Winzer erwarten mehr Säure. Teils extreme Wetterlagen schadeten den Trauben nicht. Traubenvollernter ist in Krems im Einsatz.

Von Gertrude Schopf und Franz Aschauer. Erstellt am 24. September 2019 (05:04)
Johann Lechner
Sehr gutes Traubenmaterial: Daniel und Manuela Wandl aus Reith bei der Zweigelt-Lese in der Riede „In der Einöd“.

„Perfekte Voraussetzungen“ für die Weinlese sind laut Kellermeister Heinz Frischengruber die kalten Nächte und warmen Tage, die in den letzten Wochen herrschten. Vor zwei Wochen hat in der Domäne Wachau die Traubenernte begonnen, die über 500 Genossenschaftsmitglieder liefern nach Plan. Wobei die 450 Hektar Weingartenfläche von Dürnstein bis in den Spitzer Graben reichen, „und da gibt es schon unterschiedliche Voraussetzungen“.

Während in der Ostwachau die Trauben zum Teil bereits an die 19 Zuckergrade aufweisen, kann man im kühleren Vießlingtal mit der Haupternte noch zuwarten. Gelesen wird natürlich auch hier schon. Beispielsweise in der Riede „In der Bruck“, wo es am 24. August extrem viel Niederschlag gab. „Dank dreier Hagelflieger war da bei diesem Unwetter im ganzen Spitzer Graben kaum Hagel dabei, aber der Regen war so massiv, dass die Trauben aufplatzen könnten“, so Frischengruber.

Generell sei das Weinjahr sehr gut verlaufen. Der sehr frühe Austrieb sei im feuchten Mai wieder eingebremst worden, es habe eine schöne Blüte gegeben, die Hitze in den folgenden Monaten habe sich auf die Entwicklung der Trauben nicht negativ ausgewirkt (wobei etwa zwei Drittel der Domäne-Weingärten bereits bewässert werden). Er erwartet daher „schöne elegante“ Weine mit ausgewogener Säure.

Kamptaler Winzer erwarten ebenfalls ein „sehr gutes Jahr“

Ähnlich positiv sieht es auch im Kamptal aus. „Eine gute physiologische Reife, mehr Säure als im Vorjahr, tolle Qualität“, so präsentieren sich die Trauben in den Rieden der Familie Wandl in Reith. Vom Manhartsberg bis Gneixendorf befinden sich die 26 Hektar Weingartenfläche, Winzerin Manuela Wandl erwartet ein „sehr gutes Jahr“.

Auch die Roten, vornehmlich Zweigelt, werden schon gelesen, „die sind etwas weniger empfindlich, denen hat die Trockenheit heuer gar nichts ausgemacht.“ Von ganz leichten frischen Weinen (bei den Wandls wird sogar ein G‘spritzter abgefüllt, den Sohn Felis „Flix“ getauft hat) bis zu kräftig ausgebauten Tröpferln umfasst das Sortiment.

Über einen besonders hilfreichen Lesehelfer darf sich die Weinbauschule Krems freuen. Erstmals kommt heuer ein Traubenvollernter auch abseits der Forschung zum Einsatz. Die Handlese wird durch das Gerät freilich nicht gänzlich abgelöst. Gerade im Premiumbereich ist weiterhin das händische Lesen in mehreren Durchgängen notwendig.

Weinbauschul-Direktor Dieter Faltl betont dennoch: „Traubenvollernter gewinnen weltweit an Bedeutung, weil in kurzer Zeit große Flächen geerntet werden können. Dies ermöglicht ein Zuwarten auf den idealen Reifezeitpunkt, wodurch das Potenzial der Traubenqualität optimal ausgeschöpft werden kann.“ Zudem werde der Trübanteil im Most reduziert.