Krems: „Kraftwerk“ ist an Bord. Kremser Entsorgungsprofi Brantner stellt bei Mülltransport Weichen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 29. Juli 2021 (06:57)
440_0008_8134189_kre30brantner_wasserstoff_muell_lkw_top.jpg
Brantner-Geschäftsführer Stefan Tollinger, Thomas Schmitz (Firma Zoeller), Bernd Brantner, Johann Streif (Stummer Kommunalfahrzeuge) und Brantner-Geschäftsführer Josef Scheidl (von links) vor dem Müllpresswagen mit revolutionärem Wasserstoff-Antrieb.
Martin Kalchhauser

Die Weichen sind gestellt. Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags für den ersten wasserstoffbetriebenen Müllpresswagen vor dem Stift Göttweig übernimmt der Kremser Entsorgungs- und Recycling-Profi Brantner eine Vorreiterrolle in Richtung Zukunft.

„Nachhaltigkeit ist unser Antrieb!“

Dass im Unternehmen der Fokus auf Nachhaltigkeit liegt, wird in vielen Facetten demonstriert. Geschäftsführer Josef Scheidl verwies im Rahmen einer kleinen Feier auf die Errichtung der großen eingehausten Kompostieranlage „Erdenreich“ an der Grenze zwischen Krems-Gneixendorf und Langenlois sowie das revolutionäre Verfahren zur Rohstoffgewinnung aus Verbrennungsschlacke: „Nachhaltigkeit ist unser Antrieb!“

„Es ist dafür aber auch jeder viermal so teuer wie ein herkömmlicher Lastwagen.“ Josef Scheidl

Bei den Lkws wird künftig Wasserstoff der Antrieb sein. Geschäftsführer Stefan Tollinger hob hervor, dass man mit dem Umstieg 80 Tonnen CO 2 pro Jahr einsparen werde. „Es ist dafür aber auch jeder viermal so teuer wie ein herkömmlicher Lastwagen.“ Natürlich hat Brantner auch schon weitergedacht und wird die derzeit noch fehlende Tankstelle auf eigenem Grund im Gewerbegebiet Stratzdorf errichten.

Erst dann kommt der Wagen, dessen Prototyp in Göttweig gezeigt wurde, zum Einsatz. Tollinger forderte in diesem Zusammenhang aber auch klare Richtlinien für Förderungen nach deutschem Vorbild und angepasste Rahmenbedingungen für Ausschreibungen.

Brennstoffzellen liefern die elektrische Energie

Thomas Schmitz und Johann Streif von den Partnerunternehmen (Zoeller und Stummer), die den Um- und Aufbau der Müll-Lkws vornehmen, erklärten die Funktion. Der Lkw hat – im Gegensatz zu herkömmlichen Wasserstoff-Fahrzeugen – ein „Kraftwerk“ (mehrere Brennstoffzellen) an Bord, mit dem aus Wasserstoff elektrische Energie erzeugt wird. Vorteil: Es ist kein Stromanschluss fürs „Tanken“ nötig, die aktuell fehlende Infrastruktur für die Betankung werde mit der eigenen Erzeugung weitgehend ausgeblendet.

Die Treibstoffgewinnung erfolge umweltfreundlich aus Wind- und Sonnenenergie sowie Müllverbrennung. „Wasserstoff ist die Kohle der Zukunft“, habe der Schriftsteller Jule Verne einmal angemerkt. Die Firma Brantner, so Schmitz, sei mit der richtungsweisenden Entscheidung auf dem besten Weg in ein neues Zeitalter.

Beeindruckt zeigten sich die Gäste bei den Probefahrten mit dem Lkw, der sich durch ein – wie auch bei E-Fahrzeugen übliches – hohes Drehmoment und damit starke Beschleunigung auszeichnet.