Arzt Hoffer: "Wochenenddienste aus moralischen Gründen". Krank sein am Wochenende könnte in Zukunft problematisch werden. Die Mediziner müssen keine Dienste mehr am Samstag oder Sonntag machen.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 18. Mai 2019 (04:00)
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Allgemeinmediziner Florian Hoffer macht freiwillig Wochenenddienste in Petzenkirchen.

Es ist Sonntag – die Glieder schmerzen und die Temperatur steigt: Eines ist klar, ein Arzt muss her. Doch so einfach wie bis jetzt, wo aktuell ein Bereitschaftsdienst am Wochenende stattfindet, wird es in Zukunft vielleicht nicht sein.

„Ich und die Ärzte in meiner Region machen einen freiwilligen Bereitschaftsdienst“, erklärt Florian Hoffer, Arzt aus Petzenkirchen. Freiwillig – aber warum? Im Jänner stoppte das Höchstgericht das verpflichtende Bereitschaftssystem für Ärzte mit dem Argument, es fehle die rechtliche Basis. Seither machen die Hausärzte am Wochenende auf freiwilliger Basis Bereitschaftsdienst.

„Ich mache den Wochenenddienst nicht aus gesetzlichen, sondern aus moralischen Gründen“, berichtet der Allgemeinmediziner. Zum Glück sehen das 90 Prozent der Ärzte im Bezirk auch so.

„Ich mach Wochenendedienst nicht aus gesetzlichen, sondern aus moralischen Gründen.“Florian Hoffer,  Arzt aus Petzenkirchen

Bezirksärztevertreter Harald Waxenegger hofft, dass die neuen Verhandlungen eine Verbesserung für die Ärzte bringen. Denn bisher gab es keine finanzielle Abdeckung der Fixkosten. Auch Michael Karner, Arzt in Melk, erhofft sich eine Besserung. „Interessant wird es, wenn die Pensionswelle kommt. Dann wird es zu noch längeren Wartezeiten kommen“, ist sich Karner sicher.

Denn Nachschub, wenn sich an den Honoraren nichts ändert, ist erst in zehn Jahren in Sicht. Der Petzenkirchner Arzt wünscht sich größere Sprengel, fixe Ordinationszeiten und eine deutliche finanzielle Attraktivierung. Laut ihm gilt es, die erhöhten Personalkosten und Bereitstellungskosten abzudecken sowie sinnvolle Kombinationen mit dem Apothekendienst oder ein Medikamentenabgaberecht im Dienst zu schaffen. „Es macht keinen Sinn, alle zehn Kilometer einen Arzt im Dienst, aber die nächste Apotheke 25 Kilometer entfernt am anderen Ende des Bezirks zu haben“, bemängelt er.

Wie es weitergeht, wird sich am 5. Juni herausstellen. Dann wird die Kurienversammlung der niedergelassenen Ärzte (darin sitzen die gewählten Vertreter der niedergelassenen Ärzte) beraten, was weiter geschehen soll.