Motto Sauerzopf: „Mach, was dir wirklich gefällt“. Hannes Sauerzopf (51) aus Oeynhausen (Bezirk Baden) hat die Leitung der HTL Mödling übernommen: „Die Schüler sollen sich wohlfühlen.“

Von Christoph Dworak. Erstellt am 10. August 2019 (04:30)
Dworak
HTL-Direktor Hannes Sauerzopf.

NÖN: Ihr Vorgänger, Harald Hrdlicka, ist durch Zufall Pädagoge geworden. Wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen aus?

Hannes Sauerzopf: Sehr ähnlich. Ich habe nach der 5. Klasse, die ich übrigens positiv abgeschlossen habe, das Gymnasium Biondekgasse in Baden verlassen. Ich hatte damals für diese Ausbildung kein Interesse mehr und habe eine Lehre als Fernmeldemonteur bei der Post begonnen. Neben meiner beruflichen Tätigkeit habe ich die HTL Abendschule in der Schellinggasse absolviert. Und ich wollte mehr, habe Physik – wissenschaftlich, nicht auf Lehramt – studiert, war anschließend im AKH, bei Siemens und an der Universität in der Forschung und Entwicklung tätig und hab dann noch ein Doktoratsstudium als Umweltphysiker angehängt. Während meiner Tätigkeit als Tutor auf der Uni habe ich gemerkt, dass mich die Arbeit mit jungen Leuten fasziniert.

Was hat Sie dann in die HTL Mödling verschlagen?

Sauerzopf: Ich habe mich spontan beworben. Den damaligen Direktor Alfred Gratzl hat offenbar mein Lebenslauf beeindruckt, ich durfte am Samstag und einen Vormittag pro Woche Grundlagen der Elektronik unterrichten. Wenig später kam dann die Anfrage: ,Herr Sauerzopf, ich brauche sie.‘ Also bin ich seit 2000 an der HTL Mödling.

Offensichtlich mit Erfolg. Seit 2011 sind Sie Abteilungsvorstand „Elektronik & Technische Informatik“.

Sauerzopf: Auch dieser Schritt war von mir nicht geplant. Man könnte sich vorstellen, dass ich der richtige Mann dafür bin, hab ich damals gehört. Woraufhin ich mich beworben habe. Genauso wie jetzt, als es um die Nachfolge als Direktor ging.

Was zeichnet Sie aus, um für derart verantwortungsvolle Jobs vorgeschlagen zu werden?

Sauerzopf: Ich muss niemandem etwas vorspielen. Ich weiß aufgrund meiner vielfältigen beruflichen Erfahrungen, wie ein Fachschüler, ein Maturant, ein Mitarbeiter ticken. Ich kenne mich mit Gruppendynamik aus. Meine Philosophie lautet: Mach, was dir wirklich gefällt, dann machst du’s gut. Und meine Tätigkeit in der HTL Mödling macht mir außerordentlich Spaß und Freude.

Welchen Weg wird die HTL Mödling unter Ihrer Leitung gehen?

Sauerzopf: Unsere Schule darf nicht als grauer Moloch gesehen werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich wohlfühlen, spüren, dass sie angesehen und ausgebildet werden. Bildung und Ausbildung sind für mich zwei wichtige Aspekte. Ich bin auch davon überzeugt, dass unser Know-how als Rohstoff anzusehen ist, mit dem wir in Europa punkten können. Wir, als Pädagoginnen und Pädagogen der HTL Mödling werden unser Bestes dazu beitragen, damit wir die Talente unserer Schülerinnen und Schüler fördern.

Werden Sie weiterhin unterrichten?

Sauerzopf: Ich werde versuchen, weiterhin wenige Stunden im Labor zu unterrichten, um den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern nicht zu verlieren. Georg Krall, ein anerkannter Netzwerktechniker und langjähriger Lehrer, wird vorerst die Leitung der Abteilung übernehmen.

Wie werden Sie Ihre Tätigkeit als Direktor anlegen?

Sauerzopf: Als Abteilungsvorstand gab es bei mir immer Tage der offenen Tür. Ich will auch als Direktor ein offenes Ohr für alle Anliegen haben. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt die Türe nicht ständig geöffnet lassen kann, sondern Termine vergeben muss. Ich werde natürlich auch nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen treffen. Wenn nichts geht, muss ja einer sagen, wie’s funktioniert.

Welche Aufgaben kommen in nächster Zukunft auf Sie zu?

Sauerzopf: Grundsätzlich ist es so, dass am Areal immer etwas zu tun ist. Hört eine Baustelle auf, startet die nächste. Die nächste Herausforderung ist aber sicherlich der Neubau des Schülerheimes. Dadurch wird dann das ,Mädchenheim‘ zur Gänze frei. Das sehe ich als Chance, in diesem Gebäude den in Kooperation mit der FH Wiener Neustadt geführten Robotik-Fachhochschullehrgang noch prominenter bei uns zu konzentrieren.

Insgesamt haben sich fünf Lehrerinnen und Lehrer aus dem Haus für den Direktor-Posten beworben. Wie ist Ihr Verhältnis zu diesen Pädagoginnen und Pädagogen?

Sauerzopf: Nach wie vor sehr gut. Sie haben durch ihre Bewerbung gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen wollen. Deshalb werde ich nicht anstehen, sie in diverse Projekte einzubinden.