Kirchstetten und Totzenbach: Fusion vor 50 Jahren. 1971 wurde aus Kirchstetten und Totzenbach eine Großgemeinde. Die Verhandlungen waren intensiv.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 14. April 2021 (04:21)
Am 7. Oktober 1972 überreichte Landeshauptmann Andreas Maurer das Gemeindewappen an Josef Enzinger, den ersten Bürgermeister der Großgemeinde Kirchstetten. 
Gemeinde Krichstetten

50 Jahre ist es her, dass aus den Gemeinden Kirchstetten und Totzenbach die Großgemeinde Kirchstetten wurde.

„Die Verhandlungen waren schwierig“, erinnert sich Josef Enzinger. Er wurde 1971 erster Bürgermeister der Großgemeinde, davor - ab 1965 - war er Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Kirchstetten. Auch nach der Zusammenlegung sei das Verhältnis zwischen den beiden Orten immer ein bisschen schwierig gewesen: „Aber ich glaube, dass die jetzige Generation vernünftiger ist und besser zusammenarbeitet“, sagt der Alt-Bürgermeister im NÖN-Telefonat.

„Die Verhandlungen waren schwierig“

Der jetzige Bürgermeister Josef Friedl, Sohn des damaligen Totzenbacher Bürgermeisters, war zehn Jahre alt, als es zur Fusionierung kam. Auch er weiß, dass das kein einfaches Unterfangen war: „Es hat ziemlich intensive Besprechungen gegeben.“ Angedacht war zunächst die Zusammenlegung von Kirchstetten, Ollersbach und Totzenbach. „Mein Vater hat wenig erzählt, aber ich kann mich erinnern, dass er sich geärgert hat, dass sich die drei kleinen Gemeinden nicht einigen konnten und Ollersbach abgesprungen ist.“

In den 1960er-Jahren begannen in Niederösterreich Bemühungen, die Zahl der vielen Kleingemeinden zu reduzieren. Mit Widerstand war zu rechnen.

Bis 1970 hatte auch Kirchstetten einen eigenständigen Gemeinderat. Bürgermeister war Josef Enzinger (vorne Mitte).
Projekt ZeitZeigen

Wie René Chahrour in seinen Recherchen für ein „ZeitZeigen“-Projekt vor zehn Jahren herausfand, dürften die Gemeinderäte von Kirchstetten und Totzenbach erstmals 1967 mit einer offiziellen Anregung zu einer freiwilligen Zusammenlegung von Seiten des Landes konfrontiert worden sein. Während viele andere Gemeinden im Land freiwillig zusammengingen, blieb in Kirchstetten zunächst alles beim Alten. Als ein neues Raumordnungsgesetz kam, das auch Zwangsmaßnahmen möglich machte, kam wieder Bewegung in die Sache. Auch wenn es in Totzenbach große Bedenken gab, weil man den Verlust des Dorfnamens und des Gemeindeamts fürchtete und unklar war, wie es mit der Schule weitergeht, kam es schließlich zu einer Einigung.

Gemeinderäte stimmten ab

Der Gemeinderat Totzenbach stimmte 1970 mit 11:3 Stimmen einer Zusammenlegung mit „einer oder mehreren angrenzenden Gemeinden“ zu. In Kirchstetten wurde einstimmig der Grundsatzbeschluss für eine Fusionierung gefasst. „Liest man aufmerksam die Protokolle dieser Sitzungen, fällt der nüchterne, unpathetische Tonfall auf, mit dem die Besprechungen und Abstimmungen geführt wurden, ging es doch um eine so weit reichende Entscheidung“, so René Chahrour. Die Vereinigung von Kirchstetten und Totzenbach trat mit 1. Jänner 1971 in Kraft. Die Ollersbacher entschieden sich für eine Zusammenlegung mit Neulengbach.

Der Totzenbacher Gemeinderat im Jahr 1970: Johann Wecer, Gottfried Sehnal, Josef Friedl, Leopold Wanderer, Josef Furtner, Johann Brunner (1. Reihe v.l.), Leopold Sattler, Johann Klinz, Josef Tiefenbacher, Josef Ströbel, Anton Böswarth, Franz Peter Gruber, Franz Hofbauer
Projekt ZeitZeigen

Die erste gemeinsame Sitzung von Funktionären aus Kirchstetten und Totzenbach fand im Amtshaus in Totzenbach statt. Geleitet wurde sie von Josef Enzinger. Josef Friedl wurde von den Beiräten zum Ortsvorsteher von Totzenbach gewählt. Bei der ersten Gemeinderatswahl am 28. März 1971 entfielen 596 Stimmen auf die ÖVP und 254 Stimmen auf die SPÖ. Am 17. April wurde Josef Enzinger zum ersten Bürgermeister der Großgemeinde gewählt.