Jungbunzlauer: Beschwerden gegen Werksbau. Im Dezember gab Behörde für Jungbunzlauer-Pläne grünes Licht, neun Einsprüche langten bis zum Fristende ein.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:09)
Der Herbst soll zeigen, wie es mit den Plänen Jungbunzlauers in Bergern weitergeht.Jungbunzlauer
Grafik: Firma

Zum Jahresende erhielt die Firma Jungbunzlauer gute Nachrichten: Die Errichtung der geplanten Zitronensäurefabrik in Zelking-Matzleinsdorf und Leiben gilt offiziell als umweltverträglich, das Projekt kann laut Entscheidung der NÖ Landesregierung realisiert werden. Doch daraus wird (noch) nichts.

Die Einspruchsfrist ist zu Ende – insgesamt neun Beschwerden wurden gegen den positiven Bescheid erhoben. Wer genau hinter allen Einsprüchen steckt, dürfe Leopold Schalhas, Leiter der Abteilung Anlagenrecht des Landes, aus Datenschutzgründen nicht verraten. Zwei Absender sind aber bekannt: die Stadtgemeinde Melk und die Bürgerinitiative „Ritter der Au“. Die NÖN fragte nach, woran sie sich stören.

Das „Veto“ der „Ritter“

Keine große Überraschung ist die Beschwerde vonseiten der Bürgerinitiative. Schon bei der Veröffentlichung des Bescheids im Dezember kündigten sie ihre Beschwerde an.

Auf rund 50 Seiten fasst Wolfgang List, Rechtsvertreter der „Ritter“, die Problemfelder zusammen: angefangen bei unklaren Darstellungen von Berechnungsergebnissen, fehlenden Dokumenten bis hin zu nicht berücksichtigten Einwendungen der Projektgegner. Der Bescheid werde von den „Rittern“ „zur Gänze angefochten“, das Bundesverwaltungsgericht solle eine weitere mündliche Verhandlung durchführen und dem Bescheid die UVP-rechtliche Genehmigung entziehen, fordert die Bürgerinitiative ( mehr dazu im Artikel hier bzw. ganz unten).

Das „Veto“ der Melker

Bereits im Rahmen der mündlichen UVP-Verhandlung im Oktober gab es vonseiten der Stadtgemeinde Melk eine klare Ansage als Abschluss-Statement. Man unterstütze das Projekt, wünsche sich aber Maßnahmen gegen die drohende Geruchsbelästigung. Diese konnte schließlich im Zuge der Verhandlung nicht ausgeschlossen werden.

Höhere Bäume und die Versetzung der gesamten Anlage gegen Süden lautete zusammengefasst der Wunsch der Melker. Berücksichtigt wurde dieser im Bescheid nicht – dort bezieht man sich nur auf die eingereichten Unterlagen.

„Die Behörde hat sich mit den Alternativvorschlägen, auch der anderen vertretenen Parteien, nicht beschäftigt. Aus meiner Sicht liegt darin ein Verstoß gegen die Bestimmungen des UVP-Gesetzes“, kritisiert Gerhard Taufner, Rechtsanwalt der Stadtgemeinde. Gemeinsam mit Bruno Sternad, Sachverständiger der Stadtgemeinde, erarbeitete er die eingereichte Beschwerde.

Taufner verweist auf die weiterhin ungelösten Problemfelder, die der Werksbau für die Bezirkshauptstadt mitbringen könnte – sprich die mögliche Geruchsbelästigung sowie befürchtete Auswirkungen auf den Tourismus. Betreffend dem Geruchsproblem könne eine Einhausung der Anlage Abhilfe schaffen: „Sollte sich Jungbunzlauer freiwillig dazu verpflichten, würde dies die Stadtgemeinde Melk sehr begrüßen.“

Das sagt Jungbunzlauer

Trotz des „grünen Lichts“ der Behörde hüllte sich die Firma Jungbunzlauer bisher in Schweigen, ob sie denn das Projekt nun auch in die Tat umsetzt.

Gegenüber der NÖN lieferte Projektleiter Josef Gaß jetzt eine klare Antwort: „Selbstverständlich werden wir das Projekt auch umsetzen“. Die rund 300 Auflagen habe man „genau so erwartet“ und werde man „natürlich“ erfüllen.

Konfrontiert mit den Beschwerden betont Gaß, dass diese derzeit geprüft werden. „Auch damit haben wir gerechnet und wir begrüßen diese auch. Wir haben uns bisher immer allen Themen, die die Menschen in der Region im Zusammenhang mit Jungbunzlauer bewegen, sachlich gestellt. Und das behalten wir auch bei“, sagt er.

Man wolle am neuen Standort zu einem „guten, verlässlichen Nachbarn und Arbeitgeber“ werden.