Bezirk Melk: Droht dem Sparbuch das Aus?. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 04. Februar 2020 (04:45)
Den Banken ist das Sparbuch ein Dorn im Auge.
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es so weit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein.

„Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden. Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Geld unter das Kissen legen statt Sparbuch?

Anders als die Bankkonzerne sieht es Seniorenbund-Obmann des Bezirks Melk Karl Donaubauer: „Das Sparbuch ist meines Erachtens nach die beste Anlageform.“ Er weiß, dass viele in seinem Umfeld eines besitzen und es auch weiterhin führen werden. Den Trend der Banken kann der Bezirks-Obmann der Pensionisten, Franz Alfred Zimmerl, ebenfalls nicht nachvollziehen.

„Bei uns im Verband haben rund 90 Prozent ein Sparbuch – wenn dieses eingestellt werden sollte, dann frag‘ ich mich, wie ältere Menschen ihre Gelder noch anlegen sollen“, stellt er fest. Die ältere Generation besteht aus noch klassischen Sparern. Die geplante Auflassung von traditionellen Sparformen wie dem Sparbuch stößt ihm sauer auf. „Sollen sich jene, die mit den digitalen Sparformen nicht vertraut sind, ihr Geld unters Kopfkissen legen?“, fragt Zimmerl.

Eine Alternative, die ebenfalls fast ausstirbt, gibt es noch: den Sparverein. In Ursprung (Dunkelsteinerwald) im Gasthaus „Lord Haberl“ können jeden Sonntag die Mitglieder des Sparvereins ihr Geld einzahlen. „Wir sind ein Familienunternehmen und pflegen die alten Traditionen. Jedes Jahr werden es mehr und auch die Einlagen steigen“, berichtet Heidi Raubal, eine der Kassierinnen. Hier im Wirtshaus wird noch wie dazumal Karten gespielt, ein Achterl getrunken, gut gegessen und Geld angelegt.

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