Horst Berger: „Die Kremser Innenstadt ist nicht tot!“. Der neue Stadtmarketing-Chef Horst Berger versprüht positive Stimmung, ortet aber in vielen Bereichen erheblichen Verbesserungsbedarf.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 18. Februar 2020 (05:52)
Horst Berger
Martin Kalchhauser

Horst Berger ist der neue Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH. Die NÖN traf den Tourismus-, Event- und Marketingexperten nach seiner Vorstellung zum Antrittsinterview.

NÖN: Sie treten Ihren neuen Job am 1. März an. Haben Sie sich schon vorbereitet?

Horst Berger: Ich habe mich vorbereitet, seitdem ich mich für die Position beworben habe. Ich habe aus meiner vorigen Tätigkeit einen sehr guten Background, aber es geht da um sehr viele Detailfragen und die habe ich jetzt viele Wochen lang intensiv aufgearbeitet, sodass wir relativ zügig starten können.

Die Vermarktung einer Innenstadt und eines Ausflugsziels deckt sich mit meinem Erfahrungsschatz

Wie geht es mit Ihrer Firma bergerconsult weiter?

Die Firma werden wir auf Stand-by stellen. Ich werde mich zu 100 Prozent dieser Aufgabe widmen.

Es gibt nicht Wenige, die sagen, Stadtmarketing-Geschäftsführer zu sein, ist der schwierigste Job der Stadt. Warum tun Sie sich das an?

Weil ich davon überzeugt bin, dass ich aufgrund meiner Erfahrung der richtige Mann bin. Ich habe zu jedem Bereich meine klaren Vorstellungen. Wenn wir als Team stark sind, werden wir das auch umsetzen können.

Ihrem Vorgänger Alfred Pech sagte man nach, er habe nicht delegieren können. Sind Sie ein Teamplayer?

Ja. Ich bin es gewohnt, dass ich mit Leuten zusammenarbeite und Mitarbeiter führe. Ich bin für meine effizienten Umsetzungen bekannt und werde in relativ kurzer Zeit einiges bewegen.

Das Stadtmarketing-Team ist momentan vier Personen stark. Gibt es jemanden, den Sie ins Boot holen wollen?

Ich habe die Zusage, sollten wir Teammitglieder brauchen, dass ich die freie Wahl habe. Im digitalen Bereich werden auch schon Gespräche geführt. Sollte Bedarf sein, werden wir weitere Mitarbeiter aufnehmen.

Sie kommen aus den Bereichen Marketing, Tourismus und Eventmanagement. Im Stadtmarketing und Standortmarketing haben Sie keine Erfahrungen. Ihr Vorgänger Pech hat bevor er nach Krems gekommen ist, knapp 20 Jahre in diesem Feld gearbeitet. Ist dieser Mangel an Routine zu kompensieren?

Ich arbeite seit vielen Jahren für Handelsbetriebe und Konzerne. Durch dieses Wissen kann ich hier sicher das nötige Hintergrundwissen bieten. Die Vermarktung einer Innenstadt und eines Ausflugsziels deckt sich mit meinem Erfahrungsschatz. Zusätzlich habe ich mich in das Thema bereits sehr intensiv eingelesen.

Sie können im Eventmanagement einige Erfolge vorweisen. Was ist in diesem Bereich in der Innenstadt möglich?

Die Innenstadt ist eine Bühne, die für Events perfekt geeignet ist. Es wird Events geben, die werden kleiner sein, wo man einfach wirklich die Kremser und ihre Familien anspricht aber auch größere, überregional relevante Events. Mir ist es ein Anliegen, hier das Kremser Potenzial auszuschöpfen, das heißt die Kremser Vereine ins Boot zu holen. Wichtig ist hier eine gewisse Regelmäßigkeit, kleine Events im musikalischen Bereich können in den Sommermonaten einmal pro Woche stattfinden. Idealerweise natürlich zu Zeiten, wo die Betriebe offen haben. Sie sollen profitieren können.

„Krems an der Donau ist ein Ort des Wassers. Dieses Thema wird in der Fußgängerzone aber nicht gespielt.“

Krems hat als Universitätsstadt ein enorm hohes Potenzial bei den jungen Leuten. Wie wollen Sie sie abholen?

Wir müssen trendiger auftreten. Dieser Faktor gepaart mit den alten Häusern erzeugt Spannung und das könnte interessant werden. Wir brauchen moderne Wohlfühlzonen, das können neue Lokale sein aber auch kleine, belebte Konzepte. Die Infrastruktur muss auf jeden Fall modernisiert werden, wir brauchen Infoscreens. Wir müssen da weg von den antiquierten Aufstellern, die da herumstehen. Es geht um zeitgemäße Gestaltung. Ich kann mir vorstellen, das in Form eines Wettbewerbs auszuschreiben. Natürlich sind auch die Betriebe angehalten, wie man etwas trendiger auftreten könnte und genau deswegen wollen wir auch Kurse und Seminare anbieten.

Als ehemaliger Veranstalter der Sunset Lounge im Stift Göttweig wissen Sie, wie man junge Leute zu Events in einem besonderen Ambiente bringt. Wäre etwas Vergleichbares auch für die Innenstadt denkbar?

Die Innenstadt ist eine sehr hochwertige Zone. Dadurch müssen wir Events extrem hochwertig ansetzen, was aber nicht heißt, dass wir dadurch gewisse Zielgruppen ausschließen. Junge Leute, Studenten und Schüler haben heute einen extrem hohen Qualitätsanspruch, den man in der Innenstadt sicher erfüllen kann. In Form von klassischen Partys wird das natürlich nicht passieren. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir vielleicht die längste Weinbar Österreichs mit einem extrem hochwertigen Auftritt in der Fußgängerzone etablieren. Das kann natürlich kombiniert sein mit DJ’s. Da gibt es international genügend Beispiele, etwa den Queen’s Day in Amsterdam. Da ist die ganze Stadt eine Partyzone, aber trotzdem auf einem extrem hochwertigen Niveau.

Sie wollen als einen der ersten Schritte eine Marke Krems etablieren. Wie wollen Sie das machen?

Hier wurde schon Vorarbeit geleistet. Ob wir das fortsetzen, kann ich jetzt noch nicht sagen. Aus meiner Sicht muss Krems als Bild im Kopf wahrgenommen werden, dazu brauchen wir eine Marke und ein neues Branding, das dann überall eingesetzt wird – auch als Identifikationsmerkmal für die Bewohner.

Die Stadt Langenlois hat seit Jahren eine eigene Marke. Hat es da in Krems in den vergangenen Jahren Versäumnisse gegeben?

Langenlois hat hier einen sehr intensiven Prozess durchgemacht, der von der ganzen Stadt mitgetragen wurde. Ich könnte mir vorstellen, diesen Prozess auf unsere Voraussetzungen umzulegen. Langenlois ist hier ein sehr positives Beispiel. Der Aufbau einer touristischen Marke hätte in Krems schon vor längerer Zeit stattfinden können.

Eine neu gegründete Unternehmensinitiative fordert die Abschaffung der Grünen Zone und zusätzliche Parkplätze. Ist es das, was die Innenstadt braucht?

In der jetzigen Phase ist es wichtig, dass die Leute direkt in der Stadt parken können. Ich habe mich im Vorfeld mit vielen Bewohnern unterhalten, ich habe auch einen sehr starken Bezug zum Waldviertel. Die Leute fahren aufgrund der prekären Parkplatzsituation nicht mehr in die Innenstadt hinein. Das ist eine Tatsache. Das Parken muss erleichtert werden, vielleicht auch durch zusätzliche Flächen. Das ist mit infrastrukturellen Maßnahmen und Kosten verbunden, das kann ich natürlich nicht entscheiden. Wenn die Innenstadt erst einmal ein Anziehungspunkt ist, dann nehmen es die Leute durchaus in Kauf, dass sie weiter weg parken. Derzeit ist die Stadt noch nicht in dieser Position, dass wir das machen können. Es ist wichtig, dass wir zukünftig gewisse Shuttle-Services anbieten. Gerade in den belebten Monaten ist das ein extrem wichtiges Thema. Deswegen tut es mir wirklich leid um den Bummelzug. Der Verkehr zwischen Parkflächen und der Innenstadt ist extrem wichtig. Man muss es dem Besucher zukünftig erleichtern, in die Innenstadt zu kommen. Ich habe keine Ahnung wie der Ist-Stand mit der großen Fläche der Casinos Austria in Stein ausschaut. Es wäre schon sehr naheliegend, gerade jetzt während des Umbaus der Ringstraße dort zusätzliche Parkflächen zu schaffen. Von dort muss ein Shopping-Pendelverkehr stattfinden.

Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, das Thema Wasser integrieren zu wollen. Was meinen Sie damit?

Krems an der Donau ist ein Ort des Wassers. Dieses Thema wird in der Fußgängerzone aber nicht gespielt. Man müsste hier schöne Brunnenflächen schaffen, da gibt es verschiedenste Beispiele, wie so etwas erfolgreich umgesetzt werden kann, das können auch ebene Brunnenflächen sein.

Wo ist so etwas umsetzbar?

Am Täglichen Markt würde das Sinn machen. Im Sommer ist das ein Riesen-Thema. Die Kinder können da spielen, es ist eine Abkühlung. Aus meiner Sicht muss man sich da ein paar Standorte für Brunnen- und Wasserflächen überlegen.

Sie sind kein großer Freund des öffentlichen WC auf dem Täglichen Markt.

Wie der öffentliche Raum ausschaut, ist ein extrem wichtiges Thema in Innenstädten. Er muss aufgewertet werden. Jeder muss einmal aufs Klo, aber da brauche ich hochwertige Flächen. Wenn man in ein Einkaufszentrum fährt wie die Shopping City zum Beispiel, da schaut das öffentlich zugängliche WC mittlerweile aus, wie ein Beauty-Salon. Das gehört genauso zu einer Wohlfühl-Innenstadt dazu.

Einer Ihrer zukünftigen Schwerpunkte ist das Leerflächenmanagement. Sie wollen dafür mit allen Vermietern in Kontakt treten. Ihr Vorgänger hat genau das Gleiche gemacht. Ist es nicht Zeitverschwendung, denselben Prozess noch einmal zu beginnen?

Ich kenne den Zugang des Herrn Pech zu den Vermietern nicht. Ich kenne persönlich sehr viele Hauseigentümer und habe selbst eine kleine Geschäftsfläche. Ich weiß was die Mieter wollen und brauchen, ich kenne beide Seiten gut. Ich habe einen sehr guten Kontakt zu Leuten, die große Flächen in Krems haben. Wenn man solche Leute mit ins Boot holt und sich gemeinsam Zwischennutzungskonzepte überlegt, wird das auch funktionieren. Ich setze da auf meine lokale Verankerung.

Kommenden Freitag findet die Zukunftskonferenz statt. Vorgestellt wird dabei auch das Konzept für einen Grünmarkt. Manche fürchten den Verlust der Parkplätze am Pfarrplatz, andere befürworten eine autofreie Zone. Was ist Ihr Standpunkt?

Die Frage ist, ob der Markt auf dem Pfarrplatz derartig groß aufgewertet werden muss, oder ob man sich verschiedene Marktkonzepte überlegen kann. Theoretisch kann auch ein kleiner Markt auf dem Täglichen Markt stattfinden, es kann ein kleiner Markt auf dem Dreifaltigkeitsplatz stattfinden. Ich bin ein Freund der Etappenkonzepte, wo unterschiedliche Marktkonzepte entlang der Fußgängerzone positioniert werden, um die Leute durch die Stadt zu bringen – von einem Bereich zum nächsten Bereich. Das sehe ich derzeit sinnvoller, um die Innenstadt direkt am Punkt zu beleben. Es ist problematisch, sehr viele Parkplätze auf dem Pfarrplatz für einen Markt zu opfern. Ich kann mir schon vorstellen, dass man den Markt mit schönen mobilen Ständen aufwertet und professionalisiert. Bisher wusste niemand Auswärtiger, wann in Krems ein Markt ist.

Viele Unternehmer fürchten sich vor der anstehenden Ringstraßensanierung, manche haben sogar gesagt, das ist der „Tod der Innenstadt“. Sehen Sie das auch so dramatisch?

Ich sehe es im Grunde nicht dramatisch. Wir müssen extrem positiv auftreten. Wir müssen den Besuchern und Kremsern klarmachen, ihr kommt trotzdem in die Innenstadt, es wird viele Wege geben. Es ist alles top beschriftet. Wenn wir hier schon im Vorfeld negative Stimmung machen, werden die Leute sagen, wir kommen lieber nicht. Es wird von uns selbst abhängig sein, ob wir das positiv kommunizieren oder eher negativ.

Was sind die ersten Punkte die Sie angehen wollen und wann wird es erste sichtbare Erfolge geben?

Ich habe in den ersten zwei Monaten ein sehr dichtes Programm. Es wird eine sehr intensive Vorstellungsrunde geben, wir müssen das schnell machen. Ich werde eine Liste machen mit positiven und negativen Punkten, sowie Anforderungen. Wir werden bei uns im Stadtmarketing die Aufgaben klar verteilen und gegebenenfalls neue Mitarbeiter aufnehmen. Ein wesentlicher Punkt für den Auftritt nach außen ist die Marke, sie muss jetzt ganz rasch fertiggestellt werden. Das Defizit des Online-Auftritts muss auch ganz rasch angegangen werden. Die Leute müssen überhaupt einmal wissen, welche Geschäfte es in der Stadt gibt. Wenn wir Werbung machen, werden viele Leute nach Krems kommen. Dann muss aber die Aufenthaltsqualität passen, die Hardware muss stimmen. Wir werden eine Liste machen, was da verbessert werden muss. Im direkten Gespräch mit den Behörden werden wir Wege finden, damit wir da zügigst Aufwertungen vornehmen. Erst dann macht es Sinn, intensive Werbung zu machen.

Rund 40 Unternehmer haben in der vergangenen Woche eine Liste an Forderungen an den Bürgermeister überreicht und die dramatische Botschaft überreicht, es sei schon fünf vor zwölf. Wie bewerten Sie die Ausgangslage für Ihren Start am 1. März?

Krems ist eine Perle, Krems hat die höchste Lebensqualität. Ich bin kein Freund davon, die Innenstadt negativ herunterzuspielen, weil es nicht den Tatsachen entspricht. Die Fußgängerzone ist nach wie vor eine der beliebtesten Einkaufsstraßen Österreichs und auch einer der bestfrequentierten. Wir jammern auf hohem Niveau. Die Innenstadt ist nicht tot. Aber natürlich ist das Umfeld für die Händler sehr problematisch, sie kämpfen gegen Einkaufszentren und den Online-Handel. Die Händler brauchen sehr rasch Unterstützung. Ich stehe hier als Tippgeber sofort zur Verfügung. Daher führe ich gleich zum Start mit allen Händlern Gespräche um zu schauen, wie wir jeden Einzelnen unterstützen können.

Wenn Sie Ihre Tätigkeit irgendwann beenden, wie möchten Sie die Innenstadt dastehen sehen?

Die Innenstadt muss als urbane, österreichweit bekannte Vorzeige-Innenstadt agieren, wohin die Leute aus den Bezirken rundherum und die Kremser gerne kommen und sich wohlfühlen. Ich will lachende Gesichter bei Kunden und Händlern sehen. Es ist mein Ziel, eine positive Stimmung hereinzubringen. Wir werden Controlling-Instrumente einsetzen wie Frequenzzählungen und Befragungen. So sehen wir sofort, welche Maßnahme bringt etwas, und welche nichts.

Sie sind ein Mann, der stets die neuen Herausforderungen gesucht hat. Wie lange wollen Sie den Job machen?

Ich habe mir keine Zeitvorgabe gegeben. Ein Belebungsprozess benötigt in allen Bereichen mindestens drei bis vier Jahre.

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