Behördenschreck Stieger: „Werde wieder wohlhabend sein“. Seit Ende Mai ist Franz Stieger wieder im Gefängnis. Der NÖN verriet er, wie er die Justiz eineinhalb Jahre zum Narren hielt.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 14. August 2019 (11:09)
Archiv/Lechner
Fast eineinhalb Jahre lang war Franz Stieger auf der Flucht. Nun erzählte er das erste Mal davon.

Es war der Skandal am Jahresende 2017. Franz Stieger, der erst kurze Zeit zuvor eine Haftstrafe wegen Stalkings antreten hatte müssen, gelang die Flucht. Der Kremser, der jahrelang Fehden gegen Behörden, Richter, Staatsanwälte und Politiker betrieb, war von einem Haftausgang nicht zurückgekehrt. Knapp eineinhalb Jahre lang zog sich sein Versteckspiel, das er in regelmäßigen Abständen dazu nützte, auf die ihm angeblich zugefügten Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen.

Wie schaffte es Stieger, so lange ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Justiz und der Exekutive zu treiben? Wo war er wirklich? Wie hielt er sich trotz eingefrorener Konten über Wasser? Und bereut er es, weit über ein Jahrzehnt lang einen Krieg gegen die Behörden geführt zu haben, der ihn finanziell und in der öffentlichen Meinung ruinierte? Der NÖN beantwortete Stieger all diese Fragen.

„Ein Horror!“ Einzelzelle und Rückenschmerzen

Seit seiner Verhaftung durch die Cobra am 26. Mai in seinem eigenen Haus in der Mölkergasse sitzt Stieger in der Justizanstalt Krems ein. „Es ist ein Horror. Ich habe eine Einzelzelle. Dabei bin ich eigentlich gar nicht haftfähig, weil ich ein Bandscheibenleiden habe“, erzählt Stieger, der seinen Geisteszustand als gut beschreibt. Dass ihn viele in Krems als durchgeknallt bezeichnen, stört ihn nicht. „Jeder soll glauben, was er will.“

Rund ein Jahr muss Stieger noch im „Häfn“ verbringen. Konsequenzen für seine eineinhalbjährige Flucht gab es bis auf einen einwöchigen Hausarrest – gegen den Stieger berufen hat – nicht. Der 59-Jährige durfte sogar schon wieder bei einem Haftausgang Luft in der Freiheit schnuppern. Dieses Mal allerdings in Begleitung.

„Ich kann es nicht ändern, dass meine Lebenszeit weg ist. Ich habe in den letzten Jahren keinen einzigen Fehler gemacht.“Franz Stieger über seinen endlosen Behörden-Krieg.

Die volle Haftstrafe möchte Stieger nicht in der Justizanstalt Krems absitzen. „Ich beantrage eine Fußfessel und suche eine Arbeit.“ Seinen „Kampf um Gerechtigkeit“ möchte Stieger, sobald er in Freiheit ist, fortsetzen. „Ich habe in Liechtenstein einflussreiche Leute kennengelernt, Geschäftsmänner und Politiker, die mir glauben. Sie wollen mir helfen und zahlen vielleicht meinen Anwalt.“

Liechtenstein? Da war doch was. Das Fürstentum war Stiegers erste Station auf seiner Flucht-Odyssee. Das behauptete der Behördenschreck schon in seinem ersten Brief an die NÖN-Redaktion rund um das Neujahrsfest 2018. Auf dieser Erzählung beharrt der 59-Jährige auch heute noch. „Ich bin dort bei einem Bekannten untergekommen und habe in Vaduz als Kellner gearbeitet.“ Eine Zeit lang habe er auch am Bodensee gelebt. „Weil ich da schon in meiner Jugend war.“

Bargeldversteck ermöglichte Reisen

Angst, gefasst zu werden, habe er trotz eines internationalen Haftbefehls nicht gehabt. Wenngleich Stieger eingesteht: „Die psychische Belastung ist schon groß, wenn du nicht weißt, wo du hinkannst.“ Am Geld mangelte es Stieger nicht. Dafür verantwortlich sollen aber nicht etwa ihm wohlgesinnte Gönner gewesen sein, wie manche in Krems vermuteten, sondern eigene, bis zum Tag seines Verschwindens versteckte Bargeldreserven.

Von langer Hand geplant gewesen sei die Flucht nicht. „Das war mehr eine spontane Entscheidung. Das Land hat die Versteigerung meiner Liegenschaft in Grafenwörth in Auftrag gegeben, da wollte ich mich mit meinem Anwalt beraten.“ Reue zeigt Stieger wegen seiner Flucht jedenfalls keine. Auch, weil er laut eigener Aussage endlich eine lang ersehnte Reise machen konnte. „Ich war im Sommer 2018 in Venezuela.“ Ob er für seine – angebliche – Auszeit in Südamerika gefälschte Dokumente bei der Ausreise verwendet hat, will Stieger jedoch nicht verraten.

Als Briefträger in Haus eingeschlichen

Seit März 2019 sei er dann wieder zurück in Krems gewesen. Auch sein Anwesen in der Mölkergasse habe er einige Male besucht, „um Unterlagen zu holen“. Wie war das möglich, ohne aufzufliegen? „Ich war verkleidet, einmal als Rauchfangkehrer, einmal als Briefträger.“ Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Stieger zu einer Kostümierung greift. Im Winter 2016 marschierte er als Weihnachtsmann getarnt durch die Kremser Innenstadt, um der Verhaftung zu entgehen.

Seit 15 Jahren führt Franz Stieger nun schon seinen Kampf gegen die Behörden. Einen Kampf, der ihn hinter Gitter gebracht hat und ihn über drei Millionen Euro gekostet hat. „Das ist nie meine Absicht gewesen. Aber es ist eines jeden Pflicht, sich zu wehren. Ich kann es nicht ändern, dass meine Lebenszeit weg ist. Ich habe in den letzten Jahren keinen einzigen Fehler gemacht. Wenn das alles vorbei ist, werde ich wieder ein wohlhabender Mann sein.“