Rauchende Köpfe in der Volkspartei in Krems. Nach dem Abschied von Vize-Stadtchef Krammer läuft die Nachfolgersuche. Sedelmaier winkt ab, Berger-Grabner zugeknöpft.

Von Franz Aschauer und Martin Kalchhauser. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:57)
Der scheidende Vizebürgermeister Erwin Krammer mit Bundeskanzler Sebastian Kurz beim Volksfest am 24. August 2019.
Martin Kalchhauser

Nach dem Osterfest hat Erwin Krammer seine ÖVP-Parteikollegen informiert, dass er Ende April als Vizebürgermeister und Wirtschaftsstadtrat seinen Abschied verkünden wird Dass davor nichts durchgesickert ist, ist bemerkenswert – und spricht aus ÖVP-Sicht für die neue „Message Control“, die Stadtparteiobmann Martin Sedelmaier eingeführt hat. Jegliche Kommunikation mit der Öffentlichkeit soll zumindest bis zur Stadtparteisitzung nächste Woche nur über ihn laufen. Dort will sich die ÖVP auf einen Nachfolger für Krammer einigen.

Er selbst hege keine Ambitionen, macht Sedelmaier der NÖN gegenüber deutlich: „Ich bin mit meinem Ressort so zufrieden, möge der Kelch an mir vorübergehen.“

Quereinsteiger als neuer Vize-Stadtchef denkbar

„Message Control“ eingeführt: ÖVP-Stadtparteiobmann Martin Sedelmaier.
 
Martin Kalchhauser

Trotz der langen Vorlaufzeit, die Krammer mit seiner frühzeitigen parteiinternen Ankündigung gab, betont Sedelmaier, dass erst jetzt Gespräche für die Nachfolge starten. Er selbst habe zwar bereits eine Präferenz, die Entscheidung müsse aber mehrheitlich gefällt werden.

Möglich sei jedenfalls auch, dass ein Quereinsteiger neuer ÖVP-Vizebürgermeister werde. Ob der derzeit höchste zu vergebene Job in der Fraktion auch gleichbedeutend mit der Rolle des Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahl 2022 ist, könne er nicht sagen, so Sedelmaier. Er sehe für „eine der kompliziertesten Entscheidungen der ÖVP in den letzten Jahren“ jedenfalls ein personelles Repertoire von fünf bis sechs Personen.

Eine der Kandidatinnen ist Bundesrätin Doris Berger-Grabner, die bereits mehrmals von verschiedenen Seiten als zukünftige Parteichefin gehandelt wurde. Die 42-

Bundesrätin Doris Berger-Grabner gilt als logische Spitzenkandidatin für die Gemeinderatswahl 2022.
Martin Kalchhauser

Jährige selbst gibt sich zugeknöpft: „Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen.“ Gefragt, ob sie der Job als Vizebürgermeisterin reizen würde, meint Berger-Grabner, dass sie gut ausgelastet sei, nachdem sie zuletzt auch zur Landesleiterin der ÖVP-Frauen gewählt worden war.

Vakant ist durch Krammers Abschied übrigens auch der Posten als Vorsitzender des Aufsichtsrates des Stadtmarketings. Die Stadt muss einen Vertreter nachnominieren. Derzeit ist Krammers bisheriger Stellvertreter an der Spitze des Aufsichtsrates, Kaufmannschafts-Obmann Ulf Elser, formell die Nummer eins. „Wir haben aber keinen Zeitdruck“, betont Geschäftsführer Horst Berger.

„Es stehen aktuell keine dringenden Entscheidungen an.“ Das neue Mitglied, das gemäß Satzungen nicht unbedingt ein politischer Mandatar sein muss, übernimmt auch nicht automatisch den Vorsitz. „Der Vorsitzende wird aus dem Kreis der Aufsichtsräte gewählt. Wünschenswert wäre aus unserer Sicht natürlich, würde der Neue Erfahrung in unseren Geschäftsfeldern, also beispielsweise im Tourismus oder in der Wirtschaft, mitbringen.“

Basics, die seine Schwester Berger-Grabner als IMC-Professorin am Department of Business mitbringen würde. Die ist aber skeptisch, was eine Geschwisterkonstellation an der Spitze des Stadtmarketings betrifft: „Das wäre natürlich eine super Aufgabe, weil mir die Innenstadt persönlich am Herzen liegt, aber ob das gescheit ist, weiß ich nicht.“ Sedelmaier möchte jedenfalls „unbedingt jemanden von der ÖVP nachschicken“ – am liebsten den neuen Wirtschaftsstadtrat.

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