Arzt aus Grünbach appelliert an Entscheidungsträger. Arzt Christian Karner appelliert an die Entscheidungsträger, dass Ärzte über Corona-Infizierte in Kenntnis gesetzt werden sollen.

Von Philipp Grabner. Update am 08. April 2020 (11:11)
Arzt Christian Karner aus Grünbach am Schneeberg.
privat

In der Vorwoche beschloss der Nationalrat weitreichende Maßnahmen im Zuge der Coronakrise – unter anderem auch, wonach Bürgermeister künftig eine Information über mit Covid-19 infizierte Menschen erhalten sollen. Was Kritik der Ärztekammer nach sich zog – weil Ärzte davon auch in Zukunft ausgeschlossen sein sollen.

„Wir sind diejenigen, die nach wie vor im Dienst sind und auch Kontakt zu Menschen haben, die positiv getestet wurden“, meint Arzt Christian Karner aus Grünbach am Schneeberg, der die aktuelle Regelung ebenso kritisiert. Dass die Information, wer infiziert sei, nun zwar an die Bürgermeister, nach wie vor aber nicht an die Ärzte weitergegeben werde, sei nicht logisch, argumentiert er: „Der Bürgermeister kann mit dieser Information ja nur begrenzt etwas anfangen. Wir aber sind diejenigen, die die Menschen auch behandeln – und dafür Sorge zu tragen haben, dass der Fortbestand der Ordinationszeiten gewährleistet ist.“

Rückendeckung gibt es für Karner von „seinem“ Bürgermeister Peter Steinwender (SPÖ): „Unsere Ärzte machen gewissenhaft ihre Hausbesuche, haben dabei aber keine Chance, sich vor dem Virus zu schützen und ihnen wird versagt, dass sie informiert werden, wer positiv getestet worden ist und wer nicht“, übt Steinwender Kritik. Und bezeichnet dies in weiterer Folge als „absoluten Skandal“ und „grobes Versagen des Krisenmanagements“. Auch fehle es an „adäquater Schutzbekleidung“, so der Bürgermeister.
Der in der Vorwoche im Parlament gefasste Beschluss sieht vor, dass die Bezirksverwaltungsbehörde künftig dazu ermächtigt ist, dem Bürgermeister den Namen und etwaige Kontaktdaten einer von Covid-19 betroffenen Person mitzuteilen. „Eine Verarbeitung dieser Daten zu anderen Zwecken ist nicht zulässig“, heißt es im Gesetzestext – und: Der Ortschef habe „geeignete Datensicherheitsmaßnahmen“ zu ergreifen.

Aus dem Büro von SPÖ-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig heißt es auf NÖN-Anfrage, dass das Land die Regelung nicht beeinflussen könne, das liege im Entscheidungsbereich des Bundes. Man habe den Bundesminister in Videokonferenzen mit den Landesreferenten aber bereits auf die Thematik aufmerksam gemacht und ihn um eine Änderung ersucht.

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