Entscheidung zu Mistelbacher Busbahnhof wird verschoben. Der Gemeinderat wird in seiner nächsten Sitzung am 9. März definitiv nicht das Thema Busbahnhof-Neu behandeln: Das ist das klare Ergebnis der Planpräsentationen zum umstrittenen Projekt beim Bahnhof im Mistelbacher Stadtsaal.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 20. Februar 2020 (15:12)
Expertendiskussion zum neuen Busbahnhof: Die Variante der Busanordnung zwischen Arbeiterkammer und Bahnhof überzeugte nur die ÖBB und den VOR. Die Mistelbacher waren Mehrheitlich für die Variante West.
Michael Pfabigan

„Ich glaube nicht, dass wir jetzt schon so weit sind, eine Entscheidung zu treffen“, sagte Bürgermeister Christian Balon (ÖVP) nach intensiver Diskussion der drei Varianten im Stadtsaal: „Ich glaube, die Planung ist schlecht gelaufen. Ein Projekt, das sozial nicht angenommen wird, ist gescheitert.“ Dass die Busse zum Bahnhof verlegt werden, ist aber fix, stellte er klar.

„Ich glaube, die Planung ist schlecht gelaufen"

Präsentiert wurden die drei Varianten, im Endeffekt kristallisieren sich zwei Möglichkeiten heraus: Jene Variante mit den Bushaltestellen zwischen Arbeiterkammer und Bahnhof, die von VOR und ÖBB bevorzugt wird und die Variante West, bei der die Busse zwischen Bahnhof und Bahnhofmagazin zu stehen kommen - diese Variante bevorzugen der Bürgermeister und wohl der Großteil der Anrainer.

Entscheidender Faktor bei der Wahl der Variante dürfte für die Stadt die Frage der Bäume werden: Während bei der Haifischzahn-Variante acht bis neun Bäume gefällt werden müssten, sind es bei der Variante West nur vier Bäume gefällt werden.

Wobei: Eine Garantie, dass alle Bäume den Umbau überleben werden, gebe es nicht: Planer Norman Pigisch war ehrlich: „Es kann sein, dass bei den Grabungsarbeiten die Wurzeln der bestehenden Bäume verletzt würden und dann absterben. Wir können es nicht garantieren.“ Würden die Bäume jetzt ersetzt und mit einem entsprechenden Humusaufbau für den Wurzelraum, der bis unter die Gehsteige reicht, ausgestattet, hätten sie mehr Chancen auf Leben, sagte Pigisch: „Ich weiß, es ist ein Prozess, der weh tut.“

Wie ist der Zustand der Bäume? Martin Steinbauer von der ARGE Baum hat sich die Bäume angesehen: Je zwei sind in der Klasse 2 und 3 (quasi gesund und schon ein wenig geschädigt), vier Bäume stuft er in Klasse vier ein - da haben sie noch eine Lebenszeit von zehn bis 20 Jahren.

„Ich weiß, es ist ein Prozess, der weh tut“

Das sei egal, fand Altbürgermeister Alfred Weidlich, der gemeinsam mit Martina Pürkl (Grüne) eine Petition zum Schutz der Bäume gestartet hatte. Die gesammelten 797 Unterschriften übergab er Bürgermeister Christian Balon.

Was sagten die Bürger zu den Plänen? Wie schon bei der Hauptplatzdiskussion zog sich der Wunsch nach mehr Grün bzw. dem Erhalt des Grüns in der Stadt durch den Abend: „Warum wird Renaturierung nicht automatisch bei Planungsabläufen eingeplant?“ wollte ein Zuhörer wissen. Warum wird jetzt erst die Bevölkerung über die Pläne informiert, wenn es eine erste Verhandlung bereits am 20. April 2019 gegeben habe: „Mehr Transparenz wäre wünschenswert“, sagte der Zuhörer.

Die von den Zuhörern bevorzugte Variante war die West: Dass dabei Park and Ride-Parkplätze verloren gehen, war ihnen dabei egal: auf der anderen Seite der Bahngeleise gebe es einen Teil der P&R-Anlage, der würde nicht genutzt. Insofern könnte der Wegfall der Parkplätze auf der Bahnhofsseite verkraftet werden, fanden die Mistelbacher. „Warum wird nicht eine Unterführung zwischen künftigem Busbahnhof und diesem ungenutzten Parkplatz gemacht?“, wollte Grüne Martina Pürkl wissen. Die Entfernung zum Bahnhof von der äußersten Bushaltestelle bei der West könne nicht das Kriterium sein, fand eine Zuhörerin. Denn auch bis zur Arbeiterkammer sei es ein weiter Weg. Warum könne der Busbahnhof nicht auf der Park and Ride-Anlage auf der anderen Seite des Bahnhofes errichtet werden, wollte eine Mistelbacherin wissen.

„Es sind viele Beschlüsse schon gefasst worden. Das heißt aber nicht, dass man nicht gescheiter werden kann“, resümierte Manfred Reiskopf von der SPÖ: „Die Bäume sollen erhalten bleiben und wir diskutieren die Variante West“, als Gemeindevertreter sei es die Aufgabe, das Ohr an der Bevölkerung zu haben. Daher solle der Busbahnhof neu geplant werden. Ein Vorschlag, dem sich auch alle anderen Fraktionen anschlossen.