Apotheker oder doch Hausarzt? Rundblick im Bezirk Krems. Nehmen Hausapotheken öffentlichen Apotheken das Geschäft weg? Betroffene beschreiben ihre Sicht der Dinge.

Von Martin Kalchhauser und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 03. September 2019 (04:45)
Johannes Mayerhofer
„Jeder soll das machen, was er am besten kann“, sagt Adler-Apothekenchefin Gabriele Denk. Sie sei sehr für eine bessere Bezahlung von Landärzten. Hausapotheken sieht sie jedoch kritisch.

5.645 verschiedene Medikamente und rund 41.000 Packungen umfasst der Bestand der Kremser Adler-Apotheke. „Wir haben verschiedene Variationen des gleichen Medikaments, beispielsweise für den Fall, dass jemand laktoseintolerant ist“, sagt Leiterin Gabriele Denk. Empfindet sie die bundesweit knapp 900 Hausapotheken niedergelassener Allgemeinmediziner als Konkurrenz?

Einerseits ja. Doch sie relativiert: „Hausapotheken können die Leistungen von Apotheken nicht vollständig ausgleichen. Was uns und unseren Kunden Probleme macht, ist eher die Parkplatzsituation in der Stadt als Konkurrenz durch eine Hausapotheke.“ Wenig aufwendige Medikationen würden von Hausapotheken bereitgestellt, wenn es aber um „spezielle, maßgefertigte Mittel geht, würden dann doch oft Rezepte geschrieben“, so Denk.

„Sind der wichtigste Versorgungspunkt!“

Längere Öffnungszeiten, nächtliche Erreichbarkeit, Samstagsdienste, größeres Sortiment, keine Terminvereinbarung: Für Gabriele Denk gibt es viele Vorteile einer öffentlichen Apotheke. „Problematisch finde ich auch, wenn ein Hausarzt den Apothekendienst ganz allein erledigen muss. Ich finde die Vier-Augen-Kontrolle immer gut“, erklärt sie. „Und außerdem“, fügt sie hinzu, „ist jeder Nachtdienst ein Verlust für uns Apotheker. Der Arzt bekommt so etwas extra bezahlt. Wir entlasten damit die Krankenkassen und Ambulanzen.“ Laut Apothekerkammer fangen Apotheken 30 Prozent der Menschen ab, bevor sie zum Arzt gehen.

Anders klingen naturgemäß die Stimmen aus der Ärzteschaft. „Die Hausapotheke ist der wichtigste Versorgungspunkt für meine Patienten. Die nächste Apotheke ist acht Kilometer entfernt in Hadersdorf“, sagt der Allgemeinmediziner Helmut Sammer. Der Arzt aus Grunddorf streicht das gute Versorgungsniveau seiner Hausapotheke hervor: „Ich führe rund 1.000 verschiedene Medikamente und bekomme zwei Zulieferungen pro Tag.“ Das Sortiment sei zudem auf seine Patienten abgestimmt.

Verhältnis zu den Apotheken ungetrübt

Eine Konkurrenzsituation mit den öffentlichen Apotheken sieht auch er, von einem schlechten Verhältnis mit der Apothekerschaft möchte aber auch er nicht sprechen. „Die Hausapotheke ist für akute Notfälle. Manche Waren, wie etwa rezeptfreie Medikamente, bekommt man nur in der Apotheke“, erklärt Sammer.

Aber sind Hausapotheken tatsächlich ein so wichtiger Faktor, um den Beruf des Landarztes attraktiver und lukrativer zu machen? Für Sammer trifft dies definitiv zu. „Es macht einen klaren Unterschied, ob man eine Hausapotheke hat oder ob man keine hat“, erklärt er. Außerdem, so Sammer, dürfe man nicht vergessen, dass dafür separate Räumlichkeiten, eigene Infrastruktur nötig seien und man zusätzlichen Prüfungen unterliege.

Die gute Zusammenarbeit der heimischen Ärzte mit den Apotheken streicht der Vertreter der Allgemeinmediziner im Bezirk, der in Schönberg und Plank ordinierende Arzt Peter Tschiesche, hervor. Generell sei die Zahl der Hausapotheken aber im Sinken. „Dass zum Beispiel eine Arztstelle in Lan gen lois nicht nachbesetzbar ist, hat sicher auch mit der fehlenden Hausapotheke zu tun.“ Eine solche Einrichtung sei für den klassischen Landarzt jedenfalls „ein wichtiges finanzielles Zubrot. Auch wenn manche Apotheker sagen, dass die Krankenkassen-Medikamente sowieso kein Geschäft sind.“

Für die Nachbesetzung freier Stellen sei eine Hausapotheke jedenfalls ein wichtiges Argument: „Und eine Hausapotheke ist ja auch für die Patienten sehr angenehm, weil sie um ihre Medikamente nicht nochmals extra wohin gehen müssen.“

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