Vogelschutz-Initiative: Barrierefrei auch in der Luft. Fahnen auf den Stromleitungen über die Donau machen die Drähte für Vögel sichtbarer.

Von Gertrude Schopf. Erstellt am 08. September 2019 (06:15)
Johann Lechner
Montage der Vogelschutzfahnen durch den EVN-Techniker in luftiger Höhe.

Von Pottenbrunn bei St. Pölten über Hollenburg nach Stratzdorf führt eine 110-kV-Hochspannungsleitung über die Donau. Wer beim Unten-Durchfahren den Blick erhebt, dem werden im Nahbereich des Flusses bewegliche Fähnchen auffallen, die an den Leitungen hängen.

Montiert wurden sie vergangene Woche im Rahmen des fünfjährigen Projektes „Danube Free Sky“, das von den Schutzgebieten entlang der Donau (DANUBEparksCONNECTED) gemeinsam betrieben wird.

„Da kommt es, beispielsweise bei Nebel oder in der Nacht, oft zu Kollisionen und bei Großvögeln auch zu Stromschlägen, die immer tödlich enden.“Projektleiter Georg Frank

Die Aktion hat einen guten Grund, wie Projektleiter Georg Frank vom Nationalpark Donau-Auen erklärt. „Die vielen Hochspannungsleitungen über die Donau – von Deutschland bis zur Mündung in Rumänien sind es an die 200, in Österreich etwa 20 – stellen eine Riesengefahr für zahlreiche Vogelarten dar, die einerseits ihren Lebensraum als Überwinterungs- und Brutgebiet in den Donau-Auen haben, andererseits den Fluss aber auch als Flugroute benutzen. Da kommt es, beispielsweise bei Nebel oder in der Nacht, oft zu Kollisionen und bei Großvögeln auch zu Stromschlägen, die immer tödlich enden.“

Johann Lechner
Präsentieren die eigens entwickelten Vogelschutzfahnen: Projektleiter Georg Frank vom Nationalpark Donau-Auen und Rene Maier, Anlagenverantwortlicher der EVN. Fotos: Johann Lechner

Die eigens entwickelten beweglichen und lumineszierenden Fahnen, die im Abstand von 10 bis 20 Metern auf die Stromleitungen gehängt werden, werden von den Vögeln eher wahrgenommen als die dünnen Leitungsdrähte.

Eigentlich eine simple Vogelschutzmaßnahme, die aber „enorm viel Organisationsarbeit und auch die Kooperationsbereitschaft der beteiligten Stromanbieter erfordert“, wie Frank erklärt. Denn erstens habe die Aktion nur Sinn, wenn alle Leitungen über die Donau auf ihrer ganzen Länge auf diese Weise markiert werden, und dann müsse während des Aufhängens der Fahnen meist der Strom abgeschaltet werden – eine logistische Herausforderung.

Bei Altenwörth wurde Techniker mit Hubschrauber herabgelassen

Die Aufhänge-Technik variiert. Bei Hollenburg wurden die Fahnen durch einen EVN-Techniker, der an dem Masten hinaufkletterte und dann in einem fahrbaren Arbeitskorb tätig war, an der Leitung befestigt. „Probiert wurden da schon einige Möglichkeiten“, nennt Frank den Einsatz eines Hubschraubers, mit dem der Techniker an einem Seil bis zur Stromleitung herabgelassen wurde, eine besonders aufwändige, wie sie heuer in Altenwörth praktiziert wurde.

In Österreich sind mittlerweile quasi alle Stromleitungen über die Donau mit Vogelschutzfahnen versehen. In NÖ hat sich das EVN-Tochterunternehmen Netz Niederösterreich dem Projekt verschrieben. „Es freut uns, dass wir nun auch Teil dieser europaweiten Initiative sind“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach. Im Rahmen einer internationalen Fachkonferenz in Rumänien werden im September die Ergebnisse der Danube-Free-Sky-Initiative präsentiert.