Wurden Hummer in Gasthaus illegal gehalten?. Tierschützer über Anblick der Krustentiere in Lokal schockiert. Amtstierarzt rief Polizei.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 20. August 2019 (05:15)
RespekTiere
Die Tierschützer um Thomas Putzgruber (Zweiter von links) demonstrierten bei der Zufahrt zum Landgasthof Schickh.

In der Spitzengastronomie ist Hummer ein beliebtes Produkt. Das zarte Fleisch der Meeresbewohner ist Gästen je nach Zubereitungsart oft über 30 Euro wert. Nicht umsonst gilt Hummer als das Königsgericht unter den Fisch- und Krustentierspeisen. Für emotionale Debatten sorgt immer wieder die Tötung der Tiere, die lebend in die Restaurants kommen. In den Küchen der Welt gibt es viele verschiedene Varianten. Den Hummer entzweischneiden und sofort auf den Grill legen, ihm das Messer durch den Kopf bohren oder die klassische Methode: ins kochende Wasser werfen.

Zum Schmerzempfinden der Hummer gibt es ebenso viele unterschiedliche Meinungen, wie Studien. Während die einen behaupten, der Hummer habe ein ausgeprägtes Nervensystem und durchleide im Kochtopf Höllenqualen, sind andere skeptisch, was die Empfindungen der Krustentiere betrifft.

In Österreich ist das Töten in heißem Wasser nur bei vorhergehender Betäubung erlaubt. Seit einigen Jahren gibt es auch bei der Haltung strengere Regeln. Den Tieren dürfen etwa nicht mehr die Scheren zusammengebunden werden.

Tierschützer starteten Rechercheaktion

privat
Dieses Foto in einer Kühlbox aufbewahrter, lebender Hummer soll im Restaurant Schickh in Klein-Wien entstanden sein.

Das Landgasthaus Schickh, ein gehobenes Wirtshaus mit klassischer und französischer Küche in Klein-Wien (Gemeinde Furth), hat darauf reagiert und ein Meerwasserbecken für seine Tiere errichtet. Das soll zuletzt aber immer wieder leer gewesen sein, obwohl Hummer auf der Karte stand.

Aktuell gibt es das an der Atlantikküste weitverbreitete Tier als „Hummercremesuppe mit Garnelen“. Den Tierschützern des Vereins „RespekTiere“ kam das spanisch vor. „Deswegen haben wir eine Rechercheaktion gestartet. Wir haben uns als Kunden ausgegeben und nach dem Hummer gefragt“, erzählt der Kammerner Obmann Thomas Putzgruber.

Daraufhin habe ein Kellner eine Kühlbox mit aufeinandergehäuften Hummern mit zusammengebundenen Scheren an den Tisch gebracht. „Unfassbar! Sie haben sich kaum bewegen können. Ein Tatbestand, der mehrere schwere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz beinhaltet“, war Putzgruber schockiert.

Hummer für Polizei nicht mehr auffindbar

Wenige Tage später initiierte der engagierte Tierschützer eine Demonstration mit vier Gleichgesinnten bei der Zufahrt zum Restaurant und rief auch Amtstierarzt Michael Oppitz zur Hilfe, der die Polizei verständigte und Anzeige erstattete. Die Exekutive entdeckte im Restaurant dann aber keine Hummer. „Natürlich waren sie unauffindbar. Verkaufen hätte er sie in diesem knappen Zeitraum nicht können“, war Putzgruber sauer. Von der Familie Schickh war für die NÖN aufgrund eines Betriebsurlaubes niemand erreichbar.