Stadt Krems verlor zwei große Söhne. Der frühere Nationalratsabgeordnete Georg Kriz und Kernphysiker Helmut Rauch sind gestorben.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 14. September 2019 (05:26)
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Helmut Rauch wurde 80 Jahre alt.

Die Stadt Krems verlor binnen fünf Tagen zwei ihrer ganz großen Söhne. Georg Kriz, früherer Nationalratsabgeordneter für die SPÖ, starb am 29. August im Alter von 98 Jahren, Kernphysiker Helmut Rauch am 2. September mit 80 Jahren.

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Helmut Kriz starb im Alter von 98 Jahren.

Georg Kriz wurde 1921 als Sohn eines Eisenbahners in Krems geboren und erlernte nach der Pflichtschule das Bauschlosser-Handwerk. Ab Jänner 1940 stand er als Fallschirmjäger im Dienst der deutschen Luftwaffe, 1943 folgte in Tunesien seine Gefangennahme. Drei Jahre später durfte Kriz heimkehren. Der Krieg und vor allem seine Zeit als Fallschirmspringer prägten ihn nachhaltig. 1981 organisierte er in Krems das internationale Fallschirmjäger-Veteranen-Treffen mit 5.000 Teilnehmern aus verschiedenen Ländern. Für dieses Engagement bekam er 1994 das Europakreuz verliehen.

Aus einem sozialdemokratischen Haus stammend, setzte sich Kriz früh für die SPÖ ein. In der Sozialistischen Jugend organisierte er Reisen für Arbeiterkinder, die in ihm selbst eine Passion, Neues zu entdecken, erweckten. 1950 zog Kriz in den Kremser Gemeinderat ein, 1970 in den Nationalrat, dem er bis Oktober 1982 angehörte. 1978 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1997 ernannte ihn die Stadt Krems zum Ehrenbürger.

Nach seiner politisch aktiven Zeit organisierte Kriz beim Pensionistenverband Reisen. Legendär waren seine Touren, bei denen in kürzester Zeit ganze Stadtteile besichtigt wurden. Privat fand Kriz früh sein Glück. 1949 heiratete er seine Herta, die nach einem Autounfall 2015 ums Leben kam. Kriz hinterlässt eine Tochter und zwei Enkelsöhne. Die Seelenmesse für Kriz findet am Sonntag, 15. September, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Veit statt. Kondolenzeintragung und Gedenkkerze: www.krems.gv.at/bestattung.

Einen ganz anderen, jedoch nicht minder bemerkenswerten Weg ging Helmut Rauch. Als Sohn eines Bundesbahn-Beamten 1939 in Krems geboren, begann er 1957 das Studium der Technischen Physik an der TU Wien. 1965 schrieb Rauch am Atominstitut seine Dissertation, 1970 habilitierte er sich für das Fachgebiet Neutronen- und Reaktorphysik. Mit nur 33 Jahren wurde Rauch zum Professor für experimentelle Kernphysik der TU Wien berufen und gleichzeitig Vorstand des Atominstituts. Eine Funktion, die er bis 2005 ausübte.

Zwei Jahre später emeritierte er. Rauch veröffentlichte über 300 wissenschaftliche Abhandlungen. Er verhalf der Quantenoptik mit einem Experiment zum Durchbruch und eröffnete damit ein Wissenschaftsgebiet, in dem österreichische Physiker noch heute zur Weltspitze zählen. Rauch erhielt für seine Verdienste zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2015 auch das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, die höchste Auszeichnung der Republik für wissenschaftliche Leistungen.