Bezirk Lilienfeld: Wenig Freude mit der Test-Verordnung. Bei „körpernahen Dienstleistern“ wie den Frisören, Masseuren und Beauty-Studios liegen die Nerven blank. Schwarzarbeit werde damit gefördert.

Von Bernhard Herzberger und Eva Steyrer. Erstellt am 10. Februar 2021 (03:20)
Frisörin Priska Kunz (vorne, l.) ist mit ihrem Team von „Hair&Beauty“ gewappnet. FFP2-Masken und regelmäßige Testung der Belegschaft sind schon seit dem Sommer Routine. Wegen der Testungen müsse man nun aber auch Absagen von Stammkunden hinnehmen. 
Hörtzer

„Wir hoffen, dass wir jetzt ein wenig länger arbeiten können, als nur zwei oder drei Wochen“, freut sich Frisörin Priska Kunz aus Hainfeld , dass sie nach dem Lockdown endlich wieder aufsperren durfte. Wie ihre Kollegen aus der Branche klagt sie aber über Mehraufwand und Einschränkungen durch die Test-Verordnung: Es gebe Leute, die überhaupt nicht kommen wollen, solange sie sich testen lassen müssten. Durch die Abhängigkeit von den Öffnungszeiten der Teststationen werde die Terminkoordination mit den Kunden erschwert. Und älteren Personen, die nicht mobil sind, könne man die zusätzlichen Wege durch die Testpflicht schwer zumuten.

Frisörmeister Daniel Fischer aus Rohrbach : „Bei uns selbst gibt es keine Testmöglichkeit, die Kunden müssen nach Hainfeld oder St. Veit fahren. Viele unserer älteren Kunden sind aber leider nicht mobil.“ Die Möglichkeit, beim praktischen Arzt zu testen, würden wegen der Kosten wenige nutzen.

„Also ich glaube, sicherer als beim Frisör ist man dann eh nirgends.“ Priska Kunz, Frisörin

Die FFP2-Masken hätten auch genügt, meint Kunz: „Wir arbeiten seit dem Sommer freiwillig damit. Wir sind acht Leute und es hat bei uns noch keinen einzigen Quarantäne- oder positiven Fall gegeben. Dazu kommt, dass wir uns immer selber testen lassen und die Kunden jetzt auch FFP2-Maske tragen. Also ich glaube sicherer als beim Frisör ist man dann eh nirgends.“ Die Pflicht für die Kundschaft, ein negatives Testergebnis vorzuweisen, werde aber dem Pfusch eine Plattform bieten, fürchtet sie. Auch Manuel Wastl-Bollwein mit Frisörsalon in Rohrbach sieht dadurch die Schwarzarbeit unterstützt: „Wir Frisöre kämpfen halt jetzt ums Überleben. So hart müssen wir es ehrlich sagen. Die Kunden melden sich weniger, und wenn du sagst, sie bräuchten einen Test, dann sagen sie ,Nein, das tu´ich mir nicht an´.“

Die Auslastung der Frisöre im Bezirk variiert. „Wir sind Gott sei Dank voll“, ist Priska Kunz zufrieden mit Woche eins nach dem Lockdown. Aufgrund der Platzbeschränkungen könne sie aber um rund 40 Prozent weniger Kunden bedienen: „Man muss die Termine großzügiger einteilen. Ein Mitarbeiter kann natürlich nicht den gleichen Umsatz bringen, wie normal.“ Deshalb habe sie die Öffnungszeiten ausgeweitet.

Manuel Wastl-Bollwein spricht von einer guten Buchungslage. „Es könnte aber besser sein“, sieht er die Lage ähnlich wie Frisör-Kollegin Patricia Nutz aus Lilienfeld : „Recht begeistert sind die Leute nicht vom Testen. Es ist so halb-halb: Einige warten noch ein wenig ab, manche lassen sich brav testen und kommen.“

Von 50 Prozent weniger Anmeldungen im Vergleich zur Zeit nach dem ersten Lockdown spricht Frisörmeister Fischer und auch Sonja Wieser ist wenig enthusiastisch. Nach den ersten Lockdowns habe sie in ihrem Frisörsalon in Traisen täglich zehn bis zwölf Stunden gearbeitet: „Wir sind da weit entfernt. Es ist schon eine kritische Situation — für die Mitarbeiter, wie für die Unternehmer. Die Psyche ist schon sehr, sehr strapaziert. Ehrlich gesagt habe ich Angst vor der Zukunft auch schon.“

Es ist schon eine kritische Situation — für die Mitarbeiter, wie für die Unternehmer

Bei den Beauty-Studios und Masseuren haben vor allem jene zu kämpfen, die im Vollerwerb von ihrer Tätigkeit abhängig sind. Auch wenn man froh ist, wieder arbeiten zu dürfen, die Test-Pflicht kommt erschwerend hinzu. Und für manche heißt es — zumindest vorübergehend — zusperren!

„Die Corona-Zeit hat mein Geschäft total kaputt gemacht. Die Förderungen waren bei weitem nicht das, was versprochen war“, bleibt Beatrice Waschhofers Beautylounge in Lilienfeld nach dem Lockdown vorerst geschlossen. Sie kann sich die Miete für das Geschäftslokal nicht mehr leisten. Betroffen sind zwei Mitarbeiter und ein Lehrling, den sie eigentlich im September aufnehmen wollte.

Vor Weihnachten hatte sie zum letzten Mal kurz geöffnet. „Ich habe 92 Prozent Umsatzverlust seit dem ersten Lockdown. Die Kunden gehen vorher noch zum Frisör, bevor sie zu einer Kosmetikerin gehen. Viele haben gesagt, sie kommen gar nicht mehr, wenn sie sich auch noch testen lassen müssen.“ Dienstleistungen wie eine Haarentfernung wären eben vergleichsweise teuer. Das leiste sich derzeit niemand.

„Ich habe 92 Prozent Umsatzverlust seit dem ersten Lockdown."

Waschhofer selbst wird ab Mitte Februar ihre Dienstleistungen in der Massage-Praxis von Wenndy Dávila de Pfannl anbieten, die wegen Corona zur Zeit nur wenige Kunden hat. Die Testpflicht verkompliziert auch ihre Tätigkeit. „Aber für mich ist das nicht so dramatisch, weil es nur ein Nebenjob ist“, meint die Unterkunft-Geberin.

Shpresa Hoti ist nach dem Lockdown mit ihrem Beauty-Salon in Traisen , den sie nebenbei betreibt, gut ausgebucht. Als hauptberufliche Pflegedienstleiterin in einem Heim ist sie mit den strengen Hygienemaßnahmen vertraut und prüft derzeit sogar, die Tests für Kunden selbst anzubieten.

Massage: Kein Test bei ärztlicher Verordnung

Martin Furchheim, der in Hainfeld eine Praxis für Heilmassage und gewerbliche Massage betreibt, berichtet, dass seine Stammkunden zuletzt alle Heilmassage in Anspruch genommen hätten (die auch während des Lockdowns erlaubt war). Dadurch habe er die Situation einigermaßen meistern können. Für ärztlich verordnete Heilmassagen bedarf es auch weiterhin keiner Zutrittstestungen. Jetzt rechne er auch mit gewerblichen Kunden, die bisher warten mussten. Jenen, die so im Grenzbereich wären, lege er aber nahe, nach Möglichkeit eine ärztliche Verordnung einzuholen: „Dann können sie auch im Falle von weiteren Lockdowns diese Gesundheitsdienstleistung dauerhaft in Anspruch nehmen. Aber natürlich ist das eine Entscheidung des Arztes.“

Heilmasseur Andreas Schmejkal, ebenso in Hainfeld ansässig, ist zur Zeit etwa mit 60 Prozent ausgelastet. Er ist nicht erfreut über die erforderlichen Tests für Gewerbekunden. „Wir haben in Hainfeld Montag, Mittwoch und Freitag die Testmöglichkeit. Da hab´ich ein Problem, wenn ich am Montag wen einteile. Die fangen am Vormittag um 9 Uhr an. Es dauert eine Weile bis du dran bist, also kann ich frühestens am Nachmittag arbeiten. Einen halben Tag verlier´ ich da.“

Datenschutz-Bedenken hat Shiatsu-Praktiker Michael Swoboda aus St. Veit , wenn er von den Kunden ein negatives Testergebnis einfordern muss. Natürlich halte er sich aber streng daran. „Was soll ich tun, sonst drehen sie mir die Praxis zu!“, gibt er zu bedenken.

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