Besuch im Wirtshaus: Wenn die Maske nicht wär. Nur die Maske oder das Visier erinnern im Wirtshaus an Corona. Ein Besuch im Gastgarten im Bezirk Melk.

Von Denise Schweiger und Michael Bouda. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:55)
Eine schmackhafte Reportage: Denise Schweiger und Michael Bouda von der Melker NÖN statteten „Johny‘s“ in Pöchlarn am Eröffnungswochenende einen Besuch ab. Im Bild mit Küchenchefin Natascha Werner und Inhaber Johann Daxböck. Für das Foto wurden die Masken abgenommen und der Sicherheitsabstand eingehalten.
Vanessa Schweiger

Über zwei Monate hat das Telefon im Burger-Restaurant „Johny’s“ nicht mehr geklingelt. Untypisch für das mehrfach prämierte und meist ausreservierte Lokal in Pöchlarn. Doch Corona machte es möglich.

Am vergangenen Freitagvormittag änderte sich das aber schlagartig. Ehe die Pfannen heiß liefen, tat es die „Johny‘s“-Leitung. „Es war unfassbar“, zeigt sich Inhaber Johann „Johny“ Daxböck immer noch überwältigt. „Über 700 Reservierungen für die nächsten Tage sind alleine an diesem Freitag eingelangt.“ Ein Anruf davon kam aus der NÖN-Redaktion. Wie läuft die Gastronomie nach der wochenlangen Zwangsschließung an? Ein Lokalaugenschein im wohl wörtlichsten Sinn.

Unter den Kastanienbäumen im Pöchlarner Schanigarten vergisst man schon fast, dass das mikroskopisch kleine Virus nach wie vor die Welt ausbremst. Wenn der Kellner an den Tisch kommt, erinnert lediglich die Maske oder das Plexiglasvisier daran. „Das ist natürlich schon anstrengend für das Servicepersonal“, berichtet Daxböck.

„Das sind aber eben jetzt die Maßnahmen, die getroffen werden müssen.“ Pro Tisch dürfen vier Erwachsene – auch aus fremden Haushalten – plus Kinder sitzen. Maske auf, hinein ins Lokal, zum Tisch, Maske runter. Und da kann sie während des gesamten Aufenthalts auch bleiben. Sobald man den Tisch verlassen will – Toilettengang, Zigarette zwischendurch –, muss die Maske nicht wieder über Nase und Mund zurechtgerückt werden. In der Küche gilt übrigens keine Maskenpflicht.

Rund ein Drittel der Tische ist laut Daxböck dem Schutzabstand, dem umgangssprachlichen Babyelefanten, zum Opfer gefallen. Mitte Mai hätten eigentlich die Baumaschinen anrollen sollen. „Wir hätten ein wenig umgebaut, um eine Lounge zu errichten. Das ist auf Eis gelegt. Jetzt müssen wir schauen, wie sich das Geschäft entwickelt“, erläutert er.

An der Nachfrage nach „Johny‘s“-Küche scheint es jedenfalls nicht zu mangeln. Neben dem vollen Schanigarten und den Kunden im Inneren des Kultlokals holt alle fünf Minuten jemand – streng eingetaktet – Burger und Co. für Zuhause ab.

„Wir haben seit der Wiedereröffnung wieder einen Take-away-Service. Zum Teil warten die Gäste zwei Stunden, weil wir so viele Anrufe bekommen“, zeigt Daxböck auf die langen Bestelllisten. Einen Abholdienst während der geschlossenen Wochen anzubieten, hätte sich laut dem Inhaber nicht ausgezahlt.“