Friedrich Schipper: Schutz von Kulturgütern als Mission. Der Eichgrabener Friedrich Schipper rettet mit Karl von Habsburg Kulturgüter und ist in vielen Ländern unterwegs.

Von Andrea Stoiser. Erstellt am 09. Oktober 2019 (03:24)
Stoiser
Archäologe Friedrich Schipper mit Karl Habsburg beim Treffen in Wien.

 Ihre Freundschaft begann vor 20 Jahren, als der Kaiserenkel Karl von Habsburg und der Eichgrabener Archäologe Friedrich Schipper das erste Mal aufeinandertrafen. Der junge Archäologe kam gerade von einer Forschungsreise aus dem Irak zurück, Habsburg diente als Kulturgüterschutzoffizier beim Bundesheer. Sie plauderten über berufliche Erfahrungen und entdeckten viele gemeinsame Interessen. Beiden ist der Schutz von Kulturgütern ein Anliegen.

„Kulturgüterschutz wird international immer wichtiger, und zwar jeden Tag.“ Karl von Habsburg

Der Sohn des letzten Kronprinzen von Österreich-Ungarn wusste sofort die Erfahrungen des Eichgrabeners zu schätzen. Gemeinsam setzen sie sich auf internationaler Ebene für die Rettung von Kulturgütern ein. 2008 wurde daraus resultierend das Österreichische Nationalkomitee Blue Shield gegründet. Das blaue Schild schützt bedrohte Kulturgüter, die die kulturelle Identität einer Gesellschaft bilden.

Karl von Habsburg schätzt die Zusammenarbeit mit Eichgrabener sehr: „Ich arbeite mit Doktor Schipper schon viele Jahre zusammen, weil ich weiß, dass er sich für dieses Thema unglaublich interessiert und auch seine ganze akademische Ausbildung in diesem Bereich hat. Österreich hat eine große Expertise, was international leider viel zu wenig bekannt ist.“ Fritz Schipper habe extrem mitgeholfen, dass Österreich heute eine führende Rolle im Rahmen des internationalen Kulturgüterschutzes auf ziviler und militärischer Ebene spiele. „Friedrich Schipper unterstützt mich ungemein in verschiedenen Ländern, wo wir neue Blue-Shield-Komitees gründen und Trainingsseminare für zivile und militärische Experten machen. Er ist ein wesentlicher Eckpfeiler der ganzen Tätigkeit von Blue Shield“, streut Habsburg dem Eichgrabener Rosen.

Als Generalsekretär von Blue Shield Österreich ist Schipper aktiv bei allen Einsätzen dabei – meist an der Seite von Karl von Habsburg. Mittlerweile ist Schipper beim Bundesheer als Experte für Kulturgüterschutz beordert und dient als Referent für Kulturgüterschutz bei der Vereinigung der Österreichischen Peacekeeper, also dem österreichischen Verein der UN-Blauhelm-Soldaten.

Österreichisches Modell anerkannt

Karl von Habsburg erklärt, dass man in Österreich im Bereich des militärischen Kulturgüterschutzes ein Konzept hat, das seit Jahrzehnten betrieben wird und international als das „österreichische Modell“ bekannt ist. „Nur bei uns weiß das so gut wie keiner. Wenn heute jemand zur UNESCO geht und fragt, wie gestalte ich Kulturgüterschutz bei mir, verweisen sie auf das österreichische Modell – geht‘s und redet‘s mit den Österreichern, denn die wissen, wie man das macht“, erzählt Habsburg. Er weiß auch, dass es in Österreich eine ganze Reihe ausgezeichneter Reserveoffiziere gibt, die in dem Bereich tätig sind. „Durch die Tatsache, dass ich Präsident von Blue Shield International geworden bin, habe ich sehr viele von den österreichischen Fachleuten mitnehmen können, die im internationalen Rahmen tätig sind und uns unterstützen.“ Die Österreicher hätten ein fantastisches Konzept, das man noch viel besser international vermarkten könne, meint Habsburg. Das Thema werde international immer wichtiger: „Und zwar jeden Tag.“

Habsburg berichtet, dass die Zerstörung von Kulturgütern immer mehr zunimmt, insbesondere durch die Art der Kriegsführung in den letzten Jahrzehnten, die asymmetrische Kriegsführung im Rahmen von inter-ethnischen, inter-religiösen und inter-kulturellen Konflikten, die teils mit Terrororganisationen und nicht-regulären Einheiten ausgetragen werden. „Ganz egal, ob wir in den Irak oder nach Syrien schauen, Konflikte werden heute gestaltet. Den klassischen Konflikt Armee gegen Armee gibt es kaum mehr, und wenn, dann ist das Hauptopfer nicht die Armee, sondern die Kultur des Gegners. Ihre Identität! Im Kampf gegen die Identität ist die Zerstörung von Kulturgut das typische Ziel, das Bestand der Zerstörung wird. Deswegen wird die Tätigkeit von Blue Shield immer wichtiger, um diese Kulturgüter entsprechend zu schützen.“

Sowohl Karl von Habsburg, als auch Friedrich Schipper haben Kinder. Die Familien tragen den Einsatz der beiden, der sie oft in gefährliche Gebiete führt, mit. „Meine Kinder kommen zum Teil auch mit mir. Es ist wichtig, dass sie auch das kennenlernen“, meint Habsburg, der auch als Landwirt und Medienunternehmer tätig ist.

Zu Niederösterreich hat er einen besonderen Bezug: „Ich bin immer gerne in Niederösterreich, vor allem in Türnitz, weil da ja meine Großmutter mütterlicherseits ihre Heimstätte hatte. Momentan, wenn ich in Wien zu tun habe, wohne ich in der Nähe von Schwechat, weil ich lieber am Land zu Hause bin, als in der Stadt.“ Heuer im Frühsommer leiteten der Kulturgüterschutz-Offizier Karl von Habsburg und „sein“ Archäologe Friedrich Schipper mit einem Frontbesuch im Camp der Österreicher im libanesischen UN-Hauptquartier in Naqoura und einem Kulturgüterschutz-Training die erste internationale Zusammenarbeit von UN-Militärs und Blue Shield ein. „Wir wollen zeigen, dass Kulturgüterschutz auch den Frieden sichert“, sagt Friedrich Schipper zum Einsatz, der kommendes Jahr eine Fortsetzung finden wird.