St. Christophenerinnen "im Exil" berichten über Lage. Anita Hell schildert die Lage in Spanien, Viktoria Hell berichtet aus Schweden.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 31. März 2020 (09:27)

Beide Töchter von NÖN-Mitarbeiterin Christine Hell leben im Ausland. Anita Hell arbeitet als Lehrerin in Spanien, Viktoria Hell absolviert in Schweden ihre Masterausbildung in experimenteller und medizinischer Biowissenschaft.

„Ich schreibe momentan an meiner Masterarbeit. Aber das Leben hat jetzt eine etwas langsamere Taktung angenommen“, berichtet Viktoria Hell aus Linköping. Dort wohnt sie seit August 2019 in einem Studentenwohnheim.

„Es wird sehr streng gehandelt, es ist viel Polizei unterwegs.“ Anita Hell aus Pamplona

Die Gesetze betreffend Coronaausbruch seien in Schweden noch relativ lasch, berichtet Hell, Veranstaltungen über 500 Personen seien zwar untersagt, aber sonst könne alles normal durchgeführt werden. „Die Schweden sind aber vorsichtiger geworden, Restaurants, Bars und Pubs sind jetzt nur sehr spärlich besucht.“

Seit rund zwei Wochen ist die Universität geschlossen. „Homeoffice ist möglich und notwendig. Vorlesungen finden mit Zoom statt, und die praktische Laborarbeit wird in eine intensivere Literaturarbeit umgewandelt.“ Die Stimmung im Studentengebiet sei sehr relaxed, berichtet die Studentin, „man hört Kinder am Spielplatz spielen, die Geschäfte sind regulär geöffnet, mit fast vollständigem Produktsortiment.“

Rasch die Heimreise anzutreten war für die St. Christophenerin kein Thema gewesen. „Mein Lebensmittelpunkt befindet sich momentan in Schweden. Ich bin nur ganz kurz in Panik verfallen, als ich etwa zehn Mails, sowohl von meiner Uni aus Wien, als auch aus Linköping bekommen habe, die mir zur schnellen Heimreise geraten haben.“

Völlig anders ist die Situation in Spanien, wo Anita Hell lebt. Sie hat vor rund drei Jahren José Luis in Pamplona geheiratet. Beide arbeiten als Lehrer in ihrer Heimatstadt im Nordosten Spaniens. „Seit 13. März sind die Schulen geschlossen und es gibt nur mehr Fernunterricht“, berichtet die ehemalige St. Christophenerin. Binnen weniger Stunden musste auf Online-Unterricht umgestellt werden.

„Alle Unterlagen sind auf große Gruppen abgestimmt, plötzlich musste alles für Einzelunterricht passen, das war eine riesige Herausforderung“, berichtet die 32-Jährige. Es gab nur wenige Tage Toleranz, um Bücher und Materialien von der Schule zu holen. Und zu allen Erschwernissen kommt jetzt noch die Angst um die Arbeitsplätze dazu: Viele haben keine fixen Verträge und fürchten, die Arbeit komplett zu verlieren.

„Ein Pärchen ist zu zweit in Richtung Supermarkt gegangen. Beide wurden mit jeweils 600 Euro bestraft"

Am 14. März wurde eine Ausgangssperre, die „Cuarantena“ verhängt. Menschen dürfen nur mehr einzeln auf die Straße, um kurz einzukaufen, oder um – in Ausnahmefällen – zur Arbeit zu kommen. Im Auto darf nur eine Person sein und auch das Spazierengehen ist verboten. Die Strafen sind sehr hoch: „Ein Pärchen ist zu zweit in Richtung Supermarkt gegangen. Beide wurden mit jeweils 600 Euro bestraft. Sind in einem Auto mehrere Insassen, zahlt man 1.500 Euro Strafe. Es wird sehr streng gehandelt, es ist viel Polizei unterwegs“, schildert Anita Hell. Das Militär arbeite an der Desinfektion von Straßen, öffentlichen Plätzen und in Altersheimen. „Mit dem Zuhausebleiben tun sich die Spanier schwer, das Leben spielt sich vorwiegend auf der Straße, auf Plätzen und in Cafés ab,“ weiß Anita Hell.

Schnell nach Österreich zu fliegen war auch für sie nie eine Option: „Mein Lebensmittelpunkt und meine Arbeit sind hier, ich bin ja auch hier gemeldet und versichert“, sagt sie, und: „Die Flughäfen waren ohnehin sehr rasch geschlossen.“

„Mein Lebensmittelpunkt und meine Arbeit sind hier, ich bin ja auch hier gemeldet und versichert“

Jeden Tag um 20 Uhr wird in Spanien bei offenem Fenster dem Krankenhauspersonal applaudiert. „Da machen wir natürlich auch mit“, berichtet die 32-Jährige. Viele Kinder seien jetzt eifrig beim Malen von Regenbogen, die dann ans Fenster gehängt werden, nach dem Motto: „¡Todo saldrá bien!“, also „Alles wird gut!“