Tobias Braun: „Das Holz macht die Musik“. In Gaaden baut Tobias Braun Gitarren, die höchsten Ansprüchen genügen; Instrumente von feinster Klangfarbe.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 23. Januar 2021 (04:55)
Gitarrenbauer Tobias Braun ist in seiner Gaadner Werkstatt in seinem Element: Hier entstehen elf bis zwölf Gitarren pro Jahr, dazu gehören auch Spezialanfertigungen nach individuellen Wünschen.
Schätzle

Bei Gitarrenbauer Tobias Braun ist der Beruf Berufung. Eigentlich ist er studierter Germanist und Publizist. Aber dann führte ihn sein Weg über eine Jugendgruppe um den damaligen Südstadtpfarrer Franz Jantsch zur Musik.

Und diesem Weg, der ihn letztlich zum Gitarrenbau führte, folgte er intuitiv und unbeirrbar. „Zusammen mit einem Freund hatte ich die Idee, eine Gitarre zu bauen“, erinnert sich der Gaadner, „bei einem Schulausflug traf ich eine Instrumentenbauklasse, das hat mich unheimlich fasziniert.“

Er besorgte Literatur (noch ohne Google) und machte sich autodidaktisch ans Werk. Das Material holte er sich von einem Großhändler, nach elf Monaten war seine erste Gitarre fertig. In einer Zeitschrift las Braun ein Stelleninserat des Gitarrenbauers José Romanillos: „Der Anmeldeschluss war schon vorbei, ich bin zur Post geradelt und habe ein Telegramm aufgegeben, ich wurde genommen.“

Ritterschlag erfolgte als Assistent

In drei Wochen habe er dort mehr gelernt als andere in drei Jahren: „Es hat sich eine lebenslange Freundschaft mit José ergeben. Und als ich später sein Assistent sein durfte, war das eine Art Ritterschlag.“

Es folgten Gesellen- und Meisterprüfung und am 24. Dezember 1984 verkaufte er seine erste Gitarre – in die Südstadt.

1992 bekam er einen Anruf aus Japan, dem damals gelobten Land des Gitarrenbaus, man wollte seine Gitarren. Das war der erste Schritt in die internationale Szene. Der nächste führte ihn nach Amerika: „Ich habe den renommierten Gitarrenhändler GSI kontaktiert, zuerst hat er abgelehnt, dann hab ich gesagt, ich hätte aber schon das Flugticket.“

An einem Freitag flog er weg, aus einem für Samstag zugesagten 20-Minuten-Gespräch wurde ein ganzer Tag und eine Bestellung. Am Dienstag kehrte Braun zurück.

Sein Lebensweg führte ihn auch nach Steyr, der Vater seiner damaligen Freundin war Forstmeister: „Ich konnte mir dort zwei Bäume aussuchen und kaufen, Fichten, jede 300 Jahre alt mit einem Durchmesser von 90 cm, die beiden Bäume haben mich auf Lebenszeit mit Decken versorgt.“

Zu Holz hat Braun eine ganz besondere Beziehung: „Man muss verstehen, was das Holz will, in Europa wird viel mit der Zwinge gearbeitet, die Spanier haben eine andere Technik, denn Gitarren wollen nicht gezwungen werden.“

Zu Brauns internationalem Klientel gehören begeisterte Amateure ebenso wie Profimusiker und Händler. Rund 7.000 Euro kosten die Instrumente, die durch ihre feinen Klangnuancen ebenso überzeugen wie ihre tragenden Qualitäten im Saal. An ihnen ist alles bis hin zu den Intarsien von Braun selbst gemacht: „Ich arbeite auch nicht mit Klanganalysen, sondern mit Intuition, meine Gitarren setzen die Interpretationen des Künstlers einfach sehr schnell um“, ist Braun stolz auf jedes einzelne seiner Exponate.