Silberjodid in Region Krems: Sorge um Gift im Boden. Dramatische Wetterphänomene als Folge? Vorwürfe sind für den Kulturenschutzverein völlig haltlos: „Hat keinen Einfluss!“

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:47)
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„Gift reichert sich im Boden an!“ Der Verein „Regen ist Leben“ – im Bild Nicole Steininger, Herbert Steiner und Hermann Steininger (von links) – übt erneut heftige Kritik an den Hagelfliegern.
Martin Kalchhauser

„Die Risiken sind höher als der Nutzen!“ Erneut tritt der Verein „Regen ist Leben“ mit Sitz in St. Leonhard/Hw. gegen den Kulturenschutzverein Langenlois und Umgebung, der von Gneixendorf aus die Hagelabwehr mit Fliegern betreibt, an.

„Silberjodid schädigt die Organismen.“  Herbert Steininger

Das in die Wolken injizierte Silberjodid sei als Desinfektionsmittel im Einsatz. „Es desinfiziert damit auch die Gewässer im Gebiet“, wie Obmann Herbert Steiner betont. Hermann Stei nin ger: „Silberjodid schädigt die Organismen.“ Dies werde vom Land NÖ in den jährlichen Bescheiden zur Impf-Erlaubnis nicht überprüft. „Das Zeug kumuliert sich im Boden, und über 40 Jahre kommt da schon einiges zusammen!“

Das Bewilligungsverfahren sei, so die Vereinsaktivisten, überhaupt mangelhaft – negative Gutachten würden ignoriert.

Sogar ein Fachmann des Landes hegt Zweifel, wie es Nicole Steininger schriftlich beweisen kann. In einem Brief der Gruppe Umwelthygiene des Landes stellt Michael Jungwirth fest, dass „der Beweis, dass ohne Impfen kein Hagel gefallen wäre, nur schwer zu führen“ sei. „Die Wirkung der Hagelabwehr ist wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen.“ Und er zitiert sogar eine Studie: „Folgeschäden könnten eventuell die Veränderung des mikrobiellen Boden-Ökosystems sein.“

Nicht beweisen können die Hagelflug-Gegner ihre Behauptung, negative Einflüsse durch die Aktionen würden zu dramatischen Wetterphänomenen in angrenzenden Gebieten führen. So ist die Region St. Leonhard überdurchschnittlich trocken, und sogar Unwetter wie jüngst im oberen Waldviertel und der Tornado in Tschechien könnten Folge der Eingriffe sein.

„Diese Vorwürfe sind völlig haltlos!“

„Es hat schon mehrere Untersuchungen und Studien gegeben. Das Silberjodid war immer unter der Nachweisgrenze“, tritt Kulturenschutzverein-Obmann Emmerich Granner den Vorwürfen entgegen. „Da wurden auch Gebiete mit und ohne Hagelabwehr verglichen!“

Die Aktionen der Hagelflieger würden lediglich die Form des Niederschlags – Regen statt Hagel oder kleinere Hagelkörner – verändern. „Wir können die Wassermengen und die Zugrichtung nicht verändern!“, stellt er fest. „Das hat überhaupt keinen Einfluss.“

Die Vorwürfe der Gegner sind für Granner „völlig haltlos“. Man brauche jährlich Sachverständigengutachten für die Genehmigung. „Aber die Ausstellung des Bescheides ist immer ohne Probleme möglich, weil es keine fachlichen Argumente für negative Einflüsse gibt.“