Künstler in Corona-Zeiten: Doku-Film kommt ins Kino. „Arbeit statt Almosen“ von Literatin Marlen Schachinger kommt im November in ausgewählte Kinos.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 23. Oktober 2020 (04:40)
Marlen Schachinger setzt sich mit der Lebens- und Arbeitssituation von Künstlern in Zeiten von Corona auseinander.
zVg

„Mei Kunst is ned umsunst!“ Die Coronakrise machte, dass die Kleinbaumgartner Literatin Marlen Schachinger unter die Filmemacher ging: Der Dokumentarfilm „Arbeit statt Almosen“ kommt im November in ausgewählte Kinos und setzt sich mit der Lebens- und Arbeitssituation von Künstlern in Zeiten des Corona-Lockdowns und des Stillstandes des kulturellen Lebens auseinander. „Durchaus eine spannende Erfahrung für mich als Literatin, Regie und Schnitt zu verantworten“, sagt Schachinger.

Aufgearbeitet wird in der Dokumentation, in der sie mit anderen Künstlerinnen und Autorinnen sprach, der Literaturbetrieb an sich: Warum bekommt von den 22 Euro Verkaufserlös eines Buches der Autor gerade mal zwei Euro, warum setzten die Verlage nicht auf Nischen, warum wird die Schere zwischen Autorinnen und Autoren immer größer und warum werden in den Medien hauptsächlich die Werke von Männern besprochen, obwohl das Gros der Schreibenden weiblich ist?

„All diese Fragen, samt zahlreichen Hintergrundinformationen und Möglichkeiten einer anderen Gebarung, sind Thema des Films“, verrät Schachinger.

Der Kulturbetrieb köchelt derzeit auf kleiner Flamme: Lesungen werden abgesagt, den Autoren fehlt es an Einnahmen, da vom Buchverkauf alleine kaum jemand leben kann.

Hinter vielen Absagen vermutet Schachinger eher beinharte wirtschaftliche denn coronabedingte Gründe. Und sie glaubt auch nicht, dass sich das rasch ändern wird: „Mich dünkt es illusorisch zu glauben, am Stichtag X-nach-Covid werde plötzlich wieder Kunst und Kultur blühen, werden sich die Besucher trotz Regens, Schnee, Wind oder anderer Widrigkeiten aus ihren vier Wänden aufmachen, um Kunst und Kultur zu erleben, wenn wir sie jetzt fallen lassen, als wäre uns ihr Genuss kein Anliegen, als bedürften sie dieses kulturellen Lebens nicht“, kritisiert sie die herrschende Absagekultur als kurzsichtig.