Irmgard Schibich: „Muss jetzt greifbar sein“. Neustift-Innermanzing: Bürgermeisterin Irmgard Schibich über die bisherige Coronazeit, laufende Projekte, das Klima in der Politik und wieso sie im Sommer nicht ins Ausland verreist.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 29. Juli 2021 (03:02)
Irmgard Schibich
Im neuen Zubau des Gemeindeamtes blickte Bürgermeisterin Irmgard Schibich auf die bisherige Coronazeit zurück.
Veraszto

Im neuen Zubau des Gemeindeamtes traf die NÖN ÖVP-Bürgermeisterin Irmgard Schibich zum Sommergespräch.

NÖN: Eineinhalb Jahre Corona. Wie war diese Zeit für Sie als Bürgermeisterin?
Irmgard Schibich: Es war einiges zu tun. Gerade in der ersten Zeit gab es viele schlaflose Nächte. Ich habe viel gegrübelt. Was ist, wenn Neustift-Innermanzing abgeriegelt wird? Haben wir genug Lebensmittel? Haben wir eine ausreichende medizinische Versorgung? Ich hatte zu Hause zwei Kinder, die mit Homeschooling oder mit anderen neuen Situationen konfrontiert waren und auch viele Fragen hatten. Das war schon sehr fordernd. Aber im Großen und Ganzen waren die Menschen in Neustift-Innermanzing sehr diszipliniert.

Sie sind 2018 Ortschefin geworden. Hätten Sie sich gedacht, dass Sie gleich eine solche Herausforderung bewältigen müssen?
Nein, ich habe im Jänner des Vorjahres nicht gedacht, dass es so ein Ausmaß annehmen wird. Es ist jetzt Teil unseres Lebens und wir müssen einen Weg finden, mit dieser Krankheit umzugehen.

Was könnte Sie als Bürgermeisterin nach Corona noch fordern?
Was sicher fordernd wäre, sind Unwetter- und Flutkatastrophen oder ein Großbrand, wo viele Menschen zu Schaden kommen. Das hatte ich bis jetzt noch nicht.

Wie entspannt erleben Sie den heurigen Sommer?
Wir wollen im August mit den Kindern wegfahren, aber wir bleiben in Österreich. Eine Reise ins Ausland wäre für mich nicht infrage gekommen. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt greifbar und da sein muss, weil man nicht weiß, wie sich alles entwickelt. Aber Österreich ist auch wunderschön.

Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt greifbar und da sein muss, weil man nicht weiß, wie sich alles entwickelt

Corona hat die Gemeindebudgets belastet. Neustift-Innermanzing war aber beim Bonitätsranking das fünfte Jahr unter den Top 250 Gemeinden in Österreich. Wie geht es der Gemeinde finanziell?
Ich muss ehrlich sagen, wir sind bisher mit einem blauen Auge davon gekommen. Das Land hat uns Zuschüsse gegeben und weil auch der Großteil unserer Firmen weitergearbeitet hat, war auch der Ausfall der Kommunalsteuer bis jetzt überschaubar. Mit der Klima- und Energieförderung überlegen wir einen Heizungsaustausch in der Volksschule. Dass wir fünf Jahre unter den Top 250 sind, freut uns sehr. Vorher waren wir lange nicht dabei, weil wir viele Infrastrukturprojekte durchgeführt haben. Diese sind abgeschlossen, darum hoffen wir, dass wir weiterhin dabei bleiben.

Zur Unterstützung der Bevölkerung und der Wirtschaft wurde der „Manzinger 20er“ ins Leben gerufen. Wie gut ist die Aktion gelaufen?
Am Anfang war es schwierig. Immer wenn wir eine Zeitspanne im Gemeinderat beschlossen haben, war kurz darauf ein Lockdown. Zweimal haben wir die Aktion verlängert. Sie wurde angenommen, aber nicht von so vielen, wie wir es am Anfang gedacht hätten. Es war der erste Versuch, wir haben es uns gemeinsam überlegt, alle Parteien zusammen, und wir sind zufrieden. Es waren viele, die im Lebensmittelhandel eingekauft oder sich von der Gastronomie etwas abgeholt haben. Aber es sind dann doch auch Rechnungen vom Friseur oder anderen Sparten gekommen. Insgesamt wurde die Aktion von circa 100 Haushalten genutzt, also rund 2.000 Euro, die die Gemeinde refundiert hat.

Der „Manzinger 20er“ war ein gemeinsames Projekt. Wie läuft sonst die Zusammenarbeit mit der Opposition?
Ich finde, dass die Kommunikation mehr und besser geworden ist. Wir haben auch für das Projekt ,Gemeindeamt’ eine Arbeitsgruppe. Da treffen wir uns in regelmäßigen Abständen zu Baubesprechungen und von jeder Partei sind Vertreter dabei. Auch bei der Kindergarten-Gruppe haben wir gemeinsam getagt.

Zuletzt gab es einen Grundsatzbeschluss im Gemeinderat, dass für die vierte Kindergarten-Gruppe ein Zubau erfolgen soll. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Wir haben einen Entwurf gehabt, den wir beim Land eingereicht haben. Dieser wurde aber abgelehnt, weil es doch zu teuer ist und die Gegebenheiten nicht optimal waren. Jetzt müssen wir uns über den Sommer überlegen, wie es weitergeht. Da gibt es aber noch keine Entscheidung.

Wie sieht es mit dem Gewerbegebiet aus?
Im Betriebsgebiet ist jetzt ein Fitnesscenter im Entstehen, das im Herbst eröffnen möchte. Ansonsten sind die Flächen, die es gibt, alle verkauft. Ein Grundstück ist noch nicht bebaut, aber wir haben keinen Leerstand.

Wie läuft die Sanierung des Gemeindeamtes?
Wir sind im Zeitplan. Mit Jahreswechsel werden wir übersiedeln. Die Fenster sind drinnen, die Stiegen sind fertig, am neuen Eingangsbereich wird noch gearbeitet und das Dach wird im August beziehungsweise im September saniert.

Wird man bei den geplanten Gesamtkosten bleiben?
Im Voranschlag 2020 und 2021 sind je 700.000 Euro budgetiert worden, also insgesamt 1,4 Millionen Euro. Beim Zubau sind wir im Kostenrahmen geblieben. 2020 wurden 601.000 Euro investiert. Die beschlossenen Mehrkosten für die Sanierung des Altgebäudes belaufen sich auf 95.000 Euro.

Wir bereiten uns auf den nächsten Lockdown vor. Ich befürchte, dass viele eine Auffrischungsimpfung brauchen werden

Welche Erwartungen haben Sie für den Herbst?
Wir bereiten uns auf den nächsten Lockdown vor. Ich befürchte, dass viele eine Auffrischungsimpfung brauchen werden. Wir bieten die Aktivierung der Handy-Signatur an, mit dieser kann man den ,Grünen Pass´ abrufen und ich denke, dieser Service wird weiterhin gut genutzt werden. Wie es im Kindergarten und in der Schule weitergeht, wissen wir nicht. Aber wir statten die Volksschulen mit Internet aus, da rüsten wir nach.