Kremser Hund stundenlang im Auto: Welle der Entrüstung. Dass eine Frau in der Reifgasse ihren Hund stundenlang im Auto einsperrt und bislang niemand gehandelt hat, löst Entsetzen bei Tierschützern aus.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 27. August 2019 (05:08)
Zwei Tierschutzvereine fordern, einer Kremser Hundehalterin ihren Vierbeiner sofort abzunehmen.
Shutterstock/lenetstan

Bei 30 Grad Außentemperatur steigt die Temperatur im Auto bei geschlossenem Fenster binnen einer Stunde auf 56 Grad an. Für Hunde kann die Hitzefalle schnell lebensgefährlich werden. Einer Bewohnerin der Reifgasse dürfte das egal sein.

Die Frau sperrt ihren Windhund oft stundenlang und gerne über Nacht in ihrem Pkw ein ( die NÖN berichtete, siehe hier und unten). Dass das arme Tier noch lebt, liegt wohl bloß daran, dass zumindest das Fenster immer einen Spalt geöffnet ist.

„Wir bräuchten Hotlines für alle Bundesländer“

Das offensichtliche Desinteresse der Tierhalterin an ihrem Vierbeiner sorgte nicht nur bei einem Nachbarn für Entrüstung, sondern rief nun auch Tierschützer auf den Plan.

Der „Tierschutz 2.0 Dachverband“, ein in Wolfsgraben (Bezirk St. Pölten) ansässiger Verein für Kleintiere, bemängelt die fehlenden Konsequenzen für die Frau: „Das Drama ist, dass besorgte Nachbarn nicht weggeschaut haben, aber nichts passiert ist“, übt Präsidentin Brigitte Cocyan Kritik.

Mit Fällen wie diesen habe sie öfters zu tun. Als problematisch sieht sie das fehlende Wissen der Bevölkerung über Zuständigkeiten. Viele Menschen, die Tierquälerei beobachten, wüssten nicht, an wen sie sich wenden müssen. „Wir bräuchten Hotlines für alle Bundesländer und auch eine speziell ausgebildete Einsatzgruppe“, fordert Cocyan.

Eine große Unterstützerin ihrer Anliegen sei die Niederösterreichische Tierschutzombudsfrau Lucia Giefing, die bereits über den Fall in Krems informiert ist. „Ich hoffe, sie kümmert sich schnell darum.“ Über die Handlungshoheit verfügt allerdings der Amtstierarzt. „Nur er kann ihr das Tier abnehmen.“ Weil der für Krems zuständige Michael Oppitz derzeit aber auf Urlaub weilt, herrscht in dieser Sache Stillstand. „Das kann es nicht sein. Eigentlich muss es eine Vertretung geben“, sagt Cocyan.

„Fall zeigt Lücken des Tierschutzgesetzes“

Als „Skandal“ bezeichnet Thomas Putzgruber, Obmann des Vereins „RespekTiere“ aus Kammern, die Vorkommnisse in der Reifgasse. „Der Fall zeigt drastisch die Lücken des Tierschutzgesetzes, von dem Österreich oft behauptet, es sei das beste der Welt.“ Er hoffe, dass der Gesetzgeber den Hund so schnell wie möglich aus „dieser unzumutbaren Lage“ befreie.

Die Frau in der Reifgasse ist in Krems übrigens schon länger für ihren Umgang mit Hunden bekannt. Vor mehreren Jahren soll ein Vierbeiner, den sie früher besaß, mitten im Stadtgebiet eine Katze zerfleischt und mehrere Hasen getötet haben.

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