Fünf Fragen an die Spitzenkandidaten des Wahlkreises. Die Spitzenkandidaten des Wahlkreises Waldviertel standen der NÖN "Rede und Antwort".

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. September 2019 (03:03)
M. Lohninger, M. Kalchhauser, FPÖ, Simonis, NÖN-Archiv

Warum sollte man am Sonntag Ihre Partei wählen und keine andere?

Martina Diesner-Wais (ÖVP): Weil wir gute Arbeit geleistet haben, für die Menschen und Österreich. Und die möchten wir weiter fortführen.

Günter Steindl (SPÖ): Wir stehen für ein Miteinander, für einen sozialen Ausgleich und für Innovation. Das Waldviertel soll zur lebenswertesten Region Österreichs werden.

Alois Kainz (FPÖ): Wir sind die einzige Partei, die seit über einem Jahrzehnt geradlinig ihren Weg verfolgt, ohne sich neu zu erfinden, ohne Farbe oder Ideologie zu verändern.

Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS): Wir sind eine Alternative für alle, die wollen, dass Zukunftsreformen angegangen werden und dass die Korruption unter Türkis-Blau verhindert wird.

Martin Litschauer (Die Grünen): Damit der Umweltschutz wieder nachhaltig und konsequent im Parlament vertreten ist und der Sozialabbau und die Korruption beendet werden.

Was sind die wichtigsten Anliegen für das Waldviertel, für die Sie sich im Nationalrat einsetzen möchten?

Martina Diesner-Wais (ÖVP): Der Ausbau der Infrastruktur (Öffentlicher Verkehr, Straßenausbau und flächendeckendes Glasfasernetz), eine gute ärztliche und medizinische Versorgung und gute Pflegebedingungen. Wir sind das Sprachrohr für die Landwirtschaft nach Europa.

Günter Steindl (SPÖ): Durch einen Schulterschluss aller Abgeordneten kann es einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs geben. Innovative Unternehmen sollen gefördert werden, diese schaffen Arbeitsplätze, ebenso der Ausbau der Pflegeeinrichtungen im Waldviertel.

Alois Kainz (FPÖ): Der Holzeinkauf aus dem Ausland gehört reduziert. Dies fördert die heimische Wirtschaft und hat einen ökologischen Aspekt. Die Umsetzung der Waldviertelautobahn wäre wichtig: Dies wäre ein Grundstein für die Attraktivierung der Region.

Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS): In kaum einer Region in Österreich ist die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel so schlecht wie im Waldviertel. Hier ist nicht nur ein Infrastrukturausbau, sondern auch eine Optimierung der bestehenden Öffis notwendig.

Martin Litschauer (Die Grünen): Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem der Franz-Josefs-Bahn samt Nebenbahnen, mit 365-€-Ticket und die Energiewende mit öffentlichen Gebäuden als Vorbilder, um langfristige Arbeitsplätze zu schaffen und unabhängiger zu werden.

Der demografische Wandel wird das Waldviertel härter treffen als andere Gebiete. Was kann der Nationalrat tun, damit weniger junge Menschen weggehen und mehr zuziehen?

Martina Diesner-Wais (ÖVP): Das Pflegethema ist wichtig, hier wird viel zuhause gepflegt. Wir wollen ein neues System finanzieren. Das Waldviertel muss für Betriebe interessanter werden. Dazu gehört auch, dass die Leute hier ausgebildet werden.

Günter Steindl (SPÖ): Das Waldviertel war immer ein Stiefkind in der Politik. Durch intensive Unterstützung für das Breitband können junge qualifizierte Menschen hier arbeiten oder zurück ins Waldviertel kommen.

Alois Kainz (FPÖ): Die Verkehrsstruktur ist auch hier zentrales Thema. In ganz Österreich ist Arbeitsplatzmangel ein Problem. Überdies fehlt es an Unterhaltungsmöglichkeiten. Attraktive Projekte können Abwanderung entgegenwirken.

Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS): Wir wollen durch infrastrukturelle Impulse Verbesserungen erreichen, sowohl beim Ausbau der Öffis als auch der digitalen Infrastruktur. Wir brauchen einen breiten Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen.

Martin Litschauer (Die Grünen): Zurzeit importiert das Waldviertel Energie um 400 Millionen Euro jährlich. Wenn wir diese Energie aus Erneuerbarer Energie selbst erzeugen, können zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Stichwort Bildungssystem: Wo krankt es im Waldviertel? Was ist von wem zu tun?

Martina Diesner-Wais (ÖVP): Es gibt viele gute Beispiele für dislozierte Lehrgänge von Höheren Schulen im Waldviertel. Das müssen wir weiter forcieren, um die Ausbildungsmöglichkeit in der Region zu schaffen. Dazu ist auch wichtig, die Menschen zu informieren, zu motivieren, dass auch die Lehre interessanter wird. Damit hat man heute viele gute Möglichkeiten.

Günter Steindl (SPÖ): Für alle politisch Tätigen ist das eine Kraftanstrengung. Es braucht Mut, um das Waldviertel zum Bildungsstandort zu machen. Die Etablierung einer FH oder HTL für Holztechnik gehört dazu, ebenso eine Schule für Pflege oder Sozialwesen. Wer die Entscheidungsgewalt hat, muss das Waldviertel berücksichtigen.

Alois Kainz (FPÖ): Jeder Mensch hat unterschiedliche Fähigkeiten. In unserem System werden derzeit Stärken und Schwächen der Einzelnen viel zu wenig berücksichtigt. Wir benötigen ein System, welches individuelle Talente fördert. Die Attraktivierung der dualen Ausbildung und der Lehre wäre wichtig, denn diese wurden zuletzt oft schlechtgeredet.

Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS): In keiner Altersstufe kann gute, aufmerksame Betreuung mehr bewirken als im Kleinkindalter. In diesem Alter wird die Basis für spätere schulische und berufliche Erfolge gelegt. Elementare Bildungseinrichtungen haben damit eine wichtige Schlüsselfunktion für Chancengerechtigkeit im Bildungssystem.

Martin Litschauer (Die Grünen): Viel zu oft entscheiden fehlende Bahn- und Busverbindungen über den Schulbesuch. Unsere Schulen, vor allem die höheren Schulen, müssen wesentlich leichter erreichbar werden. Wir brauchen auch für unsere Studenten bessere Verbindungen und ein 75-€-Studententicket sowie die Abschaffung der Studiengebühren.

Angenommen, es ginge sich rechnerisch aus: Was wäre Ihre Wunsch-Koalition für die nächste Bundesregierung?

Martina Diesner-Wais (ÖVP): Ich rede jetzt nicht über meine Wunsch-Koalition. Wir wollen stärker werden, damit wir unsere Ideen noch besser umsetzen können. Dann haben wir auch in einer Koalition bessere Möglichkeiten.

Günter Steindl (SPÖ): Ich würde gerne mit jenen zusammenarbeiten, denen ein Miteinander wichtig ist, die die Menschen und Umweltschutzorganisationen einbinden und die nicht „drüberfahren“, sondern die sich der Menschen und Bürgeranliegen annehmen.

Alois Kainz (FPÖ): Ich bevorzuge eine Koalition mit den meisten Übereinstimmungen. Bei der alten Koalition waren diese eigentlich gegeben. Wir haben nach Jahren des Stillstandes gezeigt, wie gute Regierungsarbeit aussieht, und haben inhaltlich sehr viel umgesetzt.

Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS): Vor der Wahl ist für uns grundsätzlich nicht der Zeitpunkt, um über mögliche Koalitionen zu sprechen. Jetzt sind einmal die Wählerinnen und Wähler am Wort. Eine Koalition mit der FPÖ schließen wir aber aus.

Martin Litschauer (Die Grünen): Eine Regierung, für die der Klimaschutz und die soziale Absicherung an erster Stelle stehen, denn so lässt sich die Wirtschaft am besten entwickeln. Das geht sich rechnerisch aus, und das sind wir unseren Kindern schuldig.