Brutalo-Ex bald frei: „Ich fürchte um mein Leben“. Frauenschläger aus dem Bezirk Krems kommt trotz noch ausständiger einjähriger Haftstrafe am 7. Mai aus Gefängnis. Situation war 2018 aus dem Ruder gelaufen, als er in die gemeinsame Wohnung mit der Ex einbrach, diese niederschlug und Dinge mitgehen ließ.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 30. April 2019 (05:51)
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Die Langenloiserin Sandra Beran wurde von ihrem ehemaligen Lebensgefährten mehrmals geschlagen. Symbolfoto: Shutterstock/Tiko Aramyan

Zwei Jahre lang dauerte die Tortur der Sandra Beran. Die Schläge, die die zierliche Langenloiserin von ihrem früheren Lebensgefährten Robert H. (Name von der Redaktion geändert) regelmäßig einstecken musste, haben Spuren hinterlassen. „Ich bin psychisch total fertig, leide unter Depressionen und Schlafstörungen“, erzählt die 33-jährige dreifache Mutter unter Tränen.

Ex ist ab 7. Mai wieder ein freier Mann

Jetzt fürchtet sie die Fortsetzung des Albtraums. Ihr mehrfach vorbestrafter Tyrann, der am 12. Februar dieses Jahres wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde und seit 7. Jänner eine Haftstrafe wegen Betrugs in der Justizanstalt Krems absitzt, ist ab 7. Mai wieder ein freier Mann.

Chris Leneis
Sandra Beran ist nach den schlimmen Gewaltakten ihres Ex-Freundes traumatisiert. Foto: Chris Leneis

Wegen der anderen Delikte müsse er erst nächstes Jahr wieder hinter Gitter, schildert Beran. „Wenn ich an die Frauenmorde Anfang des Jahres denke, muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich um mein Leben fürchte. Seine Hemmschwelle ist in der Vergangenheit gesunken.“

Ihren Anfang nahm Berans Leidensgeschichte im Jahr 2016, ein Jahr nachdem sie mit H. in Langenlois zusammengezogen war. „Da hat er mich das erste Mal geschlagen.“ Es folgten weitere Angriffe, meist gegen Körperstellen, die für die Öffentlichkeit nicht sichtbar sind. Warum sie nicht sofort die Polizei aktiviert habe, wisse sie aus heutiger Sicht nicht mehr, sagt Beran. „Da war die Liebe noch groß. Vielleicht wollte ich ihm nicht noch mehr schaden. Außerdem ist er ein guter Manipulator, hat großen psychischen Druck auf mich ausgeübt.“

2018 lief die Situation völlig aus dem Ruder

Ein Jahr lang sei sie dann nicht mehr geschlagen worden, schildert Beran weiter, ehe der 6. Oktober 2018 kam – der Tag, an dem das Fass überlief. Nach einer Tankstellenrunde kam der 43-jährige H. schwer alkoholisiert nach Hause und fing an, auf seine wehrlose Freundin einzuschlagen. Diesmal landeten die Hiebe auch in der Hals- und Gesichtsgegend. Nachdem er noch das Handy seiner Lebensgefährtin eingesteckt hatte, machte sich H. aus dem Staub.

Beran, zu diesem Zeitpunkt schon bei einer Gebäudereinigungsfirma tätig, teilte sich am nächsten Tag ihrer Chefin mit. Mit ihrer Unterstützung fand die 33-Jährige H. bald bei besagter Tankstelle, um ihr Handy zurückzufordern und dann endgültig einen Schlussstrich zu ziehen. Kurios: Weil sich H. von den Damen belästigt fühlte, rief er selber die Polizei, die ihn nach Berans Schilderung der Vorfälle sofort festnahm.

Wer jetzt meint, Justitia bereitete den Übeltaten des Mannes ein schnelles Ende, der irrt. Noch am selben Tag kam H. wieder auf freien Fuß, brach in die gemeinsame Wohnung, für die er bereits ein Betretungsverbot hatte, ein, schlug Beran nieder, verwüstete die Einrichtung und ließ noch einige Dinge von Wert mitgehen. Noch in der selben Nacht griff die Polizei H. in Krems auf – das vorläufige Ende der Geschichte, die ihre Fortsetzung bei einem Haftausgang H‘s Anfang April fand.

„Ich finde es traurig, dass er wieder ungehindert an mich ran kann. Für uns Frauen sollte viel mehr Schutz da sein.“Sandra Beran

Nachdem er schon bei zwei Freigängen zuvor Beran telefonisch terrorisiert hatte, trat er an diesem Tag ihre Wohnungstüre ein, weil sie sich geweigert hatte, ihn hereinzulassen. Erst die zu Hilfe gerufene Polizei konnte H. bändigen.

Dass ihr Peiniger ab 7. Mai wieder „freies Geleit“ hat, kann Beran, die durch das Gewaltschutzzentrum Zwettl Betreuung erfährt, überhaupt nicht nachvollziehen. „Ich finde es traurig, dass er wieder ungehindert an mich ran kann. Für uns Frauen sollte viel mehr Schutz da sein.“ In ein Frauenhaus will Beran nicht gehen, da sie nicht ihr gesamtes Leben in Langenlois aufgeben will. „Ich möchte einfach wieder glücklich sein.“

Wie ist es möglich, dass H. nach seiner Vorgeschichte schon am 7. Mai enthaftet wird? Ferdinand Schuster, Vizepräsident des Landesgerichts Krems, erklärt: „Gegen das Urteil vom 12. Februar wurde Berufung eingelegt, die Strafe ist damit nicht rechtskräftig. Wenn eine derartige Gefährdung gegen die Frau oder Tatausführungsgefahr bestünde, läge es an der Staatsanwaltschaft, Untersuchungshaft zu beantragen.“ Ob das gemacht worden sei, teilte die Staatsanwaltschaft Krems der NÖN auf Anfrage nicht mit.

Edtstadler plädiert für Täterarbeit-Pflicht

Betroffenheit löst der Fall aus Langenlois bei Karoline Edtstadler, Staatssekretärin im Innenministerium und Leiterin der „Task Force Strafrecht“, die mit der Umsetzung des Regierungsvorhabens, härtere Strafen für Sexual- und Gewaltverbrecher einzuführen, beauftragt ist, aus. „Die erschütternde Geschichte von Frau Beran zeigt einmal mehr, wie notwendig weitere Maßnahmen sind, um vor allem Frau und Kinder besser vor Gewalt schützen zu können. Die notwendigen Gesetze sind gerade in Ausarbeitung.“

Edtstadler plädiert für eine verpflichtende Täterarbeit. „Damit müssen sich Gefährder nämlich schon nach einem polizeilichen Betretungsverbot bei spezialisierten Einrichtungen melden und sich dann verpflichtend mit ihrem Aggressionspotenzial auseinandersetzen.“