Ex-Stadtchef Schroll verzichtet auf „sein“ Mandat. Nach internem Druck unterschreibt Ex-Stadtchef Verzichtserklärung und zieht sich aus Lokalpolitik zurück. Schachner lud Parteien zu Gesprächen.

Von Markus Glück. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:03)
Ex-SP-Stadtchef Alois Schroll zog sich nach internem Druck endgültig zurück.
Jäger

Nach dem letztwöchigen NÖN-Bericht (siehe unten) über vermeintliche Ungereimtheiten beim Bau der neuen Stadthalle und den Drohungen der Opposition, ein Verfahren wegen Amtmissbrauch gegen Schroll anzustreben, schrillten bei der SPÖ auf allen Ebenen die Alarmglocken.

Intern wurde damit auch der Druck auf Ex-Stadtchef Alois Schroll größer, auf sein Gemeinderatsmandat, und damit auch auf sein gewünschtes Stadtratsmandat, zu verzichten.

Nach mehreren Gesprächen, bei denen sich auch Ex-Bundeskanzler und Ybbser Stadtparteichef Alfred Gusenbauer sowie Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl austauschten, übermittelte die SP-Fraktion Schroll vergangenen Freitag eine Verzichtserklärung auf sein Gemeinderatsmandat. Nach einer Bedenkzeit bis Montag, unterschrieb Schroll und beendet damit seine Karriere als Lokalpolitiker.

„Ich muss auf meine Gesundheit schauen. Zudem ist mir wichtig, dass in Ybbs Ruhe einkehrt. Wenn ich dabei helfen kann, mache ich das gerne“, betont Schroll. Als möglicher Kultur-Stadtrat wird Robert Nußbaummüller gehandelt, wer Schrolls Mandat nachbesetzt, ist noch offen.

Die künftige Stadtchefin Ulrike Schachner (SPÖ) konnte sich intern durchsetzen.
Glück, Jäger, SPÖ

Für die designierte SP-Bürgermeister Ulrike Schachner ist der Neustart ohne Schroll damit deutlich einfacher geworden. „Wir wollen von vorne beginnen“, meint Schachner. Erleichterung nach Schrolls Rückzug – er bleibt aber weiterhin Stadtparteichef-Stellvertreter der Ybbser SPÖ – herrscht bei zahlreichen Ybbser SP-Gemeinderäten.

Dort ist allerdings auch der Groll auf die eigene Landespartei groß. Diese soll Schuld am derzeitigen Chaos in Ybbs sein, Schroll bis zuletzt immer die Stange gehalten und darauf gepocht haben, dass er Stadtrat bleiben muss. Äußerungen, die SP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar entschieden zurückweist: „Wir haben stets betont, dass es eine Sache der Stadtpartei ist, dementsprechend haben wir uns auch verhalten.“

Man habe allerdings das Gespräch gesucht, auch mit Gusenbauer. Kocevar appelliere an die Orts-ÖVP einen konstruktiven Kurs im Sinne der Ybbser einzuschlagen und sich nicht von der Landes-VP in Neuwahlen treiben zu lassen.

Genau diese wollte Schachner bei einem Runden Tisch mit allen Parteien am Montagabend verhindern. Dabei ging es um die künftige Zusammenarbeit unter Einbindung aller Parteien. „Es war ein gutes Gespräch und ich glaube, die Zusammenarbeit wird klappen“, meint Schachner.

FPÖ will Schachner eine Chance geben

Ähnlich sehen das FPÖ und WUY. „Es war ein offenes Gesprächsklima. Schrolls Rückzug ist das Beste, was Ybbs passieren konnte“, meint WUY-Gemeinderat Hacker. Weg vom Thema Neuwahlen ist FP-Gemeinderat Andreas Reitner. Er will Schachner eine Chance geben: „Wenn es stimmt, dass sie alles offen legt, schauen wir uns das einmal an.“

Gert Kratzer (ÖVP) fehlen konkrete Vorschläge für die Zukunft der Stadt.
Glück, Jäger

Weniger glücklich mit dem Gespräch zeigt sich VP-Stadtrat Gert Kratzer. Ihm haben konkrete Inhalte gefehlt. „Es hat keine wesentlichen Infos gegeben. Mir fehlen konkrete Vorschläge, wie es mit Ybbs weitergehen soll.“ Dem kontert Schachner: „Ich appelliere jetzt einmal an die Zusammenarbeit. Danach werden sie genug Zeit haben, sich bei Inhalten einzubringen.“

Wie die ÖVP weiter Vorgehen wird, sollen interne Beratungen zeigen. Dem Vernehmen nach ist die ÖVP aber derzeit wenig glücklich damit, dass die SPÖ auf den nach dem Wechsel übermittelten Forderungskatalog gar nicht eingegangen ist. Es keine Ressortumverteilung und keine SP-Zustimmung für einen VP-Vize-Stadtchef geben wird.