Was ist falsch an Corona-NS-Vergleichen in Postings?. Der Melker Verein „MERKwürdig“ analysiert, warum Covid-19-Maßnahmen nicht mit der NS-Zeit verglichen werden können.

Von Michael Bouda. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:31)
NOEN

Mehrere Postings von FP-Gemeinderäten in sozialen Medien sorgten zuletzt im Bezirk für Aufsehen (die NÖN berichtete). In diesen wurden Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie mit Verbrechen des Nationalsozialismus verglichen.

Anlässlich des internationalen Tages des Gedenkens an die NS-Opfer am 27. Jänner setzen Alexander Hauer, Christian Rabl und Judith Mandlburger vom Verein „MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk“ für die NÖN drei Postings in Kontext.

„Testen macht frei“. Eine Fotomontage (siehe Bild oben) zeigt den Eingang des ehemaligen KZ- und Vernichtungslagers Auschwitz, anstelle des Schriftzugs „Arbeit macht frei“ ist „Testen macht frei“ zu lesen.

„Arbeit macht frei“ steht als Synonym für den Massenmord während der NS-Zeit. Der Satz findet sich auch in der Melker Birago-Kaserne, wo sich von April 1944 bis April 1945 ein Mauthausen-Außenlager befand. In Melk steht der Satz für den Zynismus der Lager-SS gegenüber 14.400 KZ-Häftlingen. Diese mussten ohne Aussicht auf Entlassung unter Mangelversorgung und ständiger Gewalt Zwangsarbeit leisten.

Das Mauthausen-System bedeutete: „Vernichtung durch Arbeit“. „Arbeit macht frei“ steht daher für die Häftlinge für die Freiheit im Tod. Die Gleichsetzung eines Covid-19-Tests mit todbringender Zwangsarbeit ist zynisch und respektlos gegenüber allen NS-Opfern.

„Die Gleichsetzung einer Impfung mit todbringender Zwangsarbeit ist zynisch und respektlos gegenüber allen NS-Opfern.“ Christian Rabl

„Ungeimpft“. Der gelbe Stern mit der Inschrift „Ungeimpft“ setzt eine angebliche Impfpflicht beziehungsweise Kennzeichnung Ungeimpfter oder Ungetesteter mit dem Schicksal der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit gleich. Die Maßnahmen während der Pandemie dienen primär dem Schutz verletzlicher Menschen und der Allgemeinheit.

Die Kennzeichnung und Verfolgung bestimmter Gruppen von Menschen während der NS-Zeit waren der Auftakt für deren systematische Beraubung, Vertreibung und Vernichtung. Aktuelle Einschränkungen, die sich für Personen ergeben, die sich (aus freien Stücken) nicht impfen lassen möchten, können nicht mit der Kennzeichnungspflicht für Juden während der NS-Zeit gleichgesetzt werden. Dies zu tun, zeugt von fehlendem Geschichtsbewusstsein.

„Rothschild-Zögling“, „Soros-Lakai“. So wird in einem Posting der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnet. Diese Aussage ist als antisemitisch anzusehen. Denn die jüdischen Wurzeln der Familie Rothschild beziehungsweise des Holocaustüberlebenden George Soros sind bekannt. Die Namen gelten in rechten Kreisen als Code für die krude Theorie einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung. Hier wird außerdem das aus der NS-Propaganda bekannte antisemitische Vorurteil des „reichen Juden“ bedient.