Wenn große Schätze brennen. Schock nach dem Brand des Pariser Wahrzeichens. Wie sieht es in NÖ mit dem Schutz historischer Güter aus?

Von Gila Wohlmann und Eva Hinterer. Erstellt am 24. April 2019 (01:40)

Der verheerende Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame am 15. April erschüttert weltweit. Die französische Staatsanwaltschaft untersucht derzeit, ob Restaurationsarbeiten im Dachbereich das Feuer verursacht haben. Nach dem 13 Stunden andauernden Flammeninferno stellt sich die Frage, wie es um Brandschutz bei historischen Gebäuden in NÖ aussieht.

Wo liegen überhaupt die Risiken bei historischen Gebäuden? Franz Schneeflock, Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle NÖ, erinnert sich an Ermittlungen, die er nach dem Brand der Filialkirche Fuglau im Bezirk Horn geführt hat: „Damals wurde im Dachbereich mit einer Trennscheibe geschnitten. Die Holzverschalung hat sich entzündet. Der Kirchturm brannte und die Glocke stürzte ab.“ Feuer- und Heißarbeiten wie Schweißen, Löten, Flämmen oder Schneidearbeiten mit dem Winkelschleifer sind die Hauptgründe für Brände im Dachstuhlbereich.

Der Bundesfeuerwehrverband und die Brandverhütungsstelle haben daher eine technische Richtlinie für vorbeugenden Brandschutz (TRVB) herausgebracht. „Solche Arbeiten sind mit hohem Risiko verbunden. Neben Holz sind Isolierfolien und Dachpappe besonders brandgefährdet. Löschmittel müssen daher immer bereitstehen.“ Einen solchen Arbeitsbereich für eine Pause unbeaufsichtigt zu lassen, sei fahrlässig. Für Baustellen gebe es außerdem mobile Brandmeldeanlagen, sagt Schneeflock.

Ein hohes Brandrisiko in historischen Gebäuden bergen alte Elektroleitungen. Gerade im Dachstuhlbereich empfiehlt Schneeflock, diese „spannungsfrei zu machen und nur bei Bedarf einzuschalten“.

Für Schloss Hof, das größte der sechs Marchfeldschlösser, gibt es einen Brandschutzplan und eine enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Sechs Brandschutzbeauftragte haben laufend Trainings und eine jährliche Übung mit der Feuerwehr.

„Bei so einem großen Gebäude setzt man neben der Brandmeldeanlage, Wandhydranten und Handfeuerlöscher auch auf kleinere Brandabschnitte, wo beispielsweise ausreichend Brandschutztüren installiert sind“, erklärt Petra Reiner von der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., die Schloss Hof und das Jagdschloss Niederweiden betreut.

„Für Schloss Schönbrunn hat man in Reaktion auf den Hofburg-Brand ein ,Damage Limitation Team‘ installiert, das nach einem genauen Plan mobile Kunst- und Kulturgüter demontiert, verpackt und und aus der Gefahrenzone bringt“, merkt Reiner an. Für die Marchfeldschlösser gibt es das in der Form noch nicht, aber es findet ein reger Wissensaustausch zwischen den Standorten statt.

Das Stift Klosterneuburg verfügt über eine eigene Betriebsfeuerwehr. Zu regelmäßigen Übungen wird auch die Wiener Berufsfeuerwehr eingeladen, weil im Ernstfall auch Drehleitern aus Wien angefordert werden müssen. „Bei den gemeinsamen Übungen lernen die Wiener Kollegen nicht nur die Örtlichkeit, sondern auch die genaue Zufahrt und die exakten Aufstellungsflächen für deren Einsatzfahrzeuge kennen. So lässt sich im Ernstfall viel Zeit gewinnen“, erläutert Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando.

Verduner Altar mit Stiftwein gelöscht

Gebrannt hat es im Stift Klosterneuburg 1974 in einem Nebengebäude, dem „Holzgarten“. Und auch im Jahr 1330, als ein Großbrand in der Stadt auf die Stiftskirche übergriff. „Damals war bereits das Löschwasser aus und man schützte den Verduner Altar mit in Stiftwein getränkten Tüchern. Danach platzierte man ihn in der Leopoldskapelle – wo er noch heute steht“, erzählt Walter Hanzmann vom Stift.

Stift Melk hat zwischen 1297 und 2010 zehn Brände überstanden. 1805 tötete ein Feuer in der Nordbastei 300 russische Soldaten. Heute hat das Stift, das jährlich über eine halbe Million Touristen anlockt, einen eigenen Notfallplan für die Kulturgüter. So wird das berühmte Melker Kreuz im Notfall im Spezialkoffer abtransportiert. 230 Feuerlöscher und über 900 Brandmelder sind in der Anlage verteilt und direkt mit der Bezirksalarmzentrale verbunden.

Ein 400 m3 Löschwasserbecken im Stift sorgt zudem für Wassersicherheit.

In der Kartause Mauerbach befindet sich das Informations- und Weiterbildungszentrum für historisches Handwerk. Hier erforscht das Bundesdenkmalamt (BDA) historische Sanierungstechniken. „Notre Dame besteht aus Pariser Kalkstein, ähnlich wie wir ihn in unseren Kalköfen in der Kartause brennen. Wenn sich dieser auf 800 bis 900 Grad Celsius erhitzt, entsteht ,Branntkalk‘. Bei diesen Temperaturen wird der Kalk ,entsäuert‘, indem das Kohlendioxid ausgetrieben wird. Zurück bleibt Calciumoxid, ungelöschter Kalk“, erklärt Astrid Huber-Reichl, Abteilungsleiterin des Zentrums für Baudenkmalpflege im BDA.

Wenn dann Löschwasser darauf gerät, wird der Kalkstein gelöscht und zumindest die originale Oberfläche zerstört. Zuerst hohe Temperatur, dann rasche Abkühlung führen zu Rissen im Gemäuer. Ein weiteres Hitzeproblem ist, dass Bleifugen am Gebäude schmelzen. „Metall dehnt sich mehr aus als Stein. Risse sind abermals die Folge“, erläutert Huber-Reichl. Umso bedeutender ist daher das Wissen um historische Bautechniken.