container aufstellen lassen“, erzählt Thomas Smolik, Arzt in Aggsbach. 1.440 Termine waren in kurzer Zeit vergeben. Seit Ostermontag wird geimpft.

Doch dann kam der Schlag: Das Land Niederösterreich bestimmte die „blau-gelben Impfzentren“, an die der vorhandene Impfstoff verteilt und in denen künftig die Spritze verabreicht wird.

Für Stadt und Bezirk Krems wird das in Krems sein. Die ursprünglich für drei Monate geplante Aktion in der Wachau wird damit nach sechs Wochen Geschichte sein.

„Mit diesem Vorgehen schwächt man das Hausarzt-Wesen einmal mehr auf einer weiteren Ebene.“Wolfgang Berthold, Allgemeinmediziner in Mühldorf

Smolik: „Wir könnten 500 Menschen pro Woche impfen! Der Bedarf ist da, aber wenn wir keinen Impfstoff mehr bekommen, ist die Aktion zu Ende.“ Ob und wann die Hausärzte wieder Impfstoffe bekommen werden, sei derzeit nicht abzusehen.

Enttäuscht sind auch seine Kollegen. „Man könnte als Hausarzt, zu dem er Vertrauen hat, dem Patienten Angst nehmen, wir haben gut funktionierende Strukturen“, stellt der Mühldorfer Wolfgang Berthold fest. „Damit schwächt man das Hausarzt-Wesen einmal mehr auf einer weiteren Ebene.“

Bei der Organisation der Covid-Maßnahmen fehle nicht nur in diesem Fall die Kontinuität. Die (Fehl-)Investition von mehreren tausend Euro in die Aufstellung der Container ist ein weiteres Faktum, das Klemens Reinberg für die heimische Ärzteschar in die Kritik einbringt.

Die Hausärzte der Wachau hoffen dennoch, mit ihrem Projekt einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten zu können. Eine Anmeldung zur Impfung ist nach wie vor ausschließlich via Internet über www.impfung.at möglich.

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