Freispruch nach Manie-Phase. St. Aegyd: Mann nötigte anderen am Telefon und beschuldigte Frau falsch. Er wurde freigesprochen, weil er nicht schuldfähig war.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 13. Mai 2021 (10:08)
Symbolbild
APA

„Jetzt pass mal auf, Gschissener! Du hast bis 12 Uhr Zeit, sonst fahr ich mit den Panzern nach St. Aegyd!“, sprach ein 46-Jähriger einem anderen auf die Mobilbox. Der andere hatte zuvor das Auto des 46-Jährigen mit einem Schneepflug gestreift.

Zur Polizei ging der nun wegen Nötigung Angeklagte aber aufgrund anderer Vorfälle. Eine Cafébesitzerin in St. Aegyd beschuldigte er, Wasser in sein Auto geschüttet zu haben. Er umwickelte ihr Auto folglich mit Klebeband. Es stellte sich heraus: Niemand hat Wasser in sein Auto gegossen. Deswegen steht er jetzt wegen Verleumdung und falscher Beweisaussage vor dem Richter. Zum Zeitpunkt als er die Anzeigen machte, war er der festen Überzeugung, es sei so – wie berichtet – gewesen.

Das glaubt ihm der Richter, was heißt, dass es somit nicht als falsche Beweisaussage gilt. Mittlerweile sieht der Angeklagte ein, dass seine Anschuldigungen falsch waren. Warum er das alles gemacht hat, weiß er nicht. Er gesteht allerdings seine psychischen Probleme und mehrmaligen Behandlungen. Der Gerichtsgutachter geht von einer schweren manisch-depressiven Krankheit aus. Während des Tatzeitraums sei der Mann in einer manischen Phase gewesen und damit nicht schuldfähig. Die Manie bringe Größenwahn und erhöhte Aggression hervor.

„Du hast bis 12 Uhr Zeit, sonst fahr ich mit den Panzern nach St. Aegyd!“ Der Angeklagte

Von einer Gewaltgefahr geht der Psychiater in diesem Fall jedoch nicht aus, eine Einweisung in eine Anstalt sei nicht nötig. Der Richter spricht den Angeklagten frei. „Nehmen Sie Ihre Medikamente, gehen Sie regelmäßig in Therapie, dann besteht für Sie keine Gefahr“, sind sich Richter und Gutachter einig.