Nur fünf Anzeigen bei Corona-Demo. Rund 200 Personen taten ihren Unmut zur Einschränkung von Demokratie und Meinungsfreiheit kund - lautstark, aber friedlich.

Von Gila Wohlmann. Update am 28. Februar 2021 (16:10)

„Österreich ist frei!“: Jene drei geschichtsträchtigen Worte, die einst am 15. Mai 1955 mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags ein unabhängiges, demokratisches Österreich sicherten, waren am Samstagabend am Hainfelder Hauptplatz immer wieder zu hören. Der Anlass: Unmut über die Regierung, Zorn und Unverständnis über die Corona-Verordnungen. Demokratische Grundrechte würden derzeit mit Füßen getreten. Davon waren die Teilnehmer der Corona-Demo überzeugt.

Friedlich, aber lautstark auf den Erhalt von Meinungsfreiheit, Demokratie und Grundrechten aufmerksam machen: Das war das Motto der Veranstalter der Protestkundgebung. Rund 200 Personen fanden sich dazu ein, um klar Position zu Corona-Verordnungen, Testanweisungen und Impfempfehlungen zu beziehen.

Als Organisator outete sich der Hainfelder Christopher Zuser. Am Rednerpult stand Rechtsanwältin Elisabeth Freilinger-Gößler, die auf Rechtswidrigkeiten geltender Corona-Verordnungen und die dadurch massive Einschränkung des Kindeswohls aufmerksam machte.

Corona-Demonstrant „Hannes aus Michelbach“ pochte ebenso auf die Einhaltung der Demokratie. Er sei kein Corona-Leugner, kein Verschwörungstheoretiker, auch kein Corona-Fachexperte. Er müsse aber seine Stimme für seine Grundrechte erheben. FP-Nationalratsabgeordneter Christian Hafenecker kündigte indes in seiner knappen Ausführung an, in der Bundespolitik weiter auf Missstände der Regierung in der Corona-Politik hinzuweisen. Noch einige Demonstrationsbesucher meldeten sich spontan vor Publikum zu Wort, einer davon mahnte, keinen Groll gegen die Exekutive zu hegen, wenn diese Corona-Anordnungen der Regierung exekutiere. Diese sei zum Werkzeug des Innenministers geworden. Er forderte aber auch von den Polizisten ein, nur Anzeigen zu verhängen, wenn der einschreitende Beamte überzeugt sei, selbst immer die Bestimmungen im Privatleben einzuhalten.

Mit stillem Protest, aber großen Plakaten fand sich auch Tierschützer Franz-Joseph Plank von der Tierschutzorganisation „Animal Spirit“ ein, um allgemeinen Widerstand auszudrücken.

Die Zuhörer zollten den Rednern mit großem Applaus, lauten Rufen und einem Pfeifkonzert zur Unterstreichung ihrer Forderungen ihren Respekt. Im Anschluss gab es noch einen gemeinsamen „Spaziergang gegen Corona“ durch die Stadt.

Mehrmals wies der Veranstalter auf die Einhaltung der Maskenpflicht und des Abstandhaltens hin. Das funktionierte größtenteils problemlos, dennoch mussten unter den zum Teil grölenden, pfeifenden Demonstranten Covid-Verstöße geahndet werden. „Es gab von uns acht Identitätsfeststellungen; fünf Anzeigen mussten wegen Nichteinhalten der Corona-Bestimmungen verhängt werden“, schildert Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner. Zu Ausschreitungen sei es aber nicht gekommen.

Die Demonstration ist, wie vom Organisator eingefordert, sehr friedlich verlaufen. Die Exekutive war mit 30 Beamten, darunter Mitgliedern der Einsatzeinheit Niederösterreich, vor Ort. Ebenso zugegen war für die Rettung Rot-Kreuz-Bezirkseinsatzleiter Patrick Bauer, der bezirksweit acht Einsatzfahrzeuge von Rotem Kreuz und ASBÖ im Bedarfsfall zur Verfügung gehabt hätte. Diese waren aber nicht von Nöten. „Es gab für uns bei der Demo keinen Einsatz“, schildert Patrick Bauer.

Die Veranstalter riefen zum Abschluss die Zuhörer zur gemeinsamen Teilnahme an der großen Corona-Demo in Wien am 6. März auf. Man wolle geschlossen als „Widerstandsgruppe Bezirk Lilienfeld“ als Teilnehmer stärkste Gruppe gewaltfrei, aber mit der klaren Forderung zur Beendigung sämtlicher Corona-Maßnahmen auftreten und für die Einhaltung von Demokratie und Grundrechten kämpfen.