Bluttat in Neulengbach: Frau tot, Mann festgenommen. Eine 64-Jährige ist am Donnerstag in Neulengbach (Bezirk St. Pölten-Land) tot aufgefunden worden. Ihr Lebensgefährte wurde festgenommen. Er konnte auch am Freitag vorerst noch nicht befragt werden.

Von Beate Riedl, Renate Hinterndorfer und APA . Update am 23. April 2021 (10:51)

Der 65-Jährige steht unter Verdacht, die Frau vermutlich bereits am Mittwoch in der gemeinsamen Mietwohnung "durch Schläge mit einem Fäustel auf ihren Kopf und durch Messerstiche und Schnittverletzungen im Halsbereich" getötet zu haben, teilte die Polizei mit.

Der Mann soll sich selbst verletzt haben, er wurde operiert und befand sich am Freitag weiter im Spital. Wann der Verdächtige befragt werden kann, war laut Exekutive vorerst nicht absehbar; aufgrund seines Gesundheitszustandes war eine Einvernahme vorerst nicht möglich.

"Der Mann hat bei seiner Festnahme gesagt, dass er für den Tod der Frau verantwortlich ist", sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager. Der Ablauf stand vorerst nicht fest. "Dazu muss er erst befragt werden", erklärte der Sprecher. Auch das Motiv soll durch die Einvernahme geklärt werden. Das Landeskriminalamt Niederösterreich führt die Ermittlungen.

Bewachung durch Polizeikräfte im Spital

Die Ermittlungen wurden vom Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Leib/Leben, übernommen. Die Tatortgruppe war mit der Spurensicherung beschäftigt. Der Mann soll sich selbst Verletzungen am Kopf, am Hals, an Unterarmen und Beinen zugefügt haben, teilte die Exekutive weiter mit.

Die Festnahme erfolgte laut Baumschlager am Donnerstag kurz vor 18.00 Uhr. Aufgrund seiner Verletzungen wurde der 65-Jährige von der Rettung in das Universitätsklinikum St. Pölten gebracht, wo er operiert werden sollte. Eine Bewachung durch Polizeikräfte im Krankenhaus wurde veranlasst.

Die Frau soll nach Polizeiangaben am Mittwoch durch Schläge mit einem Hammer auf ihren Kopf und durch Messerstiche und Schnittverletzungen im Halsbereich getötet worden sein. Ein genauer Tatzeitpunkt war vorerst nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hat die Obduktion des Opfers angeordnet, wurde in einer Aussendung der Exekutive mitgeteilt.

Bürgermeister Franz Wohlmuth zeigt sich entsetzt: „Wenn so etwas in unmittelbarer Umgebung vorkommt, ist das nicht ohne. Es ist ein paar Jahre her, dass es in Neulengbach einen Fall dieser Dimension gab.“

Bestürzt über den bereits "achten Femizid im Jahr 2021" zeigt sich auch die Neulengbacher SPÖ-Fraktionssprecherin Julia Amplatz: "Es macht mich betroffen, wütend und fassungslos, dass diese Mordfälle nicht verhindert werden können. Es braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden, um zukünftig solche Fälle zu verhindern."

Sie fordert einen Ausbau der Gewaltschutz- und Frauenberatungseinrichtungen in ganz Österreich, ein Soforthilfepaket, einen nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, mehr Mittel für Prävention und auch niederschwellige Beratungsangebote vor Ort: "Auch in Neulengbach muss man nun Schritte setzen, obwohl es für diese Frau leider zu spät kommt."

Mord ist Stadtgespräch Nummer 1

Um das Wohnhaus in der Weinbergstraße ist es nach einer aufregenden Nacht ruhig geworden, die Tatortarbeit nach dem Mord an einer Frau (64) ist bereits abgeschlossen. Der Mord an der Neulengbacherin am Mittwoch, der tags darauf entdeckt wurde, ist derzeit Stadtgespräch Nummer eins.

Nachbarn aus der Umgebung kannten den mutmaßlichen Täter vom Sehen. Er und seine Partnerin dürften vor wenigen Jahren gemeinsam nach Neulengbach in die Wohnung gezogen sein. Des öfteren wurde mit Nachbarn geplaudert, als er und seine Partnerin spazieren waren.

Das dürfte er alleine und auch mit ihr oft gemacht haben. „Wenn er stehen geblieben ist, hat er nicht mehr aufgehört zu reden“, erzählt ein Nachbar. „Ich habe Abstand von ihm gehalten, irgendwie hatte ich Angst, er dürfte psychisch krank gewesen sein“, heißt es von einem anderen.