Wiener Neudorfer Arzt fordert Masken. Der praktische Arzt Alireza Nouri macht auf die prekäre Lage der Mediziner und von ihrem Personal aufmerksam.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 01. April 2020 (05:41)
Der in Wiener Neudorf praktizierende Allgemeinmediziner Alireza Nouri.
privat

Zehn Schutzmasken hat Alireza Nouri am Montagvormittag bekommen, damit soll er „mich, eine weitere Ärztin, die bei mir arbeitet und die Assistentinnen versorgen. Wenn ich alle Vorgaben penibel genau einhalte, dann komme ich mit zehn Masken gerade einmal eineinhalb Tage durch“, sagt Nouri.

Der Allgemeinmediziner, der seit der heurigen Gemeinderatswahl auch für die ÖVP im Gemeinderat sitzt, hält die Situation, was die Versorgung mit Schutzmasken und Schutzausrüstung betrifft, für „eine Zumutung für Ärzte. Wie sollen wir arbeiten und sowohl uns als auch die Patienten schützen, wenn wir keine Schutzbekleidung haben?“

Denn es mangelt komplett an Schutzanzügen, Kopfbedeckungen und Handschuhen. Warum keine Masken auf herkömmlichen Wegen zu bekommen sind, liege wohl daran, „dass Österreich selbst keine Masken produziert und auf dem Weltmarkt wohl eine untergeordnete Rolle spielt. Österreich müsste mehr Druck machen, um rascher Masken und Schutzausrüstung zu bekommen“, findet Nouri. Der Arzt hat nach Vorbild von Bezirksärztesprecher Peter Fuhrich ein Zelt vor seiner Ordination aufgestellt, „um Menschen, die Husten haben oder ähnliche Symptome zeigen, dort behandeln zu können“. Denn das Schlimmste, was einem Arzt passieren kann, ist, dass seine Praxis durch einen Verdachtsfall geschlossen werden muss.

„Das gefährdet aber das ganze Gesundheitssystem“, warnt Nouri. Und ihm ist auch bewusst, dass es nicht möglich ist, vor jeder Arztpraxis ein Zelt aufzustellen.

Was den Mediziner weiter stört, ist, dass aufgrund der aktuellen Datenschutzbestimmungen die praktischen Ärzte vor Ort nicht wissen, wer positiv in ihrer Gemeinde auf Corona getestet wurde und wer nicht. „Wir Ärzte unterliegen sowieso der Schweigepflicht. Aber zu wissen, wer an Corona erkrankt ist, würde uns sehr helfen, korrekt und vorausschauend mit Personen umzugehen, die im Nahbereich des Erkrankten leben.“

Und auch, dass die praktischen Ärzte nicht mehr selbst entscheiden dürfen, welcher Patient auf Corona getestet werden soll, ist Nouri ein Dorn im Auge. „Es gibt Patienten, die zeigen nicht diese Symptome, wie sie bei der Hotline 1450 gefragt werden. Auch macht die Frage ‚Waren Sie in den letzten 14 Tagen im Ausland‘ in der jetzigen Situation keinen Sinn mehr. Aber 1450 meldet die Verdachtsfälle der Bezirkshauptmannschaft, der Amtsarzt entscheidet offenbar, wer getestet wird und wer nicht.“ Dabei würden die praktischen Ärzte ihre Patienten besser kennen, als eine Person am Telefon, die diese nicht einmal sieht. Offensichtlich fehle es auch an Tests, ein weiterer Punkt, der für Nouri nicht akzeptabel ist.

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