Bis zu -8 Grad: Totalausfall bei Marille befürchtet. Temperaturen bis zu minus acht Grad lassen Marillenbauern trotz Frostschutzmaßnahmen vom Schlimmsten ausgehen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 08. April 2020 (06:07)

Franz Reisinger hat viele lange Nächte hinter sich. Tagelanger Nacht- und Morgenfrost zwang den Obmann des Vereins Wachauer Marille wie viele seiner Kollegen zur Ergreifung erheblicher Schutzmaßnahmen. Und doch könnte der Einsatz von Überkronenberegnung, Heizöfen und Paraffinkerzen umsonst gewesen sein. Minustemperaturen bis zu acht Grad machte die Mühen der Bauern zu einem Kampf gegen Windmühlen.

Selbst in Krems sank die Quecksilbersäule auf minus fünf Grad. Ein Wert, den die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erst einmal, 1978, in ihrer 145-jährigen Messgeschichte verzeichnete. Auch wenn sich eine seriöse Prognose erst in zwei bis drei Wochen abgeben lasse, weiß Reisinger: „Es schaut nicht gut aus. Es wird Gärten geben, in denen gar nichts drauf ist.“ Sieben Nächte kämpften seine sechs Helfer und er mit selbst gebauten Öfen gegen die Kälte an.

Nachbarn halfen wegen Einreiseverboten aus

Eine Arbeit, die körperlich, aber auch finanziell zehrte: „Den Aufwand, den man da betreibt, kann man sich gar nicht vorstellen. Das Heizmaterial, das Befüllen der Öfen, das kostet alles was. Wenn man das auf unser Produkt aufrechnet, müsste die Marille eigentlich sechs oder sieben Euro kosten.“

Zusätzlich erschwert wurde der Kampf gegen den Frost durch das Coronavirus. Ausländische Gastarbeiter durften nicht einreisen. Bei Reisinger halfen die Nachbarn aus.

Sollte es heuer keine Marillen geben, wäre das für die Bauern katastrophal: „Die Fixkosten bleiben auch, wenn es keine Ernte gibt. Die Gärten dürfen ja deswegen nicht unbewirtschaftet bleiben“, erklärt Reisinger, dem es an der Wertschätzung für Lebensmittel und die Bauern fehlt. „Gerade jetzt merkt man wieder, wie wertvoll Obst, Gemüse, Brot und Milch sind. Ich würde mir ein Nachdenken darüber wünschen, was wir wirklich brauchen.“

Gerstenmayer: Nur „zehn bis zwanzig Prozent“ versichert

Eine Frostversicherung hat Reisinger wie viele seiner Kollegen nicht abgeschlossen, obwohl die von Land und Bund gefördert wird. „Aus dem einfachen Grund, dass die Prämien viel zu hoch sind und man relativ viel Schaden haben muss, um überhaupt in den Genuss einer Entschädigung zu kommen“, erklärt Reisinger.

Die Frostversicherung läuft in Österreich über die Hagelversicherung. Die Marillenbauern legen den Versicherungswert selbst fest. Der Prämiensatz beträgt 26,4 Prozent, wovon die öffentliche Hand 55 Prozent zurückzahlt. Ab einem Ertragsverlust von 36 Prozent zahlt die Versicherung. Je nach tatsächlichem Schaden werden maximal 80 Prozent der vereinbarten Versicherungssumme ausbezahlt.

Konkretes Beispiel: Vereinbart ein Marillenbauer etwa 10.000 Euro pro Hektar als Versicherungswert, bezahlt er jährlich 2.640 Euro Prämie. Land und Bund übernehmen davon 1.452 Euro. Verzeichnet der Bauer einen Totalausfall, erhält er in diesem Fall 8.000 Euro von der Versicherung.

In der Wachau können auf dieses Szenario nur die Allerwenigsten hoffen. Franz Gerstenmayer, der bei der Hagelversicherung für die Bereiche Krems und Langenlois zuständig ist, schätzt, dass in der Region nur „zehn bis zwanzig Prozent“ der Marillenbauern gegen Frost versichert sind. Seine dringende Empfehlung lautet, eine Versicherung abzuschließen. „Durch den Klimawandel kommt es immer früher zur Blüte. Und, dass es Mitte März Frost gibt, ist fast jedes Jahr so.“