Panikattacke am Amt: Niemand rief Rettung. Bei kontrollärtzlichem Termin eskalierte Lage zwischen Patientin und Ärztin. Erstere erhebt schwere Vorwürfe.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 16. August 2019 (04:46)
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Symbolbild

Die Maria Enzersdorferin Conchita Fahrner wurde von einer Fachärztin am 3. Juli 2019 krankgeschrieben. Die Ärztin diagnostizierte unter anderem ein posttraumatisches Belastungssyndrom, Angstzustände, Panikattacken und Depressionen.

Am 24. Juli wurde Fahrner von der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse in Mödling zu einem kontollärztlichen Termin bezüglich Verlängerung/Nichtverlängerung des Krankenstandes eingeladen. Ein Kontrolltermin bei der Fachärztin war im August vereinbart, weil sich bis dahin zeigen sollte, ob die neue Therapie greife oder nicht.

Fahrner von Anfang an nicht ernst genommen

Fahrner erinnert sich: „In dem Raum auf der Gebietskrankenkasse war eine Ärztin anwesend, ihr gegenüber saß ein Mann, der während des gesamten Termins kein Wort sagte. Die Ärztin erklärte mir, dass ich ja keine wirkliche Erkrankung habe, nur halt psychisch, und daher ein Krankenstand eigentlich nicht nötig sei. Ich legte ihr die neuen Befunde vor und sagte ihr, es gäbe eine neue Diagnose.

Ihre Antwort hätte gelautet, es sei egal was da stehe, ob depressiv oder sonst was - es wäre eh alles das Gleiche‘. Die Ärztin hätte betont wiederholt, dass man wegen so etwas nicht krankgeschrieben werden müsse, und sie kenne mich ja schon vom letzten Mal, ich solle nicht so simulieren.

Das Gespräch begann zu eskalieren, Fahrner ging es dabei immer schlechter, sie begann, eine Panikattacke zu fürchten, die Kontrollärztin maß ihren Blutdruck und meinte, der Wert sei zu vernachlässigen und forderte sie immer wieder auf, mit dem Theaterspielen aufzuhören. Fahrner ging es dabei immer schlechter, doch die Ärztin hätte sich auch geweigert, auf Bitte Fahrners die Rettung zu rufen.

"Dies bedeutet, dass unsere Kontrollärztinnen und Kontrollärzte keine kurativ tätigen Ärzte und somit nicht befugt sind, Medikamente zu verabreichen oder sonstige Behandlungen durchzuführen.“ Ombudsstelle NÖGKK

Fahrner schaffte es mit ihrem Mobiltelefon schließlich selbst, einen Bekannten anzurufen und bat diesen, ein Rettungsteam zur Gebietskrankenkasse zu schicken. Während des Telefonats hätte die Ärztin immer wieder gesagt, dass sie keine ärztliche Hilfe benötige und das sowieso niemand kommen würde, um ihr zu helfen. Auch der immer noch im Zimmer befindliche Mann hätte keinen Finger gerührt.

Fahrner erinnert sich: „Als die Rettung kam, stürmte sie den Einsatzkräften entgegen und betonte mehrmals, es sei nichts, ich würde nur simulieren. Die Sanitäter kümmerten sich dann um mich, die ersten Werte: 210 zu 140 Blutdruck, starke Hyperventilation, sofortige Fahrt ins Krankenhaus Mödling nötig.“ Im Krankenhaus wurden die notwendigen Schritte um Fahrner zu helfen rasch, liebenswürdig und professionell gesetzt.

Ombudsstelle weist die Vorwürfe zurück

Nach diesem Vorfall wandte sich Fahrner an die Ombudsstelle der NÖGKK. Sie erhielt ein Schreiben, in dem zwar bedauert wurde, dass der Kontakt mit der kontrollärztlichen Dienststelle in Mödling negativ verlaufen sei.

Den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung durch die Kontrollärztin weist die Ombudsstelle aber von sich, das Schreiben liegt der NÖN vor, der dementsprechende Passus darin lautet: „Zu Ihren Vorwürfen gegen unsere Kontrollärztin möchten wir festhalten, dass unsere Ärzte im Rahmen einer kontrollärztlichen Begutachtung ausschließlich als Gutachter handeln dürfen. Dies bedeutet, dass unsere Kontrollärztinnen und Kontrollärzte keine kurativ tätigen Ärzte und somit nicht befugt sind, Medikamente zu verabreichen oder sonstige Behandlungen durchzuführen.

Dennoch hat die Kontrollärztin Ihre Situation erkannt und ist Ihrer ärztlichen Verpflichtung zur Hilfeleistung nachgekommen – sie hat versucht, Sie zu beruhigen, hat Ihren Blutdruck gemessen, Ihnen ein Glas Wasser angeboten und es wurde Ihnen mehrmals empfohlen, Ihr Medikament gegen Panikattacken einzunehmen. Den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung weisen wir daher zurück.“

Die Maria Enzersdorferin will den Vorfall aber nicht auf sich beruhen lassen und hat bereits rechtliche Schritte eingeleitet.