Gemeinderatswahl 2020: Der Kampf ist eröffnet. In neun der 40 Gemeinden haben Bürgermeister-Parteien im Jänner einen neuen Spitzenkandidaten.

Von Markus Glück, Denise Schweiger und Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 17. September 2019 (05:00)
Wodicka; Foto-Montage Alex König

Gleiß
Patrick Strobl stellt sich erstmals der Wahl.

Der Termin für die Gemeinderatswahl 2020 ist fix. Am 26. Jänner sind die mehr als 60.000 Wahlberechtigten in den 40 Gemeinden des Bezirks dazu aufgerufen, den Gemeinderat neu zu wählen. Die NÖN ging in dieser Woche den Fragen, wo es eng werden könnte, wo es neue Gesichter gibt und wo die Parteien mit der Suche nach Kandidaten kämpfen, auf die Spur.

Melk: Eine Premiere gibt es in der Bezirkshauptstadt. Alle Parteien verfügen über Spitzenkandidaten, die sich erstmals zur Wahl stellen. Während Patrick Strobl (VP), Bettina Schneck (Grüne) und Jürgen Eder (SPÖ) fix sind, ist offen, ob Thomas Gruber kandidieren wird. Die Entscheidung soll im Oktober fallen.

„Tiefe Verneigung vor allen, die sich gegen große VP-Mehrheiten im Gemeinderat eingebracht haben.“Günther Sidl, SP-Bezirkspartei-Obmann

Ybbs: Einzig die Kandidatur von Bürgermeister Alois Schroll (SPÖ) und Paul Hacker (WUY) als Spitzenkandidat ist fix. Die ÖVP will erst im Herbst ihren Spitzenkandidaten präsentieren. Bei der FPÖ ist Andreas Reitner mit seinem Team noch nicht ganz zufrieden, er möchte sich wieder der Wahl stellen.

Pöchlarn: Hartnäckig hält sich in der Nibelungenstadt das Gerücht, dass sich VP-Stadtchef Franz Heisler nicht mehr der Wahl stellen werde. „Stimmt nicht“, betont er gegenüber der NÖN. „Ich werde nochmals als Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen.“ Spannend könnte es werden, wenn die FPÖ bei der Gemeinderatswahl zulegt: Sie ist mit sechs Mandataren die stärkste Oppositionspartei.

Dunkelsteinerwald: Vertiefende Gespräche finden derzeit im Dunkelsteinerwald statt. „Wir wollen die gute Zusammenarbeit in den drei Gemeinden behalten. Und wenn dies durch ein jüngeres Team weitergeführt wird, werde ich dem nicht im Wege stehen“, betont VP-Bürgermeister Franz Penz. Fix ist zwar noch nichts, aber sowohl Bürgermeister- als auch Vizebürgermeister-Posten könnten neu besetzt werden. Offen ist auch noch, ob die damals abtrünnigen ÖVP-Mandatare mit einer eigenen Liste kandidieren.

Bischofstetten: Nach dem Rücktritt von Reinhard Hager hofft die ÖVP mit Nachfolger Werner Nolz auf Ruhe. Der Misstrauensantrag und überraschende Rücktritt im Rahmen der Eröffnung des Dorfzentrums trübten allerdings die Stimmung in der Gemeinde. Bei der SPÖ ist der Spitzenkandidat noch offen, wahrscheinlich ist es Andreas Bicek. Ein Bürgermeisterwechsel wäre möglich.

Gleiß
Lisbeth Kern ist längstdienende Bürgermeisterin in Österreich.

Petzenkirchen: Die derzeit am längsten dienende Bürgermeisterin Österreichs, Lisbeth Kern, führt die Gemeinde Petzenkirchen seit 1996 und will ihre Funktion weiterhin aufrechterhalten. „Ich werde mich wieder aufstellen lassen. Wir sind ein eingespieltes Team und machen eine gute Arbeit“, erklärt Kern.

Persenbeug-Gottsdorf: SP-Bürgermeister Manfred Mitmasser wird wieder zur Wahl antreten. Einen Angriff auf die Absolute wird Listen-Obfrau Christa Kranzl wagen.

Pöggstall: Die Gemeinderatswahl 2015 sorgte für einen landesweiten Bericht über Pögg- stall. Durch Stimmengleichheit zwischen SPÖ und der Liste „Gemeinsam Leben“ musste ein Los über ein Mandat entscheiden. Die Wahl könnte auch 2020 spannend werden. Nachdem die ÖVP 2015 mehr als 16 Prozent verloren hatte und eine Kooperation mit der Liste „Gemeinsam Leben“ eingegangen war, zerbröselte die Zusammenarbeit in den fünf Jahren. Wollte man 2020 eigentlich gemeinsam antreten, ist dies nun hinfällig. Eine Vereinbarung zwischen ÖVP und der Liste über einen Bürgermeisterwechsel zur Hälfte der Periode – Margit Straßhofer sollte an Listen-Obmann Anton Eder übergeben – wurde nicht eingehalten.

privat
Margit Straßhofer muss Abwärtstrend der ÖVP in Pöggstall stoppen.

Emmersdorf: Politisch ging es in den vergangenen Wochen turbulent in Emmersdorf zu. Nachdem der ehemalige VP-Vize Richard Hochratner von der eigenen Partei per Abberufungsbescheid gestürzt wurde, hing der Haussegen zwischen den Fraktionen schief. Jetzt ist Georg Ertl der neue VP-Vize. Er will sich der Gemeinderatswahl stellen. Wie es um VP-Bürgermeister Josef Kronsteiner steht, ist noch nicht bekannt. Die Opposition tüftelt gerade an ihrer Aufstellung zur Wahl.

Marbach: Spannend könnte es in Marbach werden. FP-Landeskammerrat Manfred Mitmasser ortet „blaues Potenzial“. Aus diesem Grund wurde dieses Jahr eine eigene Ortsgruppe gegründet. Ob er sich der Wahl stellen wird, ist noch nicht sicher.

Region Mank: Historisch schwer tut sich die SPÖ in der Manker Region. Derzeit läuft eine intensive Kandidatensuche. Trotz errungener Mandate blieben zuletzt in Hürm und Ruprechtshofen SP-Gemeinderatssessel frei. SP-Bezirkschef Günther Sidl hofft, dass es der SPÖ gelingt, in allen 40 Gemeinden zu kandidieren. „In einigen Gemeinden ist es schwierig, Kandidaten zu finden. Tiefe Verneigung vor allen, die sich gegen große VP-Mehrheiten im Gemeinderat eingebracht haben“, erklärt Sidl und meint, dass dies oft ein Kampf gegen Windmühlen sei.

Umfrage beendet

  • Gemeinderatswahl 2020: Werdet ihr wählen gehen?