Puchbergs Vize-Ortschef Dungl: „Bin der zweite Kapitän“. Der neue Puchberger Vizebürgermeister Christian Dungl (SPÖ) über Rochaden vor der Gemeinderatswahl, die Angst vor dem Verlust der „Absoluten“ und seine Zukunft.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 29. Februar 2020 (04:42)
Zu Gast in der Neunkirchner NÖN-Redaktion: Puchbergs Vizebürgermeister Christian Dungl, SPÖ
Tanja Barta

Vor wenigen Tagen wählten 19 von 21 Mandataren Christian Dungl (SPÖ) zum neuen Vizebürgermeister. Er folgte damit auf Petra Gutleben.

NÖN: Kam die Möglichkeit, Vizebürgermeister zu werden, für Sie überraschend oder hat sich das abgezeichnet?

Christian Dungl: Das kam eher überraschend.

Also durch das kurzfristige Ausscheiden Ihrer Amtsvorgängerin Petra Gutleben (sie kandidierte nicht erneut für die SPÖ, Anm.)?

Genau.

Mussten Sie lange überlegen?

Ja, schon – ich bin berufstätig, ich habe einen tollen Job, den ich ernst nehme. Und ein wenig einen Bammel hatte ich schon vor der großen Verantwortung, die man hat. Aber ich traue es mir zu – ich bin seit 30 Jahren Gemeinderat, seit 15 Jahren geschäftsführend.

„Ich war mir nicht sicher, ob wir nicht ein Mandat verlieren“

Wie ist die Stimmung in der Fraktion und in der Partei?

Gut. Es gab natürlich schon Unsicherheiten, als Petra Gutleben bekannt gegeben hat, nicht mehr zu kandidieren. Aber wir haben uns auf den Wahlkampf im neuen Team sehr gut vorbereitet. Als Klubobmann bin ich sehr zufrieden.

Es gab sehr viele Gerüchte zur Lage innerhalb der SPÖ in den letzten Monaten – offen gesagt: Wie groß waren die internen Unstimmigkeiten tatsächlich, gab es die überhaupt? Schließlich haben ja mehrere Mandatare aufgehört.

Die SPÖ war nicht zerrissen – aber es stimmt schon, dass es manch‘ Diskussion gab. In Abstimmung mit dem Bürgermeister haben wir entschieden, mit einem neuen Team in die Wahl zu gehen.

Aber alle, die ausgeschieden sind, haben das freiwillig getan? Es wurde niemand dazu gedrängt?

Alle haben das freiwillig entschieden.

Die Ausgangslage war sehr knapp – wie groß war bei Ihnen die Angst, die „Absolute“ zu verlieren?

Schon groß. Ich war mir nicht sicher, ob wir nicht ein Mandat verlieren. Wir haben in der SPÖ das Problem, dass wir wenig Zugang zu den Jungen haben. Wenn die 15-Jährigen den Mopedführerschein machen, habe ich einen Zugang zu ihnen – aber sobald sie den Ausweis haben, bin ich vergessen. Die ÖVP tut sich da sicher leichter. Was ich nicht gedacht hätte: Dass die FPÖ aus dem Gemeinderat fliegt.

Was, wenn die SPÖ die „Absolute“ verloren hätte? Was wäre dann gewesen?

Das kann ich nicht sagen, darüber haben wir nicht geredet. Fakt ist, dass mich der Bürgermeister sehr gut im Wahlkampf eingebunden hat – und ich das auch so sehe: Er ist der Kapitän des Schiffes, und ich bin der zweite Kapitän! Aber am Schluss kann es immer nur einen geben, der die Richtung vorgibt – und das ist er!

Das heißt, der Posten des Bürgermeisters ist für Sie kein Thema?

Ich habe keine Ambitionen auf die Nummer eins – ich bin 58 Jahre und werde nicht ewig in der Politik sein. Und vor Florian Diertl habe ich den allerhöchsten Respekt, er macht einen sehr guten Job!

Nach außen hin wirkt die Zusammenarbeit mit der ÖVP sehr harmonisch. Ist dem tatsächlich so oder trügt der Schein?

Das ist so. Natürlich gibt es gewisse Streitfragen, das Santolhaus etwa, da sind wir auf keinen grünen Zweig gekommen. Es gab Zeiten, da gab es Angriffe unter der Gürtellinie. Aber jetzt haben wir ein gutes Verhältnis. Mit dem Martin Hausmann (ÖVP-Gemeindeparteiobmann, Anm.) bin ich groß geworden, wir kennen uns seit Langem.

Wo wollen Sie sich thematisch einbringen?

Ich bin seit 25 Jahren für die Gemeindewohnungen zuständig – dabei bleibt es. Ebenso bleibe ich zuständig für den Katastrophenschutz und Zivilschutz. Fixe Ressortaufteilung haben wir keine, ich unterstütze den Bürgermeister, wo er mich braucht.

Wie würden Sie sich – ganz kurz – selbst beschreiben?

Ich versuche immer, 100 Prozent zu geben – ich bin ein Perfektionist. Ich habe Handschlagqualität – und ich glaube, ich bin recht umgänglich. Und ich bin sehr ungeduldig.