Finanzielle Not: „Müssen betteln, um Leben zu retten“. Personalkosten und zu wenige Freiwillige bringen Samariterbund in Bedrängnis. Gemeinde unterstützt mit Mitarbeiter.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek und Denise Schweiger. Erstellt am 20. August 2019 (04:34)
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SP-Bürgermeister Thomas Vasku unterstützt den Samariterbund mit Franz Lenk.

Wenn man darum kämpfen muss, Menschenleben retten zu dürfen, läuft etwas falsch. Der Samariterbund Loosdorf schreibt regelmäßig ein Minus. Ausgleichszahlungen müssen jährlich von den Gemeinden Loosdorf, Schollach und Hürm geleistet werden. Obmann Franz Lenk ist verzweifelt: „Wir sparen, wo es nur geht. Am höchsten sind die Personalkosten, auch hier haben wir schon reduziert. Freiwillige melden sich zu wenig.“

Was Lenk besonders nahegeht, ist, dass er sich ein wenig wie ein Bittsteller vorkommt: „Wenn man dann immer um Geld betteln muss, damit wir das Leben anderer retten können, ist es skurril.“ SP-Bürgermeister Thomas Vasku kennt die finanziellen Nöte seines Loosdorfer Rettungsdienstes.

„Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, wie geholfen werden kann. Daher hat die Gemeinde einen Bauhof-Mitarbeiter abbestellt“, erklärt Vasku. Dieser hat eine Sanitäterausbildung absolviert und leistet für zehn Stunden seinen Dienst beim Samariterbund. „Wenn bei uns Not am Mann ist, kann ich jetzt auf diesen Mitarbeiter zurückgreifen“, freut sich Lenk. Er würde es gutheißen, wenn die anderen Gemeinden auf denselben Zug aufspringen würden.

Zuser (VP) will alle Fakten auf den Tisch

Doch ganz so einfach sieht das der Hürmer VP-Ortschef Johannes Zuser nicht: „Ich will klare Fakten auf den Tisch gelegt bekommen. Wenn es nötig ist, soll sich ein externer Fachmann um das Finanzproblem kümmern.“ Im Speziellen bei der Gemeinde Hürm kommt hinzu, dass sich der Samariterbund das Gebiet mit dem Roten Kreuz Kilb teilt. Und laut Lenk ist der Standort Kilb am Wochenende oft nicht besetzt.

„Daher müssen wir diese Fahrten zusätzlich machen und bekommen sie nicht dementsprechend vergütet“, beschwert sich Lenk. Und hier sieht er das Problem: Loosdorf ist durchwegs besetzt, andere Stellen nicht. Wenn etwas passiert, muss der Samariterbund ausfahren. Rotkreuz-Bezirksstellengeschäftsführer Max Hanke sieht das allerdings ein wenig anders.

„An den Wochenenden und Nächten ist immer mindestens ein Standort im Bereich Melk Süd, sprich St. Leonhard, Texingtal und Kilb, rund um die Uhr besetzt“, kontert er. Zudem übernimmt das Rote Kreuz auch viele Fahrten in Loosdorf, obwohl die Gemeinde Partner des Samariterbundes ist. „2018 waren es 264 an der Zahl.“

VP-Ortschef Walter Handl aus Schollach hat indes auch schon eine Einstellung der Ausgleichszahlung angekündigt. „Für heuer wurde sie beschlossen, alles Weitere wird sich weisen.“

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